23. August 2010

Interview mit KBA und ClimatePartner

Anlässlich des Starts der gemeinsamen Online-Plattform www.klimaneutraldrucken.de/kba von KBA und ClimatePartner wurde ein Interview zum Thema Nachhaltigkeit in der Druckbranche durchgeführt. Gesprächspartner sind Klaus Schmidt, Direktor Marketing und Kommunikation der Koenig & Bauer AG, und Moritz Lehmkuhl, Gründer und Geschäftsführer der ClimatePartner GmbH.

Würden Sie zustimmen, dass Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg nicht im Widerspruch stehen, somit ökonomisches Denken und ökologische Druckproduktion gleichzeitig möglich sind?

Klaus Schmidt (KBA)

Klaus Schmidt (KBA)

Klaus Schmidt: Genau diesen Hinweis geben wir immer wieder in Veröffentlichungen und Anwenderberichten zu den Öko-Vordenkern innerhalb unserer weltweiten Kundschaft. Für den wasserlosen Druck mit unserer am Weltmarkt einzigartigen Zeitungsrotation KBA Cortina ist dies seit Jahren eines unserer zentralen Argumente. Und wir stellen fest, dass auch immer mehr Anwender umweltbewusstes Handeln als Kostensenkungspotenzial oder als interessantes Feld zur Marktdifferenzierung entdecken. Weniger Umweltbelastung muss und wird zum Qualitätsmerkmal werden, zunächst in den Industrieländern, zunehmend aber auch in wachstumsstarken und bevölkerungsreichen Schwellenländern wie China. Dies schon, um die negativen Folgen des wachsenden Wohlstands und Ressourcenverbrauchs einzugrenzen. Die zunehmenden Klima- und Umweltkatastrophen haben in den Entwicklungs- und Schwellenländern aufgrund der fehlenden Infrastruktur für die Bevölkerung besonders schlimmen Folgen. Ich denke deshalb, dass sich auch dort allmählich ein Bewusstseinswandel durchsetzen wird.

Moritz Lehmkuhl (ClimatePartner)

Moritz Lehmkuhl (ClimatePartner)

Moritz Lehmkuhl: Definitiv ja. Gerade in den schwierigen Zeit können wir zwei unterschiedliche Bewegungen beobachten: Überspitzt formuliert steigt ein Teil der Unternehmen in einen immer ruinöseren Preiswettbewerb ein, bis sie es sich zum Großteil selbst nicht mehr leisten können. Der andere Teil setzt gezielt auf Qualität, wobei Umwelt – und Klimaschutz – ein Bestandteil des bewussten und ganzheitlichen Qualitätsansatzes ist. Gerade bei denen, die den zweiten Weg gehen, sehen wir, dass es ihnen tendenziell besser geht und sie nicht so stark von der Rezession betroffen sind.

Welche Entwicklung bei der Nachfrage Ihrer Kunden haben Sie in letzter Zeit feststellen können, wenn es um umweltgerechte Druckmaschinen geht? Und welche Stellung nimmt das Thema Nachhaltigkeit generell bei Druckereien ein?

Klaus Schmidt: Umweltthemen wie Reduzierung des Energieverbrauchs, Makulaturvermeidung, CO2-Reduzierung, Drucken ohne Alkohol oder gleich ganz ohne Feuchtwasser, Einsatz von Farben ohne Lösemittelrückstände und von weniger umweltsensiblen Bedruckstoffen usw. haben bei Investitionsentscheidungen in vielen Industrieländern enorm an Bedeutung gewonnen. Wer hier als Lieferant nichts vorweisen kann, wird es zunehmend schwerer haben. Für die in der Branche notwendige Veränderungsbereitschaft sorgen neben schärferen gesetzlichen Auflagen zunehmend umweltsensible große Printbuyer (Markenartikel, Banken, Versicherungen, öffentliche Einrichtungen). Der Druck von dieser Seite ist in den USA, im UK und in Skandinavien besonders hoch, breitet sich aber regional weiter aus.

Moritz Lehmkuhl: Wir können einen sehr viel ‚reiferen‘ und bewussteren Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit beobachten. Früher haben sich Unternehmen engagiert, die entweder schon sehr grün waren, oder es primär aus PR-Gründen gemacht haben. Heutzutage kommt der Thematik eine wesentlich größere Bedeutung zu. So sehen Unternehmen klimaneutral drucken als einen Teil des Nachhaltigkeitsengagements und verstehen, dass dieses Thema ganzheitlich angegangen werden muss und Bestandteil einer kompletten Unternehmensausrichtung ist. Die Druckereien setzen sich viel intensiver mit dem Thema auseinander. Sie haben sehr detaillierte Fragen, liefern aber auch extrem kreativen und sinnvollen Input, was konkret getan werden kann.


Worin liegt denn das Potenzial für Druckereien, umweltfreundlich zu produzieren?

Klaus Schmidt: Vor allem in der eingesetzten Technik, den verwendeten Materialien und umweltorientierten Prozessen. Hier müssen die Organisation und die handelnden Personen entsprechend ausgerichtet und sensibilisiert werden. Zunächst ist dafür eine Bestandsaufnahme der Abläufe und der Umweltemissionen im Unternehmen und darum herum erforderlich, um geeignete Reduzierungs- oder Vermeidungsstrategien zu entwickeln. Die gemessenen CO2-Emissionen sind dann letztlich die Währung in der Umweltrechnung.

Moritz Lehmkuhl: Primär bietet es natürlich die Möglichkeit, aktiven Klimaschutz zu betreiben und auch den Kunden einen klimafreundlichen Service zu bieten. Sekundär gibt eine umweltfreundliche Ausrichtung Druckereien die Möglichkeit, auf eins der größten Themen der Zeit reagieren zu können. Sie können sich dadurch als klimabewusstes Unternehmen positionieren und sich in einem hart umkämpften Markt hervorheben.

Was muss Ihrer Meinung nach getan werden, damit die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Druckbranche noch stärker präsent sind?

Klaus Schmidt: Für die effizienteste Bewusstseinsbildung sorgt der Markt, d.h. die Print-Auftraggeber, denn sie entscheiden letztendlich über die Kriterien, nach denen Druckaufträge vergeben werden. Dabei spielen der Umweltaspekt bzw. der CO2-Fußabdruck eine immer stärkere Rolle. Aber natürlich haben auch wir als Lieferanten und alle Dienstleister und Verbände der Druckbranche eine Verantwortung, diesen Veränderungsprozess aktiv zu fördern und zu unterstützen

Moritz Lehmkuhl: Diese Themen müssen klar in die Kerndienstleistung und in die Wertschöpfung der Druckbranche integriert werden. Die Kennzeichnung „Klimaneutral gedruckt“ sowie die dazugehörige Nachvollziehbarkeit der CO2-Emissionen und des geleisteten Engagements stellen hierbei eine starke und emotionale Botschaft dar, die dieses Bekenntnis zur Nachhaltigkeit unterstreicht.

Welche Bedeutung messen Sie dem Start Ihrer neuen Online-Plattform www.klimaneutraldrucken.de/kba bei? Welchen Mehrwert bietet die neue Plattform für Ihre Kunden?

Klaus Schmidt: Mit der neuen Online-Plattform Footprint Manager erreicht die gut zweijährige Kooperation von ClimatePartner und KBA eine neue Qualität. Interessierte Druckereien können ihre Emissionsmenge bei der Printproduktion nun praxisorientiert selbst errechnen, Auftraggebern die zunehmend gefragte Option klimaneutral drucken gegen einen überschaubaren Aufpreis anbieten und in Abstimmung mit ihren Kunden die unvermeidbaren CO2-Emissionen durch die Förderung von Klimaschutzprojekten neutralisieren. Mit einem entsprechenden Zertifikat können sie dann belegen, dass sie das Thema Klimaschutz genauso erst nehmen wie ein wachsender Kundenkreis.

Moritz Lehmkuhl: Der Start der gemeinsamen Plattform ist für uns ein wichtiger Meilenstein. Druckereien wird durch den Footprint Manager mehr Transparenz geboten: Sie können selbst erkennen, welche Maßnahmen des Umweltmanagements welche Wirkung haben. Nach Eingabe der emissionsrelevanten Daten erhalten Druckereien ihren individuellen CO2-Fußabdruck, welcher Ausgangspunkt für Verbesserungen im Klimaschutz und auch für die Emissionen jedes Druckauftrags ist.

Welche Aspekte werden Ihrer Meinung nach in der Zukunft für eine nachhaltige Printproduktion eine große Rolle spielen?

Klaus Schmidt: Wir sollten zunächst mal mit dem Fehlurteil aufräumen, dass Printprodukte aufgrund der dafür notwendigen Materialien (Papier, Farbe) umweltschädlicher sind als Computer und elektronische Medien mit ihrem enormen Stromverbrauch. Das brächte zusätzliche Motivation, die CO2-Bilanz von Print weiter zu verbessern. Erste Untersuchungen gibt es dazu ja bereits und die kommen zu einem ganz anderen Ergebnis. In der gesellschaftlichen Wahrnehmung gilt online aber als sauber und umweltfreundlich und Print als Waldvernichter. Dabei wird der enorme Stromverbrauch der vom Internetanbieter Google weltweit installierten Server und der Nutzer PC’s gerne übersehen. Ich weiß nicht, wieviele Kraftwerke dafür notwendig sind. Wäre aber interessant, das mal herauszufinden und auch dafür eine CO2-Bilanz zu erstellen.

Moritz Lehmkuhl: Ich denke, dass ein zunehmendes Bewusstsein für den Umgang mit einzelnen Materialien geschaffen wird. So gibt es bereits jetzt eine starke Auseinandersetzung mit den Themen Papier und Logistik sowie auch ein zunehmendes Engagement in diesen Bereichen. Viele Papierhersteller zeigen neuerdings ein starkes Interesse, ihre Emissionen transparent zu machen. Auch im Bereich Farbe lassen sich derartige Entwicklungen beobachten und ich bin überzeugt, dass mehr und mehr Bereiche von dem allgemein steigenden Bewusstsein für Klimaschutz beeinflusst werden.