25. September 2009

Ein unmoralisches Angebot

Der eine oder andere unter Ihnen wird sich womöglich darüber wundern, dass ein sogenanntes Serviceportal im Umfeld Druck uns gerade provoziert und wir uns das augenscheinlich gefallen lassen. Wir lassen uns das aber nicht gefallen. Hier folgt unsere Antwort:

Das sogenannte Serviceportal hat vor kurzem einen sogenannten Report veröffentlicht, der unserer Meinung nach nichts weiter ist als ein mit trivialen Inhalten gefülltes und modisch auf grün getrimmtes Anzeigenblatt. Unsere Erfahrungen mit diesem Medium haben uns im Übrigen dazu veranlasst, eine neue Rubrik hier im Blog einzuführen, nämlich die der “untersten Schublade”. In diese Kategorie reihen wir fortan Dinge ein, für die uns die anderen Kategorien unseres Blog zu schade sind, die wir Ihnen aber gleichwohl nicht vorenthalten wollen.

Heute zeigen wir Ihnen in dieser Rubrik, was man für Geld alles tut. Ferner zeigen wir Ihnen heute, dass man sich für nur 9.600 Euro angeblich viel Reichweite und Bedeutung kaufen kann und damit souverän alle Wettbewerber im Feld abhängt. Zumindest auf dem Papier, nämlich dem des besagten Reports.

In dem Report haben übrigens eine Reihe unserer Kunden und Partner Anzeigen geschaltet – und wir wollen gar nicht wissen, welche Verhandlungen zu diesen Anzeigen führten und welche Versprechungen den Anzeigenkunden gemacht wurden.

Und jetzt zur Sache:

TEIL I: WIE ALLES BEGANN

Das sogenannte Serviceportal kam im Mai 2009 auf ClimatePartner als dem “persönlichen Favoriten” des Herausgebers mit dem Wunsch nach einer Partnerschaft zu. Die Partnerschaft wurde uns unter anderem mit folgenden Aussagen des Herausgebers schmackhaft zu machen versucht:

“Im Falle einer Partnerschaft sichern wir zu, dass Ihr Unternehmen Hauptpartner für die Studie ist. Es werden keine wettbewerbenden Unternehmen integriert, bis auf die sachliche Erklärung der offerierten Angebote in einem entsprechenden redaktionellen Beitrag. (…) Es wird beiden Seiten zuträglich sein, die jeweils bestehenden Kontakte für eine offen ausgesprochene Empfehlung zu nutzen.”
(Aus dem Schreiben des Herausgebers des sogenannten Serviceportals vom 18. Mai 2009. Anm.: Hervorhebungen vom Verfasser)

Dem Schreiben war ein Angebot für eine Kampagne “im redaktionellen Umfeld ‘ökologisch drucken’” beigefügt, das unter anderem auch einen ClimatePartner-Filterpunkt für das sogenannte Ökorating sowie die Einbindung der Marke ClimatePartner als integralen Bestandteil der angeblich auf diversen Internetseiten ausgestrahlten Umfrage vorsah. Kosten alles zusammen: 14.600 Euro, großzügig rabattiert 9.600 Euro.

Und ja, Sie haben richtig gelesen: Für 9.600 Euro hätten wir uns die Hauptpartnerschaft der Studie, den Wettbewerbsausschluss, die offen ausgesprochene Empfehlung, einen ClimatePartner-Filterpunkt für das sogenannte Ökorating, einen prominenten Platz im Rahmen der Printbuyer-Umfrage sichern und andere Leistungen “im redaktionellen Umfeld” kaufen können.

Davon haben wir allerdings Abstand genommen, weil wir unsere Reputation nicht auf’s Spiel setzen wollen und keine Veranlassung haben, Geld für eine zweifelhafte Dienstleistung in einem Report auszugeben, an dessen Seriosität wir schon aufgrund des uns unterbreiteten Angebots erhebliche Zweifel haben müssen: Warum wird in einem angeblich objektiven Report der Wettbewerb ausgeschlossen? Warum wird in einem angeblichen Ökoranking ein Filterpunkt “ClimatePartner” verkauft? Warum soll man nicht nach unseren Wettbewerbern suchen können, deren Kunden ja auch Anzeigen in dem angeblichen Report gekauft haben? All das ist nicht Stil unseres Hauses, oder – um es deutlich zu sagen – wir haben das alles nicht nötig.

TEIL II: WIE ES DANN WEITER GING

Es war uns eigentlich völlig klar, welcher unserer Wettbewerber sich diese Chance auf eine ihm durchaus nicht angemessene Positionierung als Klimaretter des Druckmarktes nicht entgehen lassen würde: Wer selbst nichts zu sagen hat, kauft sich schon mal gerne eine Stimme und platziert sich gerne neben einer Aussage von Al Gore, der, wenn er wüsste, wofür sein Name herhalten muss, vermutlich nicht erfreut wäre.

Dass es allerdings so übel werden würde, wie es nun geworden ist, haben wir uns selbst in unseren kühnsten Träumen nicht ausgemalt – und wir sind, was diejenigen wissen, die uns kennen, durchaus phantasiebegabt:

Das hohe Lied auf unseren Wettbewerber – der sich gerne als “Umweltagentur” bezeichnet und seinen Kundenkreis als “Umweltnetzwerk” – das im sogenannten Report gesungen wird, schreckt auch vor unwahren Tatsachen, offener Rufschädigung und anderen Nettigkeiten nicht zurück. Unser Wettbewerber erstellt nun angeblich auch “Ökobilanzen”, preist gebetsmühlenhaft an, dass er bei seinen CO2-Emissionszertifikaten (angeblich) im Gegensatz zu anderen (angeblich) nichts verdient, behauptet nach wie vor, er würde eine Zertifizierung anbieten, und so weiter.

Zutreffend ist: Unser Wettbewerber erstellt keine Ökobilanzen, sondern allenfalls CO2-Bilanzen, die lediglich Teil einer Ökobilanz darstellen. Ökobilanzierung erfolgt typischerweise nach ISO 14044. Einrichtungen wie z.B. das Öko-Institut oder das IFEU-Institut sind für hervorragende Ökobilanzen bekannt.

Zutreffend ist ferner: Wie wir bereits an anderer Stelle ausgeführt haben, ist es völlig unerheblich, ob unser Wettbewerber an den von ihm vermittelten CO2-Emissionszertifikaten verdient oder nicht. Entscheidend ist allein, dass seine CO2-Emissionszertifikate für den gleichen Typ, nämlich den von ihm so gepriesenen Gold Standard VER, deutlich teurer sind als die Zertifikate von ClimatePartner vom gleichen Typ: Wir verkaufen Gold Standard VER zum Preis von 14 Euro pro Tonne CO2. Wir bewegen große Mengen an CO2-Zertifikaten, haben einen guten Namen im Markt und verhandeln gut. Deshalb erzielen wir auch gute Preise im Einkauf. Wenn Sie bei einem unserer Wettbewerber mehr als 14 Euro für Gold Standard-Zertifikate bezahlen, dann ziehen Sie einfach die richtigen Schlüsse hieraus. Unser Wettbewerber kauft keine Zertifikate, sondern vermittelt diese seinen Kunden ausschließlich – und das zu deutlich höheren Preisen als denjenigen, die wir verlangen. Da wir schließlich im eigenen Namen einkaufen, ist es auch völlig absurd, von Provisionen zu sprechen, die wir angeblich einbehalten würden.

Zutreffend ist schließlich: Unser Wettbewerber bietet keine Zertifizierung an, sondern allenfalls eine Beratung nach seinem eigenen, nicht zertifizierten Vorgehen. Auch hierauf haben wir bereits an anderer Stelle hingewiesen. Eine Zertifizierung ist ein Verfahren, durch das eine unabhängige Partei die schriftliche Versicherung abgibt, dass ein Produkt, Prozess oder Dienst den Anforderungen entspricht, die in einem validierten Referenzwerk, also einem Standard, niedergelegt sind. Unserem Wettbewerber fehlt es erstens an der Unabhängigkeit, denn er ist der Urheber seines eigenen Verfahrens und kann schon deshalb kein Zertifizierer sein. Ferner ist sein Verfahren keiner anerkannten Validierung (z.B. nach ISO 14064-1) unterzogen worden. Die Dienstleistung unseres Wettbewerbers ist also nicht zertifiziert. Der ClimatePartner-Druckprozess hingegen ist nach ISO 14064-1 validiert – und zwar vom SQS, der Schweizerischen Vereinigung für Qualitäts- und Managementsysteme. Wir haben damit also zumindest einen zertifizierbaren Standard, erbringen aber gleichwohl keine Zertifizierungsleistungen, da auch wir die Urheber unseres eigenen Standards sind und keine vom Referenzwerk unabhängigen Dritten.

Und bei dieser Gelegenheit: Die Validierung des ClimatePartner-Druckprozesses nach ISO 14064-1 bedeutet, dass der ClimatePartner-Druckprozess die Treibhausgase auf Unternehmensebene in Übereinstimmung mit der insoweit maßgeblichen Vorschrift ISO 14064-1 ermittelt. Wer an Details hierzu interessiert ist, sei auf den interessanten Artikel „Treibhausgasinventar“ von SQS verwiesen.

Unser Wettbewerber hat jetzt in dem sogenannten kostenlosen Serviceportal ein ihm adäquates Medium gefunden, das seine Un- und Halbwahrheiten bereitwillig abdruckt: Annähernd alle Aussagen zu unserem Wettbewerber waren bzw. sind positiv und betonen dessen angebliche Kompetenz und Seriosität, während ClimatePartner bei fast allen Erwähnungen in die Nähe einer negativen oder zumindest zweifelhaften Aussage gerückt wurde. Ganz offensichtlich dient dieses Verhalten keinem anderen Zweck als der werblichen Bevorzugung unseres Wettbewerbers, entsprach also mutmaßlich der ursprünglich uns angebotenen Vereinbarung über die den Wettbewerb ausschließende Integration als “Hauptpartner”.

Und das alles ist sogar noch steigerungsfähig: Das sogenannte Serviceportal schreibt allen Ernstes von einem “Test”, den es über uns und unsere Wettbewerber angeblich durchgeführt habe. Einen derartigen Test hat es jedoch nicht gegeben und wir haben erhebliche Zweifel daran, dass auch nur ein Redaktionsmitglied des Serviceportals überhaupt hierzu befähigt wäre. Das hält den Herausgeber des Serviceportals allerdings keineswegs davon ab, die Behauptung eines angeblichen Tests gleichwohl und der Wahrheit zuwider aufzustellen, um dadurch seinen „Hauptpartner“ gut zu positionieren und uns und alle anderen Anbieter im Markt zu diskreditieren.

Wir haben dem Herausgeber vor einer Woche ein 24-seitiges Schreiben gesandt, in dem wir unsere Beanstandungen zusammengefasst haben und ihn wissen ließen, dass wir zu juristischen Maßnahmen greifen würden, wenn die offensichtlichen Rechtsverletzungen nicht sofort ein Ende fänden.

Vermutlich in erster Linie unter dem Druck der juristischen Schritte, die wir ansonsten eingeleitet hätten, hat sich das sogenannte Serviceportal dazu entschlossen, seinen sogenannten Report wenigstens an einigen Stellen zu „überarbeiten“. Die Art der redaktionellen Überarbeitung des sogenannten Reports ist übrigens auch der Erwähnung wert:

Stand bei einer Passage vorher unser Wettbewerber, wurde im Zuge der Überarbeitung überwiegend dessen Name kurzerhand durch unseren Namen ersetzt. Das nennen wir eine wirklich saubere und gewissenhafte journalistische Arbeit!

Hierauf wollten wir die Angelegenheit dann gleichwohl auf sich beruhen lassen, weil wir keine Ambition haben, uns in einem kleinen Markt mit anderen Marktteilnehmern zu streiten. Zudem war uns weder das Serviceportal noch unser Wettbewerber die Anwaltskosten wert, die wir für den Rechtsstreit hätten verauslagen müssen. Ein weiterer Akt der Unfreundlichkeit des sogenannten Serviceportals hat uns jedoch veranlasst, diesen Artikel – gewissermaßen als Gegenschlag – zu verfassen. Er beinhaltet zugleich die durchaus ernst gemeinte Warnung an das sogenannte Serviceportal und unseren Wettbewerber, es nicht zu weit zu treiben. Wir verstehen Spaß, aber alles hat seine Grenzen.

TEIL III: WIE ES JETZT WEITERGEHT

Unsere Erfahrungen mit diesem Serviceportal können schlechter nicht sein. Es hat ohne Anlass und mutmaßlich nur aus Gewinnstreben heraus einen als objektiv angekündigten Umweltreport im Zusammenwirken mit einem Wettbewerber so tendenziös verfasst, dass unser Ruf ernstlich Schaden hätte nehmen können, wenn das Serviceportal in der Branche etwas zu sagen hätte.

Zwei Dinge sind es, die uns an dem Verhalten des sogenannten Serviceportals ganz besonders ärgern:

1) Die Dreistigkeit, derlei Geschäfte unverhohlen unter dem vermeintlichen Schutz des Deckmantels Klimaschutz und Ökologie zu betreiben, denn damit erweist man ehrlichen Ansätzen hierzu einen Bärendienst.

2) Die Rücksichtslosigkeit gegenüber den zahlreichen Inserenten des sogenannten Serviceportals, die zugleich auch ClimatePartner-Kunden sind und die durch die unfaire Behandlung, die wir erfahren haben, hinsichtlich ihrer eigenen Umweltleistungen herabgewürdigt werden, denn schließlich heftet diesen Druckereien nach der Darstellung des sogenannten Serviceportals ja der Makel an, dass sie mit uns – und nicht mit unserem Wettbewerber – zusammenarbeiten.

Wir sind der Auffassung, dass man mit Unternehmen, die sich so verhalten, keine Geschäfte machen sollte. Daher gab es zu keiner Zeit eine Partnerschaft oder Zusammenarbeit zwischen uns und dem sogenannten Serviceportal, es gibt keine und es wird auch künftig keine geben.

Edit [26.9.2009, 1:20 Uhr] Hinweis: Wir geben zu diesem Beitrag keine Kommentare frei, die mit gefakten Email-Adressen eingestellt wurden. Danke für Ihr Verständnis.