30. September 2013

gründerszene.de: Warum freiwilliger Klimaschutz Wachstum schafft

Fachbeitrag: Unser Geschäftsführer Tristan A. Foerster in einem Fachbeitrag darüber, wie freiwilliger Klimaschutz Wachstumschancen für Unternehmen im E-Commerce schaffen kann.

 

CO2 einsparen – gut für das Gewissen, aber auch gut für das eigene Unternehmen. Freiwilliger Klimaschutz kann Vorsprung vor der E-Commerce-Konkurrenz bedeuten.

 

Gestern bestellt, heute geliefert. Und retour: gefällt die Farbe nicht, geht die Hose einfach zurück – schnell, flexibel und meist kostenlos. Es ist keine Neuigkeit, der Online-Handel boomt und mit ihm der Warenversand von A nach B und zurück. Gleichzeitig steigen die CO2-Emissionen. Das bringt den freiwilligen Klimaschutz auf die Agenda im E-Commerce.

 

Denn nicht nur Schwerindustrie, Energieversorger und das produzierende Gewerbe – auch Unternehmen im E-Commerce werden beim Thema Klimaschutz eher früher als später in den Fokus von Verbraucher, Geschäftspartner und Investoren rücken. Sie stehen ebenso in der Verantwortung, einen Beitrag zu leisten. Wie in anderen Branchen auch, wird sich die Einheit “CO2″ zu einem Leistungsindikator entwickeln und das CO2-Mangement zum strategischen Werkzeug, um die eigene Zukunftsfähigkeit zu sichern. Das Thema ist keinesfalls neu: Allein in Deutschland beteiligen sich bereits mehr als 170 der größten Unternehmen – darunter alle DAX30-Unternehmen – jährlich an den Umfragen des Carbon Disclosure Projects (CDP). Das CDP vertritt weltweit über 700 institutionelle Investoren und bewertet die Klimaschutzaktivitäten von über 4.000 Unternehmen in 60 Ländern weltweit. Für mittelständische Unternehmen wurde in Deutschland jüngst die CDP Mittelstand Initiative ins Leben gerufen, an der sich aktuell 14 nichtbörsennotierte Unternehmen beteiligen.

 

Viel wichtiger aber ist, auch im E-Commerce können Wachstumschancen mit einem freiwilligen Beitrag im Klimaschutz realisiert werden. Als zusätzliches Qualitätsmerkmal etwa oder einem ökologischen Mehrwert, der hilft, Kunden zu binden und neue zu gewinnen, b2b wie b2c. Umso mehr verwundert es, dass sich eine moderne Branche eher zögerlich verhält.

 

Andere sind weiter. Zum Beispiel der Bereich Verpackungen, bei dem sich das Thema CO2-Mangement top-down durch die gesamte Wertschöpfungskette kaskadiert. Angefangen beim Verbraucher, der heute wissen will, wie gut oder schlecht die CO2-Bilanz seiner Lieblingsmarke ausfällt. Der Markenartikler trägt deshalb seine CO2-Ziele – die auch die zugekaufte Verpackung für sein Produkt betreffen – an seine Lieferanten. Vor allem, um die Transparenz und Glaubwürdigkeit weiter zu steigern und damit die Markenbotschaft zu stärken. Der Verpackungshersteller, der eine reduzierte CO2-Bilanze ausweisen kann, ist hier klar im Vorteil. Er verbindet seine ökonomischen mit ökologischen Zielen. Eine Verpackung schafft durch die Umstellung auf Ökostrom bei der Herstellung, Energieeffizienzmaßahmen und einer optimierten Materialauswahl ohne weiteres ein Viertel weniger CO2-Emissionen. Auch für Online-Händler ist das relevant, die ihre Versandprozesse nach CO2-Kriterien optimieren wollen.

 

Welche Möglichkeiten also gibt es im E-Commerce? Wie in der Offline-Welt auch, ist der erste Schritt: die eigene CO2-Bilanz. Als Basis für ein echtes und glaubwürdiges Engagement. Und um das geht es beim unternehmerischen Klimaschutz.

 

Im Corporate Carbon Footprint werden alle direkten und indirekten Treibhausgasemissionen zeitraumbezogen berechnet und ausgewiesen. Vom Stromverbrauch über Mitarbeiteranfahrten bis zu den Geschäftsreisen sowie zugekauften Leistungen. Damit können die größten Emissionstreiber identifiziert, Maßnahmen zur Reduktion umgesetzt und – ganz wichtig – Erfolge sichtbar gemacht werden. Danach lassen sich Product Carbon Footprints für Waren oder Dienstleistungen berechnen und direkt in den Buchungs- oder Bestellprozess im Shop integrieren. Online-Händler haben so die Möglichkeit, klimaneutrale Produkte, Services oder eben Versandoptionen anzubieten.

 

Ein Beispiel: Klimaneutraler Versand bedeutet, die CO2-Emissionen wurden berechnet, durch Maßnahmen wie etwa einer emissionsärmeren Verpackungen reduziert und restliche Treibhausgase über die Unterstützung von zertifizierten Klimaschutzprojekten ausgeglichen. Der Mechanismus der Klimaneutralität, der im Kyoto-Protokoll definiert ist, funktioniert so: CO2-Emissionen, die an einer Stelle verursacht werden, werden an anderer Stelle eingespart. Klimaschutzprojekte sparen effektiv Treibhausgasemissionen ein, indem etwa anstelle eines Kohlekraftwerks ein Windenergiepark gebaut wurde. International anerkannte Standards, z.B. der renommierte Gold Standard, sorgen für Transparenz. Die Mehrkosten werden dabei mit der CO2-Einsparung verrechnet und durch Emissionszertifikate handelbar. Ohne diese Finanzierung würden die Projekte nicht existieren. Neben langfristigen Reduktionszielen, wie etwa eine Umstellung auf Ökostrom, ist der Emissionsausgleich eine Möglichkeit, kurzfristig Maßnahmen im Klimaschutz sichtbar umzusetzen.

 

Online-Händler sollten sich wie anderen Unternehmen auch die Frage stellen, mit welchen Klimaschutzaktivitäten kann ich meine Wachstumsbereiche fördern? Ist Klimaschutz vielleicht ein bedeutsamer Teil des Lebensstils einer neuen Zielgruppe? Soll die unternehmenseigene Umweltbotschaft gestärkt werden?

 

Das Potential ist vorhanden, dass eine moderne Branche, die in vielerlei Hinsicht bereits Vorreiter ist, auch hier die Themenführerschaft übernehmen kann.

 

 

Tristan A. Foerster ist Geschäftsführer der ClimatePartner GmbH. Sie erreichen Ihn unter t.foerster@climatepartner.com und www.climatepartner.com