17. Juli 2009

Wirtschaftlichkeit regenerativer Energien

Vor ein paar Tagen schrieb das CleanEnergy-Project über die energetische Amortisation von Kraftwerken. Ludger Schomaker stellt in diesem interessanten Artikel zusammenfassend fest, dass die regenerativen Energien unter diesem Aspekt unschlagbar seien. Unmittelbar nach dieser Feststellung zur energetischen Amortisation schreibt Schomaker allerdings:

“Die Wirtschaftlichkeit dieser Anlagen ist ein anderes Thema.”

Hiermit weist Schomaker auf die Diskussion um die Frage hin, wann sich regenerative Energien wirtschaftlich rechnen. Ich glaube, diese Frage stellt sich nicht wirklich:

Zunächst einmal stellt sich mir die Frage, ob der Verbrauch endlicher natürlicher Ressourcen je als “wirtschaftlich” angesehen werden kann, auch wenn ich natürlich jeden Tag auf’s Neue erfahre, dass man mit der Vernichtung von Ressourcen durchaus satte Gewinne erzielen kann.

Wenn es ferner zutrifft, dass Kraftwerke auf der Basis regenerativer Energieträger hinsichtlich ihrer energetischen Bilanz bereits heute besser abschneiden als herkömmliche Kraftwerke, dann vermute ich, dass es nur eine Frage der Zeit und des technischen Reifegrades der Anlagenentwicklung ist, bis sie auch wirtschaftlich die bessere Bilanz aufweisen.

Die Frage nach der wirtschaftlichen Rentabilität von Kraftwerken darf sodann nicht auf die betriebswirtschaftliche Sicht der Kraftwerksbetreiber beschränkt werden. Vielmehr sind in diese Betrachtungen auch diejenigen Kosten einzubeziehen, die nicht von den Kraftwerksbetreibern bezahlt werden, sondern von anderen natürlichen oder juristischen Personen. Ich vermute, wenn man nur alle halbwegs quantifizierbaren Folgekosten (z.B. für Reinigung, Krankenbehandlung, Gefahrenabwehr und Beseitung von Unglücksfolgen) in diese Betrachtung einbezöge, würden die regenerativen Energieträger die deutlich bessere Rentabilität aufweisen: Es kommt ja für diese Berachtung nicht darauf an, wer für diese Kosten aufkommt, entscheidend ist vielmehr nur, dass diese Kosten überhaupt entstehen, auch wenn die Kraftwerksbetreiber nicht zu deren Begleichung herangezogen werden.

Wenn es aber grundsätzlich nicht gut sein kann, endliche Ressourcen aufzubrauchen, wenn regenerative Energieträger bereits heute eine vorzugswürdige energetische Bilanz aufweisen und wenn unter Berücksichtigung der auf die Allgemeinheit abgewälzten versteckten Kosten der traditionellen Energieerzeugung vermutlich auch wirtschaftlich die besseren Gründe für die regenerativen Energieträger sprechen, dann sollten wir hieraus die richtigen Konsequenzen ziehen.

Eine dieser Konsequenzen – und vermutlich die wichtigste – ist es, sofort auf regenerative Energieträger umzustellen und dabei gerade nicht die Frage zu stellen, ob es sich wirtschaftlich rechnet. Wer an Nachhaltigkeit interessiert ist, sollte sich vielmehr die Frage stellen, ob er die mit seinem Verbrauch fossiler Energieträger einhergehenden versteckten Kosten wirklich auf andere oder die Allgemeinheit abwälzen darf.

Da es derzeit noch viel zu wenige Anlagen zur regenerativen Energieerzeugung gibt, um den weltweiten Bedarf an Energie zu decken, könnte die Ausweitung des CO2-Emissionshandels auf alle Erscheinungsformen der Verbrennung fossiler Energieträger eine Maßnahme sein, um den dringend erforderlichen Umstieg auf regenerative Energieträger zu beschleunigen.

Ich glaube, es wäre wirtschaftlich rentabel, unsere Abhängigkeit von den fossilen Energieträgern schnellstmöglich zu beenden.