14. Juli 2009

Von Kirschen und Zertifikaten

DER VIKTUALIENMARKT IN MÜNCHEN

Der Münchner Viktualienmarkt ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt, unter anderem auch wegen der Brunnendenkmäler, die großen Münchnern wie Liesl Karlstadt, dem Roider Jackl, dem Weiß Ferdl, Karl Valentin und anderen gewidmet sind, die sich um den bayerischen Humor besonders verdient gemacht haben.

Auf dem Viktualienmarkt kauft man Lebensmittel (“Viktualien”) bester Qualität zu mitunter stolzen Preisen. Ich habe dort heute ein Kilo allerfeinster deutscher Kirschen für 14 Euro gekauft. Handverlesen – und womöglich wurde jede einzelne Kirsche von Hand poliert. So sahen sie zumindest aus.

DIE GROSSMARKTHALLE IN MÜNCHEN

Die Familie eines meiner Schulfreunde hatte auf dem Viktualienmarkt lange Zeit einen Stand für Obst und Gemüse – den Stand 1. Mein Schulfreund Klaus hatte deshalb immer einen gut bezahlten Ferienjob, um den wir ihn allerdings immer dann nicht beneideten, wenn wir in den Ferien lange um die Häuser gezogen sind, denn Klaus musste im Anschluss an unsere ausgedehnten jugendlichen Streifzüge in aller Herrgottsfrühe mit seinem Vater zur Großmarkthalle.

Dort nämlich kaufte die Familie meines Freundes ihr Obst und Gemüse ein. Ich verrate Ihnen sicher kein Geheimnis, wenn ich Ihnen sage, dass der Preis für das Kilo Kirschen in der Großmarkthalle unter dem Preis liegt, den Sie zahlen, wenn Sie heute auf dem Viktualienmarkt ein Kilo Kirschen für 14 Euro kaufen. In die Großmarkthalle kommt aber nicht jeder einfach so rein.

ÜBER ÖKONOMISCHE VERNUNFT

Nun handelte die Familie meines Freundes natürlich ökonomisch, rechnete dem Großhandelspreis für das Kilo Kirschen ihre Kosten und den kalkulatorischen Unternehmergewinn hinzu und bot ihre Kirschen zu dem so berechneten Verkaufspreis an. Ich nehme an, der Großhändler, der die Kirschen seinerseits vom Erzeuger kaufte, verhielt sich ähnlich und schlug seinem Einkaufspreis eine Marge auf.

Wenn Sie sich spätestens jetzt fragen, warum ich Ihnen diese Banalitäten des Wirtschaftslebens aufdränge, dann bin ich Ihnen in der Tat eine Erklärung hierfür schuldig:

Einer der Anbieter klimaneutralen Drucks rühmt sich des Umstandes, dass er die CO2-Zertifikate, derer er sich zum Ausgleich von Emissionen bedient, “ohne Gewinnaufschlag” an seine Kunden weitergibt. Das ist eine zwar rührselige, aber gleichwohl nichtssagende Behauptung, die vor allem keine Auskunft darüber gibt, ob die CO2-Zertifikate, die dieses Unternehmen seinen Kunden anbietet, zu wettbewerbsfähigen Preisen angeboten werden oder nicht.

Wenn ich Ihnen das Kilo Kirschen, das ich heute auf dem Viktualienmarkt gekauft habe, für 14 Euro anbiete, dann wird es Sie vermutlich nicht interessieren, ob ich damit eine Marge erziele oder nicht. Sie werden mir wahrscheinlich entgegnen, dass 14 Euro ganz schön teuer ist. Ich teile Ihre Einschätzung übrigens, vor allem, nachdem mir meine Frau heute Abend sagte, dass das Kilo Kirschen vergleichbarer Qualität bei uns um die Ecke “nur” 10 Euro kostet. Die Kirschen haben meiner Frau aber gleichwohl geschmeckt.

ES KOMMT AUF DEN PREIS AN

Mit CO2-Emissionszertifikaten ist es ein wenig so wie mit Kirschen, wenn Sie mir den Vergleich nachsehen. Sie können CO2-Zertifikate also bildlich gesprochen entweder bei Ihnen um die Ecke, auf dem Viktualienmarkt, in der Großmarkthalle oder beim Erzeuger einkaufen. Je nachdem – und natürlich in Abhängigkeit von der Menge, die Sie einkaufen – entrichten Sie für das Kilo Kirschen gleicher Qualität entweder einen höheren oder einen geringeren Preis.

Markt im Tessin

CO2-Zertifikate werden zu Marktpreisen gehandelt. Photo: Der Hans, Markt im Tessin. Quelle: www.piqs.de. Some rights reserved.

Zum Thema Qualität: ClimatePartner hatte bislang kaum CO2-Emissionszertifikate vom begehrten Typ VER Gold Standard. Da ClimatePartner einen guten Marktzugang und Kompetenz bei der Beurteilung von Klimaschutzprojekten hat und stets in größeren Mengen einkauft, haben wir uns stark auf herkömmliche VER- und VCS-Projekte konzentriert, die wir bei Lieferanten unseres Vertrauens am Markt kaufen und auf unser Risiko und unsere Kosten auf Lager nehmen, um sie unseren Kunden im Kleinmengenbereich, also in Mengen kleiner 1.000 Tonnen, anbieten zu können. So konnten und können wir unseren Kunden stets aus einem Portfolio verschiedenster Geographien und Technologien Angebote zu guten Konditionen unterbreiten. Vermutlich haben wir die Nachfrageentwicklung nach VER Gold Standard-Projekten falsch eingeschätzt, aber das tut an dieser Stelle nichts zur Sache, denn …

WIR NEHMEN DIE HERAUSFORDERUNG GERNE AN

Wenn ich bei einem Anbieter klimaneutralen Drucks lesen muss, dass dieser CO2-Zertifikate angeblich “ohne Gewinnaufschlag” an seine “Partner” weitergibt, dann ist das unter drei Gesichtspunkten eine Herausforderung für ClimatePartner, der wir uns gerne stellen:

Von wegen “ohne Gewinnaufschlag”
Erstens mag es zwar sein, dass von diesem Anbieter in der Tat kein “Gewinnaufschlag” auf den Preis vorgenommen wird, den er selbst entrichtet. Ich bezweifele aber sehr, dass dieser Anbieter keinen wirtschaftlichen Vorteil von seinem (übrigens: einzigen) Lieferanten erhält, also eine Provision oder einen sonstigen geldwerten Vorteil, wie z.B. den Marktzugang in der Schweiz. Eine Leistung ohne Gegenleistung wäre ein durchaus unübliches Geschäftsgebaren in diesen Zeiten und in dieser Branche, wie ich sie in den letzten beiden Jahren kennengelernt habe.

Wirtschaftlicher Unsinn
Zweitens wäre solch ein Verhalten, wenn denn die Behauptung stimmt, ökonomisch unsinnig und damit nicht nachhaltig, denn (1) die sorgsame Auswahl von CO2-Emissionszertifikaten, (2) die Beratung des Kunden, (3) die Abwicklung des Kaufs, (4) die Buchhaltung und (5) Stilllegung der Zertifikate und nicht zuletzt (6) die Prüfungen der Zertifikatebuchhaltung verursachen einen nicht unerheblichen finanziellen und personellen Aufwand, der kalkulatorisch berücksichtigt werden muss, wenn man mit dem Verkauf von CO2-Zertifikaten keine Verluste erwirtschaften möchte.

VER Gold Standard bei ClimatePartner für 14 Euro pro Tonne
Und drittens lassen wir so dreiste Behauptungen nicht einfach im Raum stehen. Statt dessen sind wir schnell einmal “in die Großmarkthalle” gegangen, haben ein wenig verhandelt und bieten Ihnen nun auch VER Gold Standard-Zertifikate an – und zwar für 14 Euro die Tonne zzgl. Mehrwertsteuer. Zwar ist dieses Angebot zunächst beschränkt auf 2.000 Tonnen, aber das sollte erst einmal reichen und mehr konnten wir zudem in der Kürze der Zeit nicht wirklich zu guten Konditionen erwerben. Jetzt vergleichen Sie bitte selbst unseren Preis für VER Gold Standard mit denen der anderen, also denen, die angeblich keinen “Gewinnaufschlag” auf ihre Einkaufspreise erheben.

Offenlegung der Kalkulation
A propos, wir haben auf diesem Preis selbstverständlich eine Marge, da wir ökonomischen Erfolg als eine der drei Säulen der Nachhaltigkeit anerkennen und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zudem die Vorbedingung für soziale und ökologische Verbesserungsleistungen ist. Unsere Marge beträgt 14,29% unseres Verkaufspreises. M.a.W. beträgt unser Einkaufspreis 12 Euro pro Tonne. Mit dieser Marge decken wir unsere oben skizzierten Kosten ab sowie diejenigen Kosten, die mit der Finanzierung der Zertifikate über unsere Bank verbunden sind.

Unser Versprechen
Das Angebot ist beschränkt auf Kunden unseres Hauses, denen wir hiermit zugleich versprechen, dass wir – zunächst bis zum 31.12.2010 – stets ein VER Gold Standard Projekt zu diesen oder besseren Kosten für Sie vorrätig haben werden. Sollten Sie bei einem der Anbieter klimaneutralen Drucks Gold Standard-Projekte für einen besseren Preis bekommen, schlagen Sie bitte sofort zu. Und sollte dieser Preis unter 12 Euro liegen, sagen Sie mir bitte Bescheid, dann würde ClimatePartner sich nämlich gerne an Ihre Bestellung dranhängen.

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N.B.: Wer uns kopiert, soll das bitte konsequent machen und sich nicht nur Anleihen bei unserem Namen, unseren Inhalten, unserem CO2-Rechner, unseren Präsentationen oder unseren Ideen nehmen. Wir zahlen 12 Euro pro Tonne VER Gold Standard-Zertifikat. Da wir im Gegensatz zu anderen einen Aufschlag von 2 Euro nehmen (s.o.), sollten diese anderen ihre VER Gold Standard-Zertifikate eigentlich für 12 Euro pro Tonne anbieten können. Wenn diese Preissenkung ausbleibt, erwarten wir wenigstens eine gute Ausrede…