8. Juni 2016

10 Jahre ClimatePartner: Interview mit Gründer Moritz Lehmkuhl

Herr Lehmkuhl, ClimatePartner feiert im Juni zehnjähriges Jubiläum. Herzlichen Glückwunsch! Was hat Sie damals zur Gründung des Unternehmens veranlasst?

ClimatePartner-Moritz-Lehmkuhl

Am Anfang stand damals die Überzeugung, dass wir das ganze Thema Nachhaltigkeit aktiver angehen müssen, wenn wir wirklich etwas erreichen wollen. Viele Unternehmen haben sich ausschließlich auf das Thema Reporting und Berichterstattung konzentriert – teilweise hält diese Sicht bis heute an. Was aber viel wichtiger ist, ist konkret etwas zu tun. Wir sind also mit dem Anspruch gestartet, für Unternehmen tatsächliche Lösungen im Klimaschutz anzubieten und das Thema in die Wertschöpfung unserer Kunden zu integrieren. Auf den Druckmarkt sind wir dann eher zufällig gestoßen, weil wir hier einen großen Multiplikator für das Thema Klimaschutz gesehen haben und vielen Druckereien damals klare Differenzierungsmerkmale fehlten. Dass wir heute mehr als 700 Kunden in diesem Bereich haben und täglich hunderte Druckprodukte mit uns klimaneutral gedruckt werden, zeigt, dass diese Entscheidung richtig war.

Wie ist das Thema in der Anfangsphase aufgenommen worden? Mit welchen Schwierigkeiten hatten Sie zu kämpfen?

Anfangs sind wir bei vielen Unternehmen auf Ablehnung gestoßen, weil das Konzept der Klimaneutralität noch weitgehend unbekannt war. Aber natürlich gab es auch Vorreiter im Bereich Umweltschutz, die schon sehr früh angefangen haben, ihren Betrieb und Maschinenpark zu optimieren und dringend nach neuen Themen gesucht haben. Dadurch konnten wir schnell die ersten Pilotkunden finden und demonstrieren, dass das Konzept funktioniert. Das hat uns sehr dabei geholfen, relativ schnell eine kritische Masse an Kunden zu gewinnen und dadurch eine hohe Sichtbarkeit im Markt zu erreichen.

Wie unterscheidet sich ClimatePartner heute von dem Unternehmen, das Sie 2006 gegründet haben?

Wir haben uns einerseits extrem gewandelt und professionalisiert. Besonders deutlich wird das durch unseren „Solutions“-Bereich, in dem wir heute wie eine moderne Softwarefirma funktionieren und in der Lage sind, hochkomplexe, kundenspezifische Cloud-Lösungen im Klimaschutz anzubieten. Andererseits haben wir versucht, unseren ursprünglichen Ideen treu zu bleiben und uns viel von der anfänglichen Startup-Mentalität zu erhalten. Insbesondere versuchen wir, nicht jedem Trend zu folgen, sondern unsere Kernideen – von denen wir nach wie vor überzeugt sind – jeden Tag weiter zu verbessern. Besonders stolz bin ich, dass wir uns über all die Jahre ein großartiges und hochmotiviertes Team erhalten konnten.

Hat sich die Art und Weise, wie sich Unternehmen dem Thema Nachhaltigkeit widmen, seit damals verändert? Ist es einfacher oder schwieriger geworden, Entscheider für den Klimaschutz zu begeistern?

Wir haben heute eine andere Problemwahrnehmung als früher. Durch die zahlreichen Klimaereignisse der letzten Jahre ist das Bewusstsein, dass die Menschheit umsteuern muss, insgesamt gestiegen. Das alleine genügt aber bei Weitem noch nicht, um Unternehmen in der Breite zu aktivieren. Damals wie heute müssen wir immer wieder den Nachweis erbringen, dass Klimaschutz auch ein unternehmerischer Erfolgsfaktor sein kann. Dabei helfen uns unsere aktiven und erfolgreichen Kunden extrem, denn sie machen deutlich, dass Klimaschutz auch Spaß machen und Unternehmen voranbringen kann. Außerdem stellen wir fest, dass immer noch Berührungsängste vorhanden sind und gerade kleinere Unternehmen oft nicht wissen, wo man beim Thema Klimaschutz den Anfang macht. Mit der ClimatePartner Academy, die zweimal jährlich an wechselnden Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeboten wird, haben wir daher ein Format geschaffen, um Entscheider direkt zu erreichen und einen direkten Austausch zu ermöglichen.

ClimatePartner hat sich von Anfang an sehr stark auf den Druck- und Papiersektor konzentriert. Heute bietet das Unternehmen Produkte und Lösungen für fast alle Kernindustrien – von Konsumgütern über Logistik bis hin zum E-Commerce. Wo sehen Sie den größten Hebel, um im Klimaschutz wirklich etwas zu erreichen?

Die Druck-, Papier- und Verpackungsbranche war Vorreiter im Klimaschutz und ist anderen Branchen z.T. um zehn Jahre voraus. Allerdings ist der ganze Sektor gerade einem großen Wandel unterworfen, nicht zuletzt durch die schnell voranschreitende Digitalisierung. Es wird insgesamt weniger in Produkten und mehr in Lösungen gedacht, die die Möglichkeiten verschiedener Medien – ob digital oder traditionell – gewinnbringend kombinieren. Auch hier wird das Thema Klimaschutz einen wichtigen Stellenwert haben, wenn auch in anderer Form als bisher. In vielen anderen Branchen beobachten wir hingegen gerade einen Aufholeffekt. Nehmen wir zum Beispiel die Lebensmittelindustrie. Hier ist in den letzten Jahren wenig passiert, obwohl das Potential riesig ist und klimaneutrale Produkte für den Kunden einen echten Mehrwert darstellen könnten. Aktuell beschäftigen sich gerade viele wichtige Akteure mit der Thematik, daher gehen wir davon aus, dass die Branche eine ähnliche Dynamik erreichen wird wie der Druckmarkt vor zehn Jahren. Das beobachten wir derzeit auch in anderen Branchen, beispielsweise dem Mobilitätssektor, der ebenfalls einem starken Strukturwandel unterworfen ist. Auch hier bieten sich durch sinnvolle Klimaschutzkonzepte neue Chancen. Insgesamt wird sich also auch in anderen Branchen in Zukunft viel tun.

Wagen wir zum Schluss einen Blick in die Zukunft: Wie wird sich der Markt in den nächsten zehn Jahren verändern?

Unser Ziel für die Zukunft ist es, mit dazu beizutragen, dass Klimaschutz selbstverständlich wird. In Paris hat sich die Weltgemeinschaft Ende letzten Jahres ehrgeizige Ziele im Klimaschutz gesetzt, die wir erreichen müssen, wenn wir die Welt so erhalten wollen, wie wir sie kennen. Neben technischen Innovationen sind vor allem Klimaschutzprojekte und der Mechanismus des CO2-Ausgleichs für die Erreichung dieses Ziels essentiell. Wir glauben daher, dass der Markt für freiwilligen Klimaschutz in den nächsten Jahren erheblich an Dynamik gewinnt.