20. Mai 2010

Klimaschutz durch Bildung – Schulprojekt mit Cartondruck und weiteren

So, wieder zurück in München. Die letzten beiden Tage war ich in Schwaben in Sachen Klimaschutz unterwegs, in schönen Obersulm. Gemeinsam mit der Firma Cartondruck, dem Landratsamt Heilbronn und dem evangelischen Paul-Distelbarth Gymnasium findet dort das Projekt „Klimaschutz durch Bildung“ statt. Die Schüler der zehnten Klasse des Gymnasiums erfahren, was das Thema konkret in ihrem Umfeld bedeutet.

Was bedeutete das für mich? Zwei Tage lang vor einer Klasse voller 16-Jähriger stehen, die alles andere als die „Lümmel von der ersten Bank“ sind. Fragen, Diskussionen, Lösungsvorschläge, aktives Mitmachen sind die passenderen Schlagworte.

Egal ob Klimawandel, CO2-Emissionen im globalen Vergleich, Kyoto-Protokoll oder Kopenhagen, die eigene Meinung will gesagt sein, wobei ich den Eindruck gewonnen habe, dass das Berufsbild Politiker nicht hoch im Kurs steht. Wir haben über mögliche Green Jobs gesprochen, und auch wenn zunächst das Abitur in den nächsten drei Jahren auf dem Programm steht, der einhellige Tenor lautet:  Jeder einzelne muss was tun!

Selbstverständlich haben wir uns auch mit CO2-Emissionen im Umfeld der Schule beschäftigt:

Am ersten Tag haben die Schüler berechnet, welche Menge CO2 mit dem schwäbischen Nationalgericht, Maultaschen mit Kartoffelsalat verbunden sind, was uns zu Mittag serviert wurde. Als der große Unterschied zwischen der normalen und vegetarischen Version klar wurde, überboten sich die Schüler mit Ideen, wie sich die Emissionen beim Essen verringern liessen. Die Vorschläge gingen vom ausschließlichem Bezug von lokalem Wasser, über einen eigenen Schulgarten bis hin zu dem Vorschlag, nur noch einmal die Woche Fleisch zu essen, dafür aber dann Steak, von einer lokalen Metzgerei versteht sich!

Am nächsten Morgen kamen die Schüler freiwillig früher zur Schule! (ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich das je getan hätte) Die Befragung aller anderen Klassen musste durchgeführt werden, schließlich wollten wir wissen, wie viele Tonnen CO2 durch die morgendlichen Schulweg emittiert werden. Im Anschluss an die Berechnung sprudelten die Ideen erneut – um alle zum Handeln zu bewegen, z.B.:

  • Organisation einer „Fahrradfahren ist cool“-Kampagne,
  • Übernahme von Klimapatenschaften, um die jüngeren Jahrgänge zu sensibilisieren (z.B. durch Klimaschutztipps auf schwäbisch),
  • Ansprache der Eltern mit der Forderung nach mehr Fahrgemeinschaften,
  • Nominierung besonders schlechter bzw. guter Vorbilder,
  • Aufstellen eines „Motor-Aus-Schild“ für alle Autofahrer, die jeden Morgen minutenlang mit laufendem Motor hinter einem stehenden Schulbus warten,
  • Verbesserung des Verkehrsflusses vor der Schule,
  • Recycling in allen Klassenräumen.

In zwei weiteren Gruppen fand zum einen die Auseinandersetzung mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz statt, aus einem FSC-zertifizierten Wald der Gemeinde. Zum anderen wurde die Produktion von Faltschachteln und Tragetaschen bei Cartondruck von den Schülern genau unter die Lupe genommen. Hier finden Sie detailliertere Informationen zu den beiden anderen Gruppen und zum gesamten Ablauf der Projekttage.

Ich freue mich, dass Cartondruck mit der Projektidee an uns herangetreten ist und bin wirklich gespannt, was bis zum Nachhaltigkeitstag Ende Juli alles an Vorschlägen bereits umgesetzt wurde.

Dass wir bis dahin einen umfassenden CO2-Fuß-abdruck der Schule durchgeführt haben werden, versteht sich von selbst, klar dass die Schüler bei der Datenerfassung helfen.

Ich wette, die Erwachsenen in den beiden anderen Gruppen sind ebenfalls beeindruckt, wie viel Begeisterung die Schüler an den Tag legen, ich bin es jedenfalls!