6. September 2010

Kommentar zur Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke

Gestern beschloss die Regierungskoalition eine Laufzeitverlängerung der deutschen Atomkraftwerke – was das in Zahlen bedeutet, hat Greenpeace zusammengestellt: 10 Jahre Laufzeitverlängerung = 6.000 t Atommüll, 650 Castoren, letzter Meiler geht 2053 vom Netz.
Vorangegangen war ein Ausstiegsvertrag unter Rot-Grün, ein neuer Koalitionsvertrag ohne erkennbaren Plan (Kommentar hierzu von tagesschau.de), eine seltsame Anzeigenkampagne der BDI-Wirtschaft und Oliver Bierhoff und erschreckend inhaltslose Statements rund um den Begriff „Brückentechnologie“.

Eine Brücke dient der Überwindung von Tälern oder Hindernissen, erleichtert demzufolge das Vorankommen und macht das Leben leichter. Atomstrom hingegen verstopft die Netze, behindert damit den Ausbau von regenerativen Energieformen, entzieht den Kommunen die Finanzierungsmöglichkeit für zukunftsweisende Energieprojekte und verringert die Planungssicherheit.

Konkret verdienen wenige Konzerne mit dem Atom-Knowhow und das Argument, wir könnten bei einem Ausstieg den Anschluss zu Technologieweltspitze verlieren, ist schwach. Schwach im Vergleich zu einer aufstrebenden Hochtechnologiebranche der erneuerbaren Energieformen mit dem Potential von mehreren hunderttausend Arbeitsplätzen. Schon heute arbeiten über 300.000 Menschen in dieser Branche, die Ausbildungsquote ist hoch und eine Verzögerung (flankiert von einer bewussten Unterfinanzierung) führt dazu, dass die vorhandenen Potentiale nicht ausgeschöpft werden.

Atomstrom ist kein billiger Strom. Der Preis wird lediglich in Häppchen gezahlt: in Form von Kilowattstunden, per Steuern für die Erkundung von Lagerstätten und Studien, Polizeieinsätzen und anderen staatlichen Kosten, als Opportunitätskosten durch nicht vorhandene Versicherungen, denn das Risiko trägt die Gesellschaft (Kommentar hierzu auf cicero.de), in Form massiver Auswirkungen beim Uranabbau und zahlen die zukünftigen Generationen die wirkliche Zeche:

Letztlich wird bald aber noch ein ganz anderes Thema auf der Agenda stehen. Denn wenn in den nächsten Jahren die Erdölnachfrage nicht mehr vom entsprechenden Angebot gedeckt werden kann und es in kurzer Zeit zu einer (fossilen-)Energiekrise kommt – dann, ja, dann werden wir solche Sätze hören und lesen: „im Interesse der Energieversorgung“, „auch sicherheitspolitisch geboten“, „um der Ölabhängigkeit zu entkommen“, „unter maximalen Sicherheitsstandards“, „als Baustein einer CO2-neutralen Gesellschaft“, „als Energieform mittelfristig unabdingbar“, „Kernkraft als Basis der deutschen Wirtschaft“.

Auf eine strahlende Zukunft!