7. November 2014

Gastbeitrag The Huffington Post: Klimaschutz kann liefern

Unternehmen sind zu Gewinnen verpflichtet. Wenn ein Thema nicht zu Wachstum und Ertrag beiträgt, wird es nicht praktiziert. So einfach ist das. Will Klimaschutz also nicht weiter in Nachhaltigkeitsberichten verkümmern, muss er rentabel sein, Teil der Wertschöpfung werden und einen konkreten Nutzen schaffen.

Der Beitrag von Tristan A. Foerster, Geschäftsführer von ClimatePartner, ist am 6.11.2014 als Gastbeitrag in der The Huffington Post Deutschland erschinenen.

Huffington Post Deutschland

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Mit dem Thema Energiewende kommt der Klimaschutz zurück auf die Agenden der Unternehmen. Allerdings mit einem Unterschied: denn nach Verkünden der großen Klimaschutzstrategien in den vergangenen Jahren, geht es jetzt darum, diese mit Leben zu füllen. Substanz und Umsetzung lautet die Strategie. Warum? Weil Konsumenten, Kunden, Partner und Investoren viel höhere Ansprüche haben als noch vor ein paar Jahren. Vor allem aber sind die Zeiten vorbei, in denen Klimaschutz lediglich als Zertifikat an der Büro Wand des Umweltmanagers hing. Heute schafft Klimaschutz echte Wachstumschancen.

Unternehmen sind zu Gewinnen verpflichtet. Wenn ein Thema nicht zu Wachstum und Ertrag beiträgt, wird es nicht praktiziert. So einfach ist das. Will Klimaschutz also nicht weiter in Nachhaltigkeitsberichten verkümmern, muss er rentabel sein, Teil der Wertschöpfung werden und einen konkreten Nutzen schaffen. Er muss Relevanz haben für Kunden, Innovationskraft, für Produkte und nicht zuletzt für die Reputation. Die gute Nachricht dabei ist: Klimaschutz kann liefern. Was gut fürs Klima ist, kann also auch unmittelbar für Unternehmen Wert schaffen – nachfolgende Generationen werden diese Win-win-Situation zu schätzen wissen. Aber weshalb und wie korrelieren Klimaschutz und Wachstumschancen positiv?

Es stellt sich heraus, dass clevere Unternehmen Klimaschutz immer auf ähnliche Weise mit Erfolg einsetzen und damit Kunden, Mitarbeiter, Shareholder und ihr Umfeld überzeugen. Anlass genug, drei Thesen zum unternehmerischen Klimaschutz zu formulieren.

Erste These: Treibhausgasemissionen (CO2) sind mittlerweile harte Währung. Gemeint ist weniger das Commitment bekannter Marken zum Klimaschutz. Wesentlich ist die Einbindung der gesamten Lieferkette in die Verpflichtung zum Klimaschutz, wodurch ungleich mehr Unternehmen aus der Lieferkette einbezogen werden. Auslöser ist interessanter Weise der Kapitalmarkt. Er fordert von Konzernen Transparenz, weshalb Nachhaltigkeits- und Klimaschutzaktivitäten Einzug in die Unternehmensbewertung finden. Am CDP beispielsweise, einer der größten Klima-Reporting-Initiativen weltweit, beteiligen sich allein in der DACH-Region rund 300 börsennotierte Unternehmen, darunter fast alle DAX-30-Unternehmen. Handelskonzerne und FMCG-Hersteller etwa müssen in der Lage sein, die eigene CO2-Bilanz möglichst umfassend auszuweisen.

Das erhöht den Druck nicht nur auf börsennotierte Gesellschaften, sondern auch auf deren gesamte Lieferkette. Denn nicht nur die eigenen, sondern auch die „zugekauften“ Treibhausgase müssen zu Tage gefördert werden. Stichwort Scope 3-Emissionen – Emissionen also, die bereits vor den Werkstoren verursacht werden. Damit müssen auch Unternehmen aus der Lieferkette die Transparenz im Klimaschutz schaffen. Für viele Zulieferer geht es dabei um nicht weniger als ihre Listung bei großen Abnehmern zu sichern.

Ein Verpackungshersteller etwa muss in der Lage sein, die bei der Herstellung verursachten CO2-Emissionen auf Produktebene auszuweisen und Maßnahmen aufzeigen, wie er sie künftig reduzieren wird. Was ihm zunächst fehlt sind ebenfalls Daten seiner zugekauften Rohstoffe. Und so wird das Thema CO2 weiter durchgereicht. Auch der besagte Verpackungshersteller muss seine Lieferanten in die Pflicht nehmen, die relevanten Daten einholen und auswerten, validieren und den Ausweis des CO2-Fußabdrucks seiner Verpackungen in die eigenen Prozesse integrieren. Damit ist er seinen Wettbewerbern voraus und bringt sich bei anspruchsvollen Handelskonzernen in Position.

Zweite These: Klimaschutz differenziert Produkte und Dienstleistungen. Neben dem CO2-Ausweis eines Produkts können klimafreundliche und klimaneutrale Produkte und Services angeboten und vermarktet werden. Klimaneutral bedeutet, unvermeidbare CO2-Emissionen werden in derselben Menge mit Emissionsminderungszertifikaten aus international anerkannten Klimaschutzprojekten ausgeglichen. Klimaschutzprojekte sparen nachweislich Emissionen ein, indem etwa zur Stromerzeugung ein neues Windkraftwerk anstelle eines weiteren Kohlekraftwerks gebaut wird. In Zertifikaten läuft diese bereits bewerkstelligte CO2-Einsparung mit einer Finanzierung zusammen und wird handelbar. Ohne diese Finanzierung über Emissionsminderungszertifikate würde das Projekt nicht existieren. Das bedeutet, es würde weiter in klimaschädliche anstelle einer klimafreundlichen Technologie investiert werden.

Aber auch bei der Klimaneutralität gilt: zuerst messen, dann vermeiden und reduzieren und im letzten Schritt ausgleichen. Denn richtig ist, Treibhausgase sollten erst gar nicht verursacht werden. Richtig ist aber auch, Restemissionen werden selbst nach den größten Reduktionsanstrengungen und Vermeidungsstrategien bestehen bleiben. Grund sind Investitionszyklen, Technologiegrenzen und exponentiell steigende Grenzkosten. Ein Papierhersteller zum Beispiel stößt an ein betriebswirtschaftlich bedingtes Limit, nachdem er Produktionsverfahren und Logistik nach CO2-Kriterien erfolgreich optimiert hat. Denn die Investitionszyklen für neue energieeffiziente Maschinen liegen bei gut 25 Jahren. Um aber sein Engagement greifbar zu machen und zu vermarkten, gleicht er die restlichen Emissionen aus und bietet klimaneutral hergestelltes Papier an. In Summe: die reduzierte und ausgeglichene CO2-Bilanz wird Qualitätsmerkmal. Das bringt das Thema Nachhaltigkeit ganz konkret auf die Produktebene. Klimaneutralität wird zunehmend verstanden, weil es den Klimaschutz greifbar macht und in den Alltag der Menschen bringt. Der b2b-Markt ist hier schon weiter, viele Unternehmen bieten bereits klimaneutrale Produkte an. Und einige gehen jetzt voran und schaffen ein entsprechendes Angebot für Endkonsumenten– das Potential ist enorm. Den Anfang machen klimaneutrale Verpackungen – etwa beim Online-Shopping – und einzelne Nischenprodukte. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis Konsumenten ein entsprechendes Sortiment im Supermarktregal finden und sich für das klimafreundlichere Produkt entscheiden.

Dritte These: Klimaschutz wird effizient und Bestandteil der Geschäftsprozesse — und zwar mittels IT und Integration. Diese Entwicklung bringt zwei große Vorteile mit sich: Zum einen verläuft die Bestimmung der CO2-Emissionen von Unternehmen, Produkten und Services ohne Mehraufwand im täglichen Geschäft über ein integriertes Modul in der Unternehmenssoftware oder Warenwirtschaft automatisch. Zum anderen ist es dynamisch. Das bedeutet, ändert sich die Zusammensetzung eines Produkts – etwa durch den Wechsel eines Zulieferers –, synchronisiert sich auch der CO2-Fußabdruck, und kann weiterhin auf Knopfdruck an einen Kunden ausgewiesen werden. Damit wird Klimaschutz zum Teil dessen, wie Unternehmen arbeiten, Produkte hergestellt und verpackt, Waren transportiert und Services erbracht werden. Darüber hinaus bereitet IT den Weg dafür, dass Klimaschutz auf einfache Art den Weg zum Kunden findet. Ein Beispiel ist ein Online-Shop für Busreisen: Ein Fahrgast kann ganz einfach die anfallenden CO2-Emisisonen seiner Busfahrt direkt im Buchungsprozess berechnen und ausweisen lassen und mit einem kleinen Aufpreis über ein Klimaschutzprojekt seiner Wahl ausgleichen lassen. Und dabei ist der Bus ohnehin eines der klimafreundlichsten Reisemittel.

Klimaschutz kann liefern: als harte Währung, als Differenzierung auf Produktebene und integriert als Bestandteil der Geschäftsprozesse. Die Vorreiter setzen diese Möglichkeiten bereits heute erfolgreich um und generieren damit einen wirtschaftlichen Nutzen. Klimaschutz muss weg vom Reporting, rein in die Produkte und aktiv angeboten werden. Bleibt zu hoffen, dass es viele Nachahmer gibt.