16. Februar 2010

Klimaskeptiker: Geisterfahrer der Klimaforschung

Die sogenannten “Klimaskeptiker” sind die Geisterfahrer der Klimaforschung. Das waren sie schon immer. Ein Fehler des Weltklimarats (IPCC) in seinem 4. Sachstandsbericht aus dem Jahre 2007 hat dieser Spezies zu neuer und unverdienter Aufmerksamkeit verholfen:

Das IPCC hat im 4. Sachstandsbericht die Befürchtung geäußert, das Abschmelzen der Himalaja-Gletscher sei bereits für das Jahr 2035 zu erwarten. Diese Aussage erwies sich als wissenschaftlich unbegründet. Das IPCC hat zwischenzeitlich den Fehler eingeräumt und sich für die falsche Zahl entschuldigt.

Die Angelegenheit könnte damit erledigt sein, wären da nicht die “Klimaskeptiker”, die diesen Vorfall aufgebauscht haben, um die Arbeit des IPCC als unwissenschaftlich und die von ihm gewonnenen Erkenntnisse als fragwürdig darzustellen. Hinzu kommen – wie eigentlich immer – ein paar Boulevardmedien, die den kalten Winter zum Anlass nehmen, die auch angesichts noch so niedriger Temperaturen unintelligente Frage zu stellen, wo denn nun die globale Erwärmung bleibe.

Der 4. Sachstandsbericht des IPCC umfasst über 3.000 Seiten. An ihm haben mehr als 1.200 Autoren mitgewirkt und er enthält mehrere tausend Aussagen zum Klimawandel, seine wahrscheinlichen Ursachen und seine möglichen Folgen. Wenn es also bei einer Aussage bleibt, bei der das IPCC offenbar nachlässig gearbeitet hat, dann ist das eine durchaus hervorragende Leistung. Und wenn die “Klimaspektiker” am 4. Sachstandsbericht in drei Jahren seit seiner Veröffentlichung nur diese eine Zahl widerlegen konnten, dann wird sie das maßlos ärgern, denn es ist ihr erkläres Ziel, die Glaubwürdigkeit des IPCC zu erschüttern.

Die verschiedenen Behauptungen der “Klimaskeptiker” werden – dies nur nebenbei bemerkt – auch durch jahrelangen Gebrauch nicht richtiger: Schon im Jahre 2004 hat sich Stefan Rahmstorf die Mühe gemacht, die wesentlichen Thesen der “Klimaskeptiker” zu widerlegen. Stück für Stück, Aussage für Aussage.

Seine bemerkenswerten Ausführungen abschließend nimmt Rahmstorf noch zu seiner Motivation Stellung, sich mit den “Klimaskeptikern” überhaupt auseinanderzusetzen:

“Politisch sind die Aktivitäten der “Klimaskeptiker” schädlich, denn sie verhindern sinnvolle Vorsorgemaßnahmen. Sie führen dazu, dass in Teilen von Politik und Wirtschaft das Klimaproblem falsch eingeschätzt wird, und daher falsche Entscheidungen getroffen werden. Führende multinationale Firmen wie Shell und BP haben die Dringlichkeit des Klimaproblems erkannt, unterstützen das Kyoto-Protokoll und investieren massiv in den erforderlichen Umbau des Energiesystems. Es besteht die Gefahr, dass deutsche Firmen, die den “Klimaskeptikern” glauben schenken, hier den Zug in die Zukunft verpassen.

Vor allem aber besteht die Gefahr, dass Klimaschutzmaßnahmen so sehr hinausgezögert werden, dass durch vermehrte Unwetterkatastrophen viele Menschen unnötig ihr Leben verlieren. Ich habe lange dieAktivitäten der “Skeptiker” kommentarlos verfolgt und mich einfach meiner Forschung gewidmet. Ich habe mich aber nach einigen Schlüsselerfahrungen im Zusammenhang mit der Elbeflut, u.a. auch bei einem Besuch im überfluteten Dresden, zur Stellungnahme entschlossen. Wissenschaftler haben auch die Verantwortung, sich mit unseriösen Thesen auseinanderzusetzen, wenn sie in der Öffentlichkeit zirkulieren.”

Eine klare und richtige Position!