2. Dezember 2009

Erste Stellungnahme zum PCF-Memorandum

Das Öko-Institut hat soeben das Memorandum Product Carbon Footprint vorgelegt (siehe vorheriger Beitrag). Helena Ponstein hat dieses Dokument einmal inhaltlich ausgewertet und ihre ersten Eindrücke zu einer Stellungnahme zusammengefasst:Derzeit beschäftigt sich eine Vielzahl von Initiativen mit der Erstellung von CO2-Fußabdrücken für Produkte (Product Carbon Footprints, oder PCFs), die Reduktionspotentiale in der Wertschöpfungskette erschließbar machen und den klimafreundlichen Konsum fördern können. Ein international verbindlicher, harmonisierter Standard existiert derzeit nicht, ist jedoch in Arbeit.Das Öko-Institut hat nun im Auftrag des Umweltbundesministeriums ein Memorandum zum Product Carbon Footprint herausgegeben, in dem die wesentlichen Punkte der methodischen Standardisierung und konkrete Empfehlungen für das praktische Vorgehen bei der Erstellung von PCFs in der Übergangszeit bis zum Vorliegen der internationalen Standards dargestellt werden. Ein PCF ist die Bilanz der Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts, also von Herstellung und Transport der Rohstoffe und Vorprodukte über Nutzung bis hin zu Nachnutzung und Entsorgung von Waren und Dienstleistungen. Transparenz und RelevanzBislang wurden die PCFs meist von einem Auftraggeber in Arbeit gegeben und von einem Bearbeiter durchgeführt. Der Vergleich von PCFs von Konkurrenzprodukten (z.B. durch die Darstellung von CO2e-Werten oder durch CO2e-Label) ist derzeit aus methodischen Gründen nicht möglich.Nun soll jedoch die Vergleichbarkeit von PCFs unterschiedlichster Herkunft ermöglicht werden, was die Vergleichbarkeit von wesentlichen Rahmenbedingungen und Annahmen, Datenqualität und Detailtiefe (produktgruppenübergreifendes Scoping) erfordert. Das Öko-Institut schlägt vor, detaillierte Festlegungen für die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen auf der Ebene von Produktgruppen (durch Product Category Rules) zu schaffen, die jedoch erst spezifiziert werden müssten.ClimatePartner interessiert besonders die Empfehlung des Öko-Instituts, wonach „wesentliche Prozesse, die Teile des Geschäftsbetriebs sind, wie etwa Druck und Vertrieb von Katalogen, Betrieb von Webseiten und Herausgabe von Zeitschriften (…)“ bei Relevanz in den PCF einfließen sollen. Bislang waren die Treibhausgasemissionen hieraus nicht in den Emissionsbilanzen enthalten. Fallbeispiele zeigen jedoch, dass der Beitrag dieser Prozesse erheblich sein kann und daher bei der Erstellung des PCFs beachtet werden soll.ÖkostromDes Weiteren enthält das Memorandum einen interessanten Vorschlag über das Vorgehen bei der Bewertung von Ökostrom:Die Berücksichtigung von Ökostrom wirft methodische Probleme auf: Im bestehenden Gesamt-Strommix ist ohnehin Ökostrom enthalten, etwa aus alten Flusswasserkraftwerken. Wird Ökostrom von einem Anbieter bezogen, der den Grünstrom aus bestehenden Anlagen lediglich umbilanziert, entsteht daraus kein ökologischer Nutzen. Die Berücksichtigung von Ökostrom im PCF ist folglich nur sinnvoll, wenn er aus neu gebauten Anlagen stammt und auf einer zusätzlichen privaten Maßnahme beruht, nicht auf einer staatlichen Vorschrift oder Einspeisevergütung.Das Öko-Institut empfiehlt daher, nur Ökostrom von Anlagen, die nicht älter als sechs Jahre sind, zu 100% mit den spezifischen Emissionen der jeweiligen Erzeugung (inklusive Vorketten) zu bilanzieren. Die Ökostrommenge aus Anlagen, die zwischen 6 und 12 Jahre alt sind, sollen zu 50% mit den spezifischen Emissionen und zu 50% mit dem nationalen Durchschnitts-Mix bilanziert werden. Ökostrom von Anlagen älter als 12 Jahre sollen mit dem Emissionsfaktor des nationalen Gesamt-Strommixes bewertet werden. Ökostrom muss nachweislich als solcher zertifiziert sein.Biogene KohlenstoffspeicherungAuch die Stellungnahme zur Speicherung von CO2 bzw. Kohlenstoff in Produkten ist erwähnenswert: Das Öko-Institut empfiehlt, biogene Kohlenstoffspeicherung nicht zu erfassen und nicht vom PCF abzuziehen. Die Erfassung von geogener Kohlenstoffspeicherung (z.B. in Beton) soll grundsätzlich möglich sein, aber erst, wenn hierzu Product Category Rules vorliegen.Download des Memorandums des Öko-Instituts Download der Stellungnahme von ClimatePartner