28. Oktober 2013

Klimaschutz für die PBS-Branche: „Immer mehr Unternehmen betreiben substanziellen Klimaschutz mit voller Transparenz“

ClimatePartner-Geschäftsführer Moritz Lehmkuhl im Interview mit dem Fachmagazin PBS-Report, erschienen in der Ausgabe 09/2013.

 

1. Immer mehr Unternehmen werben damit, dass Sie klimaneutrale Waren oder Dienstleistungen anbieten? Nur ein Marketinggag oder was steckt wirklich dahinter?

 

Meine Beobachtung: Immer mehr Unternehmen betreiben substanziellen Klimaschutz mit voller Transparenz. Und das müssen sie auch. Zum einen zur eigenen Differenzierung, zum anderen verlangen Kunden, Investoren und Geschäftspartner immer häufiger den Ausweis der CO2-Emissionen. Zulieferer, etwa Verpackungshersteller, werden von ihren Abnehmern aufgefordert, ihre Emissionen auszugleichen, also klimaneutral zu produzieren, oder zumindest die CO2-Bilanzen nach internationalen Standards auszuweisen. Unternehmen müssen sich auf massive Veränderungen einstellen. Treibhausgasemissionen etablieren sich zum Leistungsindikator für Unternehmen und werden weiter die Spielregeln ganzer Branchen verändern.

 

2. Auch in der PBS Branche gibt es bereits einige Hersteller, die sich mit dem Thema Treibhausgase auseinandersetzen. Worauf sollten Unternehmen achten, wenn Sie sich für eine Klimaschutzstrategie entscheiden?

 

Einige Hersteller, sowohl auf der Hersteller- als auch der Händlerseite, gehen mit dem Thema ganz gezielt voran und tragen es in die Branche hinein. Eine Klimaschutzstrategie sollte immer eng mit den Geschäftszielen verknüpft sein, um das Engagement langfristig im Unternehmen zu verankern und selbstgesteckte CO2-Ziele erfüllen zu können. Dann werden die gewünschten Impulse für die Wertschöpfung auch wirklich gefördert. Unternehmerischer Klimaschutz bedeutet aber nicht zwangsläufig, eine ganze Strategie aufzusetzen. Zum Start lassen sich auch Produktreihen oder einzelne Artikel ohne viel Mehraufwand bilanzieren und klimaneutral stellen.

 

3. Welche Rolle und Aufgaben übernehmen Sie beim Thema Klimaschutz?

 

Wir sind Wegbereiter für Unternehmen, die im Klimaschutz aktiv werden wollen. Dazu helfen wir mit branchenspezifischen Lösungspakten – insbesondere für die PBS-Branche – zur CO2-Bilanzierung, einem CO2-Rechner für Produkte sowie der Möglichkeit, die Emissionen über zertifizierte Klimaschutzprojekte auszugleichen. Unsere Kunden bieten damit klimaneutrale Artikel an. Den ganzen Prozess machen wir mit IT zum Teil des täglichen Geschäfts unserer Kunden. Danach helfen wir bei der Kommunikation und Vermarktung. Und wir beraten bei komplexen Fragestellungen im Klimaschutz, z.B. bei strategischen Richtungsentscheidungen.

 

4. Ist das Thema nur umsetzbar für produzierende Unternehmen?

 

Auch Händler profitieren davon. Viele haben das Thema Klimaschutz bereits entdeckt und setzen z.B. klimaneutrale Produktreihen ganz gezielt um. Das Thema gewinnt an Bedeutung. Wir sehen das daran, dass Händler Nachhaltigkeits-Fragebögen bei ihren Herstellern einfordern. Anforderungen kommen auch von den Abnehmern, also große und mittelständische Unternehmen, die ihre eigene Klimaschutzstrategie über klimaneutrale PBS-Artikel umsetzen. Die Vorteile für Händler liegen ja auf der Hand. Sie sprechen ihre Kunden mit einer Innovation an, die Wettbewerber nicht haben und erfüllen die Anforderungen ihrer Abnehmer.

 

5. Welche Vorteile sehen Sie für die teilnehmenden Firmen, wenn Sie als „klimaneutrale“ Unternehmen auftreten?

 

Das CDP (Carbon Disclosure Project), ein Zusammenschluss institutioneller Investoren weltweit, bewertet Unternehmen nach ihren Leistungen im Klimaschutz und stellt fest: Unternehmen mit Aktivitäten sind erfolgreicher als ihre Wettbewerber, die keinen Klimaschutz betreiben. Alle DAX-30 Unternehmen und viele Mittelständler beteiligen sich an den Umfragen. Als Beratungspartner des CDP ist unser Ansatz, dass unsere Kunden mit ihren Klimaschutzaktivitäten Wachstumschancen realisieren können. Sie schaffen mit dem Ausweis ihrer CO2-Emissionen bzw. als klimaneutrales Unternehmen eine Differenzierung im Wettbewerb. Das gilt auch für die Unternehmen der PBS-Branche. Sie unterstreichen mit klimaneutralen Artikeln ihr Qualitäts- und Premiumverständnis. Im Rahmen von Ausschreibungen um das wachsende Thema “Green Office” kann das sowohl für die Hersteller als auch für Händler zum Erfolgsfaktor werden.

 

6. Wer Klimaschutz betreibt, der muss auch Sorge dafür tragen, dass die Treibhausgasemissionen kompensiert werden. Viele Fragen sich nun, wohin die Gelder und ob sich diese Klimaschutzprojekte tatsächlich nachverfolgen lassen.

 

Transparenz ist erfolgskritisch, die CO2-Bilanz sollte etwa im Geschäftsbericht kommuniziert werden. Wenn kompensiert wird, sind Labels mit ID-Nummern auf den Artikeln sinnvoll, die die Berechnung, den Ausgleich sowie das Klimaschutzprojekt online abrufbar machen. Ein transparentes Trackingsystem also. Klimaschutzdienstleister müssen wiederum volle Transparenz über ihre eigene Prozesse geben und diese extern zertifizieren lassen. Bei Klimaschutzprojekten ist es wichtig zu prüfen, ob die Zertifizierung (z.B. Gold Standard) auch tatsächlich abgeschlossen wurde und international anerkannte Kriterien erfüllen. Z.B. ist es wichtig, dass die CO2-Einsparung nur einmal angerechnet und die Emissionszertifikate nicht doppelt verkauft, sondern still gelegt werden. Dem freiwilligen Klimaschutz tut es aber gut, dass die Öffentlichkeit sehr kritisch beobachtet und die schwarzen Schafe abstraft.

 

 

ClimatePartner-Geschäftsführer Moritz Lehmkuhl im Interview mit dem Fachmagazin PBS-Report, dem Magazin für Büro & Ambiente. Mehr Informationen: www.pbsreport.de