5. August 2009

Jetzt Ökostrom (II)

Wir erstellen zahlreiche CO2-Bilanzen von Unternehmen. Im Zuge der Bilanzbesprechung stellt sich häufig die Frage nach den zu treffenden Maßnahmen.

Eine der Maßnahmen, die eigentlich immer thematisiert wird, ist die Umstellung auf Ökostrom, denn es macht nicht wirklich Sinn, über Klimaschutz zu diskutieren, wenn eine so nahe liegende Maßnahme wie die Umstellung auf Ökostrom nicht in Betracht gezogen wird.

Vergessen Sie nicht, wir reden über die globale Erwärmung, die durch die Anreicherung der Atmosphäre mit Treibhausgasen hervorgerufen wird. Ein Großteil der Treibhausgase entsteht bei der Energieerzeugung durch Steinkohle, Braunkohle, Erdöl und Erdgas. Die Energiewende, also die Umstellung auf erneuerbare Energieträger, ist daher unser Kernthema, namentlich in Deutschland als dem Land, in dem 9 der 30 schmutzigsten Kraftwerke Europas stehen, die 2006 zusammen für mehr als 157 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich waren.

Einige Zahlen hierzu:

  • Wenn Sie von herkömmlichem Strom (“Graustrom”) auf Ökostrom umstellen, sparen Sie damit mehr als 93% der Emissionen, die Sie durch Ihren Stromverbrauch mittelbar verursachen, denn Graustrom kommt im Bundesmix mit etwa 600 Gramm CO2 je kWh einher, Ökostrom nur mit ca. 40 Gramm CO2, wobei hierin jeweils die CO2-Emissionen enthalten sind, die auf die Errichtung der Anlagen zur Energieerzeugung entfallen. Damit ist klar, dass Ökostrom Ihnen eine Menge CO2-Emissionen in Ihrer CO2-Bilanz eliminiert. Wenn Sie z.B. eine Gigawattstunde Strom pro Jahr benötigen, geht die Erzeugung des Graustroms durchschnittlich mit 600 Tonnen CO2 einher, die des Ökostroms lediglich mit 40 Tonnen CO2.
  • Wenn Sie den Ausgleich von CO2-Emissionen durch den Kauf von CO2-Emissionszertifikaten in Betracht ziehen, dürften folgende Erwägungen für Sie interessant sein: Bei einem Tonnenpreis von 12 Euro für CO2-Emissionszertifikate kostet der Ausgleich jeder Kilowattstunde Graustrom 0,72 Cent, der Ausgleich jeder Kilowattstunde Ökostrom hingegen nur 0,048 Cent. Pro Kilowattstunde Ökostrom müssen Sie also 0,672 Cent weniger für CO2-Emissionszertifikate ausgeben als für den Ausgleich der entsprechenden Menge an Graustrom. Bei 1 Gigawattstunde Strom pro Jahr sind das lediglich 560 Euro für den Ökostrom versus 7.200 Euro für den Graustrom.
  • Wenn Sie vor der Frage stehen, wann es wirtschaftlich vorteilhafter ist, die Emissionen Ihres Graustroms mit CO2-Zertifikaten auszugleichen oder aber Ökostrom zu kaufen, gilt folgende Formel: Die Anschaffung von Ökostrom ist wirtschaftlich immer dann günstiger als der Kauf von CO2-Emissionszertifikaten, wenn der etwaige Mehrpreis des Ökostroms je Megawattstunde geringer ist als 56% des Tonnenpreises für die in Betracht gezogenen CO2-Emissionszertifikate. Ein Beispiel: Der Mehrpreis für Ökostrom möge 5,0 Euro pro Megawattstunde betragen, der Tonnenpreis für Zertifikate möge bei 12 Euro liegen: 56% von 12 Euro sind 6,72 Euro. Die Anschaffung von Ökostrom ist in diesem Fall auch wirtschaftlich der Anschaffung von CO2-Emissionszertifikaten gegenüber vorzugswürdig.

Und falls Sie trotz dieses Beitrags (und dieses früheren hier) immer noch daran zweifeln sollten, dass Ökostrom zu wirtschaftlich konkurrenzfähigen Konditionen am Markt verfügbar ist, dann nehmen Sie sich bitte einmal fünf Minuten Zeit und vergleichen Sie die Tarife von Graustrom und Ökostrom – z.B. bei Verivox.