Klimaschutz durch Bildung – Schulprojekt mit Cartondruck und weiteren
So, wieder zurück in München. Die letzten beiden Tage war ich in Schwaben in Sachen Klimaschutz unterwegs, in schönen Obersulm. Gemeinsam mit der Firma Cartondruck, dem Landratsamt Heilbronn und dem evangelischen Paul-Distelbarth Gymnasium findet dort das Projekt „Klimaschutz durch Bildung“ statt. Die Schüler der zehnten Klasse des Gymnasiums erfahren, was das Thema konkret in ihrem Umfeld bedeutet.
Was bedeutete das für mich? Zwei Tage lang vor einer Klasse voller 16-Jähriger stehen, die alles andere als die „Lümmel von der ersten Bank“ sind. Fragen, Diskussionen, Lösungsvorschläge, aktives Mitmachen sind die passenderen Schlagworte.
Egal ob Klimawandel, CO2-Emissionen im globalen Vergleich, Kyoto-Protokoll oder Kopenhagen, die eigene Meinung will gesagt sein, wobei ich den Eindruck gewonnen habe, dass das Berufsbild Politiker nicht hoch im Kurs steht. Wir haben über mögliche Green Jobs gesprochen, und auch wenn zunächst das Abitur in den nächsten drei Jahren auf dem Programm steht, der einhellige Tenor lautet: Jeder einzelne muss was tun!
Selbstverständlich haben wir uns auch mit CO2-Emissionen im Umfeld der Schule beschäftigt:
Am ersten Tag haben die Schüler berechnet, welche Menge CO2 mit dem schwäbischen Nationalgericht, Maultaschen mit Kartoffelsalat verbunden sind, was uns zu Mittag serviert wurde. Als der große Unterschied zwischen der normalen und vegetarischen Version klar wurde, überboten sich die Schüler mit Ideen, wie sich die Emissionen beim Essen verringern liessen. Die Vorschläge gingen vom ausschließlichem Bezug von lokalem Wasser, über einen eigenen Schulgarten bis hin zu dem Vorschlag, nur noch einmal die Woche Fleisch zu essen, dafür aber dann Steak, von einer lokalen Metzgerei versteht sich!
Am nächsten Morgen kamen die Schüler freiwillig früher zur Schule! (ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich das je getan hätte) Die Befragung aller anderen Klassen musste durchgeführt werden, schließlich wollten wir wissen, wie viele Tonnen CO2 durch die morgendlichen Schulweg emittiert werden. Im Anschluss an die Berechnung sprudelten die Ideen erneut – um alle zum Handeln zu bewegen, z.B.:
- Organisation einer „Fahrradfahren ist cool“-Kampagne,
- Übernahme von Klimapatenschaften, um die jüngeren Jahrgänge zu sensibilisieren (z.B. durch Klimaschutztipps auf schwäbisch),
- Ansprache der Eltern mit der Forderung nach mehr Fahrgemeinschaften,
- Nominierung besonders schlechter bzw. guter Vorbilder,
- Aufstellen eines „Motor-Aus-Schild“ für alle Autofahrer, die jeden Morgen minutenlang mit laufendem Motor hinter einem stehenden Schulbus warten,
- Verbesserung des Verkehrsflusses vor der Schule,
- Recycling in allen Klassenräumen.
In zwei weiteren Gruppen fand zum einen die Auseinandersetzung mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz statt, aus einem FSC-zertifizierten Wald der Gemeinde. Zum anderen wurde die Produktion von Faltschachteln und Tragetaschen bei Cartondruck von den Schülern genau unter die Lupe genommen. Hier finden Sie detailliertere Informationen zu den beiden anderen Gruppen und zum gesamten Ablauf der Projekttage.
Ich freue mich, dass Cartondruck mit der Projektidee an uns herangetreten ist und bin wirklich gespannt, was bis zum Nachhaltigkeitstag Ende Juli alles an Vorschlägen bereits umgesetzt wurde.
Dass wir bis dahin einen umfassenden CO2-Fuß-abdruck der Schule durchgeführt haben werden, versteht sich von selbst, klar dass die Schüler bei der Datenerfassung helfen.
Ich wette, die Erwachsenen in den beiden anderen Gruppen sind ebenfalls beeindruckt, wie viel Begeisterung die Schüler an den Tag legen, ich bin es jedenfalls!


Hurra!
Auch bei den Schülern zu Hause wird Klimaschutz nun ernst genommen.
Jetzt endlich werde ich z.B. in meinem Anliegen “think global, drink local” unterstützt (bei Wein wie Wasser). Die Vorzüge der hiesigen Mineralbrunnen gegenüber den IN-Wässern wie Volvic, Evian und Co. leuchten nun auch meiner Tochter ein.
Bei vielen ganz alltäglichen Dingen machen wir uns nun wieder eher Gedanken über die Konsequenzen unseres Handelns.
Nach dieser arbeitsintensiven Projektwoche sind die Jugendlichen zwar ziemlich müde, aber trotzdem voller Ideen für Schule und Zuhause.
Ich freue mich riesig, dass es Ihnen gelungen ist, die Schüler so zu motivieren und bin mir sicher, dass Sie mit ihnen zufrieden sein werden, wenn im Juli die neuen Konzepte und “Errungenschaften” vorgestellt werden.
Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung des Projekts
Tolles Projekt!
Tolle Kooperationspartner!
Super engagierte Schülerinnen und Schüler und begleitende Lehrer.
Näheres findet sich auch auf der Website http://www.klimaschutz-durch-bildung.de
[...] Verwandter Blogbeitrag: „Klimaschutz durch Bildung“ [...]
Einige Wochen später…
Wir stehen kurz vor Abschluss unseres Projekts mit einem Nachhaltigkeitstag am 24. Juli 2010. Die Arbeit mit Herr Köppen im Mai hat uns sehr viel Spaß gemacht, die Thematik hat uns sehr beeindruckt.Wir haben auch in den darauf folgenden Tagen und Wochen versucht unsere Ideen umzusetzen. Anfangs sind wir auf sehr viel Resonanz gestoßen, auch bei den öffentlichen Stellen, doch mittlerweile scheint vieles im Sand verlaufen zu sein. Wir finden es schade, dass von unseren Projektentwürfen wohl nur eine Müllsammelaktion und eine Verkehrszählung übrig bleibt.
Das ist meiner Meinung nach eine magere Ausbeute für ein Projekt, in das wir Schüler so viel Herzblut gesteckt haben.
Ich habe allerdings immer noch ein klein wenig Hoffnung, dass wir im nächsten Schuljahr ein paar unserer Ideen doch noch umsetzen dürfen.
Was ist denn aus der Idee der Klimapaten geworden?
Wir haben die Klimapaten eingeteilt, uns den Klassen vorgestellt und ein Konzeot entworfen, was wir an den Nachhaltigkeitstagen mit unserer jeweiligen Klasse machen wollen.
Am Schluss hatten wir dann immer die Klimapaten plus ein paar andere Schüler bei jeder Klasse, um die unterschiedlichen Aktivitäten durchzuführen.
Letzte Woche erfuhren wir dann, dass es eine neue Einteilung gibt. Es wurde einfach durch die Klassenlisten gegangen und Schüler zugeteilt. Unsere Mühe war damit umsonst. Heute dann, hatten viele Schüler der Zehnten nicht allzu viel Ahnung, was sie mit den ihnen zugeteilten Klassen machen sollte, da sie ganz andere Dinge vorbereitet haben. Die Leute aus unserer Gruppe, die die Verkehrszählung organisiert haben, waren dann plötzlich beim Müllsammeln, usw.
Mal sehen, was der morgige Tag bringt!
Gut, dass Ihr die Klimapatenschaften umsetzt, auch trotz verwirrender Neueinteilungen. So die Jüngeren auch an das Thema rangeführt werden und das ist das Wichtigste!
Ich wünsche Euch viel Erfolg für morgen und die Zeit danach!!!