27. Juli 2017

ClimatePartner zu Besuch im Kasigau Corridor

Wie betreibt man effektiven Waldschutz in einem 2.000km² großen Gebiet? Dieser Frage ist unser Mitarbeiter Robert Köstner vergangene Woche im Kasigau Corridor nachgegangen:

Der Kasigau Corridor in Kenia liegt gut drei Stunden Autofahrt nordwestlich von Mombasa zwischen den Nationalparks Tsavo East und Tsavo West.

Das Projektgebiet selbst umfasst rund 2.000 km². Die Vegetation ist relativ homogen und wird von einigen Baumarten dominiert, die besonders an die trockenen Verhältnisse angepasst sind. So werfen diese beispielsweise ihre Blätter ab und atmen über die Rinde oder sie rollen ihre Blätter zusammen, um die Verdunstung zu minimieren.

„Auf den ersten Blick wirkt die Landschaft ein wenig seltsam. Es gibt Sträucher und Bäume, aber kaum saftiges Grün. Und der rote Staub setzt sich überall fest.“

Im Kasigau Corridor gibt es keine dauerhaften Frischwasservorkommen. Wildtiere, darunter Elefanten, Giraffen, Zebras, Löwen und Geparden, ziehen auf ihren Wanderungen nach Wasser und Nahrung durch das Waldschutzprojekt.

„Bei unseren Fahrten haben wir zahlreiche Tiere beobachtet. Am spektakulärsten waren sicherlich die Elefanten, Geparden und Hyänen. Aber auch Vogelkundler kommen hier auf ihre Kosten.“

Das Gebiet wurde 1997 erworben, um den Waldbestand zu erhalten und damit zunehmender Entwaldung und dem Treibhausgasausstoß entgegenzuwirken. Wie sich die Biomasse und der dadurch gebundene Kohlenstoff entwickelt, wird jährlich anhand von 100 der 500 Stichprobenplätze festgestellt. Dabei werden Bäume und Sträucher innerhalb eines Kreises um festgelegte GPS-Daten vermessen und dokumentiert. Auf Grundlage der Daten lässt sich ermitteln, wie sich die Biomasse im Zeitverlauf verändert.

„Immer wieder sieht man von Elefanten umgeworfene Bäume. Weil Elefanten aber auch schlechte Kostverwerter sind, verbreiten sich zahlreiche Pflanzenarten vor allem durch ihren Dung. Ob Elefanten für die Biomasse förderlich sind, lässt sich daher kaum beantworten.“

Im Gegensatz zu einem Nationalpark leben in der Region viele Menschen – im ursprünglichen Korridor rund 100.000 Menschen, in den angrenzenden Gebieten noch einmal weitere 350.000. Eine große Frage ist daher, wie sich mögliche Konflikte zwischen Wildtieren und Menschen vermeiden oder auflösen lassen.

Es gibt Versuche, Pflanzenarten anzubauen, die von den Tieren nicht gefressen werden. Oder es wird Chili eingesetzt, was die Elefanten mit ihren empfindlichen Nasen meiden.

Weitere große Herausforderungen sind Wasserknappheit, Armut und mangelnde Bildungsmöglichkeiten. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf der generierten Carbon Credits werden daher zahlreiche soziale Projekte finanziert. Es wurden Schulen gebaut und Tanks zum Sammeln von Regenwasser installiert. Besonders bedürftige Kinder erhalten Schulgeld, damit sie weiterführende Schulen besuchen können.

„Der alles entscheidende Punkt für den Projekterfolg ist der Einbezug der Bevölkerung. Nur wenn ihnen Alternativen zu illegalem Holzschlag für Feuerholz und Holzkohle sowie Wilderei aufgezeigt werden, tragen sie das Projekt mit.“

Welche Projekte in den einzelnen Gemeinden realisiert werden, wird durch auf Zeit gewählte Vertreter der Gemeinden bestimmt. Sie wägen in Rücksprache mit der Gemeinde ab, welche Projekte Vorrang haben oder welche Kinder Förderung erhalten sollen. Einige ehemals geförderte Kinder studieren mittlerweile und werden hoffentlich etwa als Arzt zurückkehren.

Verschiedene andere Gruppen erhalten zudem Unterstützung, damit sie beispielsweise Körbe, Bekleidung, Schmuck, Spielsachen oder Papier aus Elefanten-Dung herstellen und ein Einkommen erzielen können. Außerdem wird gezeigt, wie nachhaltige Holzkohleproduktion funktioniert.

„Mich hat die Vielzahl und die Vielfalt an Initiativen überrascht, durch die die Bevölkerung von dem Waldschutzprojekt profitiert, und wie gleichzeitig durch klar definierte Entscheidungsprozesse und verschiedene Gremien die Effektivität der Maßnahmen sichergestellt wird.“

Das Projekt im VCS-Register: www.vcsprojectdatabase.org/#/project_details/612