12. Dezember 2009

Making Of: Our New Website

Jetzt, da unsere neue Website im Netz steht, sieht alles so einfach aus. In der Tat war die Entwicklung der neuen Seite allerdings eine schwere Geburt und hat uns viele, viele schlaflose Nächte bereitet.

Am Anfang sah alles so leicht aus: Wir brauchen eine neue Website, müssen mit den platten Sprüchen und dem Durcheinander und der schlechten Navigation aufräumen. Klar und elegant soll sie sein, die neue Website, persönlich und aufgeräumt, lautete das Ergebnis einer Besprechung im Mai dieses Jahres.

Dann wurde sehr schnell viel gestaltet und getextet, Bilder ausgesucht, eine Struktur entworfen und nette Gimmicks ausgedacht. Grün und blau auf weißem Hintergrund war der erste Entwurf. Sachlich, kühl, im klassischen Beraterlook und mit dem klassischen Beratercontent. Wer wir sind, was wir können, wer unsere Referenzen sind und derlei Dinge.

Dann kamen die ersten Zweifel und die gesellschaftsrechtliche Neuordnung der ClimatePartner-Gruppe. Im Zuge dessen wurde klar: Ein neues Logo muss her. Alles wird anders. Wo anfangen, wenn sich alles ändert? Welche Inhalte können wir noch übernehmen, welche wollen wir überhaupt noch übernehmen?

Angesichts dessen hatte niemand so rechte Lust, an der Website weiterzumachen. Bis dann das neue Logo da war. Klar im Schriftzug, streng sachlich und außergewöhnlich, was die Farbe betrifft. Lila! Oh Gott, warum gerade lila?

Das Logo stand also und es gab keine Ausrede mehr, die Arbeiten an der Website weiter zu verschieben. Bestandsaufnahme: Fast alles ist fertig, es fehlen nur mehr ein paar Texte. Klar, die Seite war immer noch grün und blau auf weißem Hintergrund, das harmonierte nun nicht mehr mit dem neuen Logo, aber alles in allem waren das ja nur mehr Kleinigkeiten.

Von wegen! Schnell war eine Krisensitzung einberufen. Wollen wir wirklich so langweilig sein? Grün und blau mit durchschnittlichen Aussagen, die niemanden provozieren und überall glatt durchgehen würden? Nein, das sind wir nicht.

Also werfen wir alles erst einmal weg und fangen neu an. Als Devise wird ausgegeben: Alles ist erlaubt, es gibt keine Regeln und keine Grenzen.

Nur zwei Tage später, mittlerweile ist es Mitte November, wird zu einer spontanen Präsentation in unserer Lounge geladen. Das interne Entwicklungsteam wirft eine Powerpoint an die Wand. Viel lila und grinsende Mainzelmännchen werden an die Wand gebeamt. Und die Frage: “Wer oder was ist ClausPeter?”

Stille. Sehr lange sagt niemand etwas. Alle schauen an die Wand und betrachten die “Männchen auf lila”. Sebastian Robl hat die Männchen gezeichnet und sieht sie als Navigationselemente vor. Die Augen richten sich auf die Geschäftsführung, die immer noch an die Wand sieht und es irgendwie noch nicht fassen kann. Da waren sie, die Geister, die wir riefen: Robl-Männchen!

“OK, wir bauen vorläufig darauf auf. Entwickelt es weiter und präsentiert das endgültige Design. Dann sehen wir weiter.” Damit vermied die Geschäftsführung eine Entscheidung in diesem Moment und behielt sich vor, die Idee später immer noch zu kippen.

Von da an ging alles sehr schnell. Die Robl-Männchen wurden überarbeitet und erhielten ein paar Brüder (noch keine Schwestern). Tag für Tag und Nacht für Nacht sah die neue Seite dann immer releasefähiger aus. Die Sache mit den Männchen war aber immer noch nicht entschieden. Ende November dann drängten alle auf einen Releasetermin und eine Entscheidung.

Es fehlte an allem: Kein Text stand, kein Bild war ausgesucht, klar war nur: Krass muss sie werden, die neue Seite. Es darf kein banaler Wischiwaschi-Text mehr übrig bleiben, alles wird so lange geschliffen, bis die Aussagen stimmen und vor allem zu uns passen.

Im Mittelgebäude unseres Münchner Büros wurde noch nie so viel Kaffee konsumiert und so viel Hardrock gedröhnt wie in den letzten 10 Tagen bis zur Lifeschaltung der Website. Manche Arbeitstage endeten erst um 3.00 Uhr morgens, in der letzten Woche vor der Lifeschaltung war das die Regel, die letzten beiden Tage wurde rund um die Uhr gearbeitet.

Was ich nie vergessen werde: Am 3.12. ruf mich der Vorstand unseres Mitgesellschafters an und wir besprechen das eine oder andere. Ich sitze im Auto. Im Verlauf des Gesprächs verweise ich ihn wegen einer Information auf unsere Website. Kurz darauf: “Da ist nur ein Countdown und alles ist lila.”

Des Rätsels Lösung: Mario Schilling und Sebastian Robl hatten kurzerhand beschlossen, die alte Website vom Netz zu nehmen und gegen eine lila Pausenseite mit einem Countdown auszutauschen, der am 6.12. um 24.00 Uhr auslief. Ach ja, die beiden hatten natürlich niemanden hierzu befragt, schon gar nicht die Geschäftsführung. Hey, wow, ich meine, haben Sie Mitarbeiter, die sich trauen, die Website Ihrer Firma vom Netz zu nehmen, ohne Sie zu fragen? Wir schon! Das sind großartige, mutige und coole Jungs!

Kleine Schattenseite dieser Aktion: Der Druck, bis zum 7.12. die Seite fertigzustellen, nimmt nicht unerheblich zu. Und dieser Druck ist messbar. Da auf der Pausenseite ein Link zu unserem Blog eingebaut ist, hat der Blog spontan den bisherigen Besucherrekord verdoppelt. Der Stress steigt – und damit der Kaffeekonsum.

Krisensitzung, die zweite, anberaumt am Donnerstag, 3.12.: Was brauchen wir wirklich am 7.12. und was können wir überhaupt noch schaffen? Die “ClimateMap”, also das Verzeichnis unserer Kunden, ist in der Kürze der Zeit nicht mehr zu schaffen, wird also zurückgestellt. Die Mitarbeiter auch. Videos können wir auch nicht mehr schaffen bis zum Montag, da noch alle Texte fehlen. Das hat Vorrang. Frustration macht sich breit, das Wochenende wird hart…

Freitag, 4.12.: Mario hat eine Lösung für die Videos. Es scheint doch zu klappen. Die ersten Texte werden verbaut. Es fehlen noch alle Bilder. Wir brauchen eine Aktion für Kopenhagen. Und Statements unserer Kunden, Partner und Freunde müssen her, also werden schnell einmal 1.300 Kontakte angeschrieben. Die Besucherzahlen auf dem Blog steigen, annähernd alle Besucher kommen über die “Lila-Pausen-Seite”. Die FlickR-Fotos werden nicht geladen – und niemand weiß, warum. Bugfixing ist das Motto der Stunde. Wir bestellen Kaffee nach und drehen den Hardrock lauter. Wer je in einem Internet-Startup gearbeitet hat, hätte sich in dieser Zeit bei uns zu Hause gefühlt.

Samstag, 5.12.: Mehr Texte sind fertig, aber kein einziges der Männchen-Menüs steht. Das Team hat drei oder vier Stunden geschlafen und ist ausgebrannt. Die Nervosität steigt und es gibt eine Skype-Standleitung zwischen allen. Im Lauf des Tages und vor allem der Nacht werden einzelne Menüpunkte vollendet. “Über uns”  - fertig. “Services” auch. Das “Glossar” steht auch. Und schließlich werden auch die FlickR-Fotos geladen. Wow, die Videos sind cool! Um 3.00 Uhr morgens ist Schluss.

Sonntag, 6.12.: Wir wollten eigentlich die Menüs mit den Männchen mit Grafiken versehen, das geht aber zeitlich nicht mehr. Bilder müssen her – und zwar schnell! Wieder haben alle nur ein paar Stunden geschlafen. Endspurt! Noch mehr Texte werden gebraucht. “Klimaschutzprojekte” – fertig! “Medien” und “FAQs” auch. Die Newsseite läuft. Hier sind die Bilder, schnell einbauen, bitte! Shit, es ist 24.00 Uhr, jetzt schnell den Countdown vom Netz nehmen und gegen eine andere Seite austauschen. In dieser Nacht ist um 4.00 Uhr Schluss, die Familien und Partner sind entsprechend sauer.

Montag, 7.12.: Blasse Gesichter, noch lautere Musik. Kaum einer hat geschlafen. Vieles wird schnell noch zusammen getackert, parallel wird Korrektur gelesen. Das Angebot für Drucker muss noch rein und das COP15-Special braucht noch einen Text und einen Button für die Startseite. Letzte Änderungen und viele Korrekturen werden vorgenommen. Statements trudeln ein und müssen noch eingebaut werden. Um 14.00 Uhr ruft Mario: “Die neue Seite ist im Netz”, doch das interessiert keinen wirklich, weil noch viel Content fehlt. Erst am Abend ist alles halbwegs zusammen genagelt und hält.

Zwischenzeitlich gehen die ersten Anrufe ein. Die Kritiken reichen von “Oh Gott!” (hallo Mike!) bis “Einfach genial!”. Uns ist es zwar nicht egal, aber wir sind erst einmal froh, die Seite im Web zu haben. Und wir sind viel zu müde, um darüber nachzudenken, wie sie bei unseren Kunden, Partnern und Freunden ankommt.

Dienstag, 8.12.: Besucherrekord! Die neue Seite scheint anzukommen. Im Schnitt sieht sich jeder Besucher 11 Seiten an und verweilt etwas mehr als 4 Minuten bei uns. Alles freut sich, die Arbeit hat sich gelohnt.

Ob sie hübsch ist oder nicht, ob sie cool ist oder nicht, die neue Seite, das müssen Sie für sich entscheiden. Für uns ist sie vor allem eines: Authentisch, persönlich und das Werk unseres Teams, das sich darin wiederfindet. Wir sind halt so: Ein wenig eigenwillig, vielleicht polarisierend, aber hoffentlich nicht langweilig. Wenn wir es geschafft haben sollten, eine Website ins Netz zu stellen, die ohne Mainstream-Klimaschutz-Gequatsche auskommt und wenn wir vielleicht hier und da einen Impuls setzen können, haben wir unser Ziel erreicht.

Vielen Dank an mein Team, das viel gearbeitet, viel geleistet und viel gelitten hat, bis die Seite endlich stand: Ihr seid das beste Team, das man sich wünschen kann. Vielen Dank an alle, die uns Statements und Botschaften senden und uns ihre Meinung sagen und Anregungen geben: Ohne Sie wäre all das undenkbar und sinnlos. Vielen Dank an unsere Kunden und Partner für Ihre Bereitwilligkeit, unsere Eskapaden so langmütig mitzumachen und mit uns für eine sensationelle Sache zu kämpfen: Den Klimaschutz!