26. November 2013

„Herausforderung als Chance“

Im Interview mit der Fachzeitschrift Paperazzo spricht Moritz Lehmkuhl, Geschäftsführer von ClimatePartner, über die Herausforderungen und aktuelle Trends beim Klimaschutz in der Papierindustrie. Wie die Papierhersteller Klimaschutz als Chance wahrnehmen können, erfahren Sie hier:

 

1) ClimatePartner unterstützt Papierhersteller wie Mondi und Leipa und Großhändler wie Igepa. Wie sieht diese Unterstützung genau aus?

 

Wir arbeiten mit Papierunternehmen in ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen. Mondi haben wir bei der Erstellung der Product Carbon Footprints (PCF) der Papierprodukte unterstützt. Für Leipa verifizieren wir regelmäßig den PCF ihrer Papiere. Für IGEPA berechnen wir seit mehreren Jahren den CO2-Fußabdruck des Unternehmens und arbeiten auch im Bereich CO2-Ausweis von Papieren zusammen, um die Vergleichbarkeit im Markt weiter voran zu bringen. Damit IGEPA die CO2-Werte der Papiere ausweisen kann, befragen wir gemeinsam die Zulieferer

 

2) Welche besonderen Herausforderungen müssen sich Papierhersteller bei der Berechnung des CO2-Fußabdrucks ihrer Papiere stellen?

 

Die Verbrauchsdaten haben die Unternehmen in der Regel verfügbar. Und das Rahmenwerk von CEPI gibt eine gute Orientierung, nach der sie vorgehen können. Die Daten müssen zusammen getragen und eine Systematik mit den Emissionsfaktoren entwickelt werden. Manche Hersteller schaffen das mit eigenen Ressourcen, andere benötigen Unterstützung. Viel wichtiger aber ist es – und hier liegt oftmals die eigentliche Herausforderung – den CO2-Fußabdruck und seine Informationen zu nutzen und die Klimaschutzaktivitäten für die Unternehmensziele einzusetzen. Allein aus ökonomischen Gründen ist es sinnvoll, den CO2-Austoß weiter zu reduzieren oder sich mit dem Ausgleich der Emissionen im Wettbewerb abzuheben. Herausforderungen werden zu einer unternehmerischen Chance.

 

3) Wie beurteilen Sie die 10 Zehen zur Berechnung des CO2-Fußabdrucks, das der Europäische Dachverband der Papierhersteller, CEPI, herausgegeben hat?

 

Papier ist ein Produkt aus einem nachwachsenden Rohstoff, dennoch entsteht bei der Herstellung eine große Menge CO2, vor allem durch Strom, Wärme und Transport. Das Rahmenwerk deckt den Großteil der Emissionstreiber ab. Wir begrüßen, dass sich der Verband seit Jahren aktiv mit dem Thema auseinandersetzt. Das kann als Vorbild für weitere Branchen dienen. In der Verpackungsindustrie, die ebenfalls über CEPI organisiert ist, findet aktuell ein Umdenken dahin statt, dass Verpackungsproduzenten die individuellen PCFs ihrer Produkte ausweisen. Grundsätzlich gilt aber für jeden Standard, aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen und das Rahmenwerk immer wieder anzupassen, auch in Bezug auf die ehrgeizigen CO2-Ziele, die sich die Papierindustrie bis 2050 gesetzt hat.

 

4) Sehen Sie aktuelle Trends in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz?

 

Allgemein gilt, Treibhausgasemissionen etablieren sich mehr und mehr zur festen Kennzahl bei Unternehmen. Dafür arbeiten wir unter anderem mit dem Carbon Disclosure Project – einem Zusammenschluss von Investoren, die Klimaschutzaktivitäten von Konzernen bewerten – zusammen, damit sich auch nicht-börsennotierte Unternehmen daran beteiligen können. Speziell für die Papierindustrie stellen wir fest, klimaneutrales Papier ist auf dem Vormarsch – große Unternehmen stärken damit ihre eigene Umweltbotschaft. Im Zuge dessen werden auch vermehrt klimaneutrale Services angefragt, z.B. Druckerleasing. Den Ausgleich der CO2-Emissionen durch die Förderung von Klimaschutzprojekten sehen immer mehr Unternehmen als kurzfristig sinnvolle Maßnahme an, auch um erneuerbare Energien weltweit voranzutreiben und der globalen Entwaldung etwas entgegenzusetzen.

 

5) Ist die Kennzeichnung klimaneutraler Papiere wirklich vertretbar, wenn man sich vor Augen führt, dass natürlich CO2 dabei anfällt und dieses nur kompensiert wird?

 

Wenn die CO2-Emissionen berechnet, vermieden oder soweit wie möglich reduziert und dann ausgeglichen wurden, sollte das entsprechend ausgewiesen werden. Die Kennzeichnung erhöht die Transparenz für alle Beteiligten. Und sie sorgt für eine neue Dynamik im Wettbewerb, denn die Nachfrage ist vorhanden. Papierhersteller differenzieren sich ja mit dem neuen Angebot und können mit der Kennzeichnung z.B. ihre ökologischen Premiumlinien weiter aufwerten. Gleichzeitig ist die Systematik hinter der Kennzeichnung erfolgskritisch, auch bei Papierprodukten. Wir arbeiten deshalb mit unseren Kunden mit einer TÜV-zertifizierten Lösung samt ID-Tracking für jeden einzelnen CO2-Ausgleich, mit dem online alle Informationen abgerufen werden können: Die Menge an verursachtem CO2 und das Klimaschutzprojekt, das gefördert wurde sowie dessen Zertifizierungen. Gerade das ist ein sehr sensitiver Bereich.