11. Juni 2010

Höchste Zeit für freiwilligen Ressourcen- & Klimaschutz

Der Klimagipfel ist gescheitert, es lebe der Klimaschutz! So könnte man die aktuellen Nachrichten der letzten Wochen zusammenfassen, denn die Anstrengungen in Bezug auf Klima- & Ressourcenschutz haben deutlich zugenommen.

In einer Meldung schreibt z.B. der Rat für nachhaltige Entwicklung „ (…) dass sich Klimaschutzanstrengungen weltweit derzeit von der internationalen auf tiefere Aktionsebenen verlagern“ und zitiert den Leiter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP), Achim Steiner, der aktuell einen „noch nie dagewesenen Anstieg konkreter Aktivitäten gegen den Klimawandel aus allen Bereichen der Gesellschaft“ verzeichnet.

Wir als ClimatePartner fühlen uns durch diese Entwicklung bestätigt und motiviert, weiter auf den freiwilligen Klima- & Ressourcenschutz zu engagieren. Welche Probleme erzwungene Maßnahmen wie „Cap & Trade“ mit sich bringen, noch dazu wenn sie von den einschlägigen Akteuren der derzeitigen Krisen gelenkt werden, zeigt anschaulich der (englische) Film „The Story of Cap & Trade“:

Was bedeuten die dargestellten Punkten also für die Praxis?

  • Free permits: dieser berechtigte Einwand, ist erneut ein Argument für die oben beschriebene Freiwilligkeit
  • Offsetting: Projekte, wie das genannte in Indonesien, werden darum von uns nicht unterstützt. Stattdessen können unsere Kunden die einzelnen Projekt selber auswählen und damit entscheiden, wohin das Engagement geht. Eine Validierung der Projekte wird von uns vorgenommen, um sicherzustellen, dass eine Einsparung/Vermeidung auch wirklich stattfindet.
  • Distraction: absolut richtig, deshalb muss co2-Einsparung immer vor co2-Ausgleich gehen. Dennoch, wer Emissionszertifikate kauft, kauft sich damit nicht „von Sünden frei“, sondern finanziert Klimaschutzprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern, wodurch nicht nur Emissionen kompensiert werden, sondern auch der Technologietransfer in diese Länder und damit eine nachhaltige Entwicklung unterstützt werden. Dies entbindet selbstverständlich nicht von der Verpflichtung, auch für eigene Emissionsreduktionen zu sorgen.

Eine gute (englische) Zusammenfassung hierzu gibt auch die ICROA (International Carbon reduction and Offset Alliance)

Dafür, dass es sich bei verantwortungsvollem Wirtschaften aber nicht um einen kurzfristigen Hype handelt, sondern um einen kontinuierlichen Trend der sich seit Jahren besonders beim Mittelstand entwickelt hat, ist das Weingut Zähringer ein schönes Beispiel, wir sprachen mit den Geschwistern Miriam und Fabian Zähriger:

ClimatePartner: Frau Zähringer, seit den 80er-Jahren arbeiten Sie nach Ecovin-Standard – warum?

Miriam Zähringer: Unsere Eltern waren schon früh in der Grünen Bewegung und sind im positivsten Sinne „Ökos“, sie engagierten sich gegen das Waldsterben und für den Atomausstieg. Umgestellt wurde das Weingut dann vor 25 Jahren, um die persönlichen Ansichten auch auf den Betrieb zu übertragen. Letztlich ist es eine Frage der Glaubwürdigkeit, wir handeln und wirtschaften entsprechend unserer Überzeugung.

Ihnen ging es also nicht primär darum ein Siegel auf den Produkten zu haben?

M.Z.: Im Vordergrund steht bei uns ganz klar der Premiumanspruch, dieser lässt sich nur mit ökologischer Landwirtschaft und der entsprechenden wirtschaftsweise umsetzen. Wenn Sie so wollen, stehen auf der einen Seite Monokultur, Chemie, schwere Maschinen, komprimierter Boden, Ertragsmaximierung und auf der anderen Seite Artenvielfalt, Nützlinge, Handarbeit, gesunder Boden, höchste Qualität.

Merken Sie einen Effekt auf andere Weingüter?

Fabian Zähringer: Am Anfang erklärten uns die meisten für verrückt oder haben uns ausgelacht. Und wirtschaftlich gesehen, war es natürlich auch ein Wagnis. Die ersten Ernten fielen um 70-80% niedriger aus als vor der Umstellung. Aber unsere Eltern hatten eine genaue Vorstellung und lernten, einen neuen, nachhaltigen Weg zu gehen, den es vorher noch nicht gab. Im Laufe der Zeit kamen Sie ihrem Qualitätsziel Schritt für Schritt näher, die Quantität nahm zu und es begann sich ein ökologisches und ökonomisches Gleichgewicht einzustellen.

Aus Spott wurde Neugier und heute wirtschaften rund die Hälfte der Betriebe bei uns vor Ort ressourcen- und klimaschonend. Da hat sich einiges bewegt und es werden immer mehr Kollegen die sich ganzheitlich mit dem Thema auseinandersetzen, wir leben von und mit der Natur, aus unserer Sicht gibt es mittelfristig keinen anderen Weg.

Sehen Sie Ihr freiwilliges Engagement vom Staat zu wenig unterstützt?

F.Z.: Früher war der Weinbau stark reglementiert – es wurde sogar vorgeschrieben, welche Traube wo angebaut werden darf. Dadurch gab es Jahrzehnte lang kaum Innovationen oder neue Prozesse, auch das führte dazu, dass Verantwortung und Kosten möglichst externalisiert wurden, statt Alternativen auszuprobieren. Heute sind wir freier in den Entscheidungen und das ist gut so. Aber der Gesetzgeber muss durch entsprechende Kennzeichnungspflichten dafür sorgen, dass der Weinkunde beim Einkauf einen biologisch bzw. authentisch hergestellten Wein von einem künstlichen, designten Wein unterscheiden kann.

Wir hatten allein in den letzten zehn Jahren bereits drei so genannte Jahrhundertjahrgänge – das freut einen Winzer nur auf den ersten Blick. Durch den Klimawandel haben sich zum Beispiel alle Anbauprozesse zeitlich um 1-2 Wochen nach vorne geschoben und die Rebenbelastung nimmt durch die erhöhte UV-Einstrahlung stark zu. Auf diese Entwicklungen müssen wir adäquat reagieren und entsprechend handeln – Staat hin oder her, beim Klimaschutz ist die Gesellschaft insgesamt gefordert.

Welche Entwicklungen sehen Sie für die Zukunft?

F.Z.: Für unseren Betrieb überlegen wir, ob wir uns zusätzlich zertifizieren lassen, da wir seit einigen Jahren nicht nur nach den Biokriterien anbauen, sondern auch nach biologisch-dynamischen Standards. Wir werden Neues ausprobieren, auch neue Märkte und Zielgruppen angehen, aber dabei immer unsere Grundausrichtung im Blick behalten. Für den globalen Weinmarkt erwarten wir, dass im Premiumbereich die regionalen Besonderheiten wieder stärker in den Fokus rücken und die Qualitätswinzer noch mehr im Einklang mit der Natur arbeiten werden, was letztlich auf biologischen Anbau hinausläuft. Glücklicherweise wird “Bio” heute nicht mehr mit Verzicht und Askese assoziiert. Naturnahe Landwirtschaft, hohe Quallität und Genuss gehören heute zusammen.

Das Weingut Zähringer wurde vor mehr als 160 Jahren in Heitersheim am Rande des Schwarzwaldes gegründet. Heute leitet Ur-Urenkel Wolfgang Zähringer das Unternehmen und begann 1986 mit der Umstellung auf den ökologischen Weinbau nach den strengen ECOVIN-Richtlinien. Auch die nächste Generation mit Miriam und Fabian teilen die Familientradition und ihre nachhaltigen Überzeugungen. Mehr Informationen finden Sie unter http://www.weingut-zaehringer.de