Seit dem 20. April 2010 fließt Öl aus der untergegangenen Bohrplattform Deepwater Horizon in den Golf von Mexiko. Alle Versuche, das Bohrloch zu schließen und den Ölaustritt zu stoppen, sind bislang gescheitert.
Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die drei wesentlich Beteiligten an der Katastrophe kommunikativ mit ihr umgehen. Interessant ist auch zu sehen, wie BP versucht, Web 2.0-Plattformen für die Krisenkommunikation zu gebrauchen. Allerdings ohne Erfolg, wie ich meine.
Keine Kommunikation durch Halliburton und Transocean
Der Konstrukteur der Plattform (Halliburton) und ihr Eigentümer (Transocean) räumen der Umweltkatastrophe kommunikativ keine Bedeutung ein. Zwar findet sich auf ihren Webseiten hier und da ein Hinweis auf den Unfall, darüber hinaus werden jedoch weder Halliburton noch Transocean im Umfeld der Kommunikation zum Unfall im Golf von Mexiko signifikant sichtbar.
Web 2.0-Informationskampagne von BP
Demgegenüber versucht BP als Pächter der explodierten Plattform, den Schaden für das Image des Unternehmens durch eine starke Medienpräsenz zu begrenzen: Eine Schlüsselrolle bei der Kommunikationsstrategie des Konzerns spielt das Internet. So hat BP gegenwärtig der Kommunikation der Ölkatastrophe die gesamte Startseite seines internationalen Internetauftritts www.bp.com gewidmet. Auch auf der deutschen Seite www.deutschebp.de wird dem Ereignis bereits auf der Startseite breiter Raum gewidmet.
BP hat aus Anlass der Katastrophe darüber hinaus eine Web 2.0-Kampagne gestartet, in die annähernd alle populären Plattformen digitaler Kommunikation einbezogen wurden. So unterhält BP unter anderem Präsenzen auf Facebook, FlickR, YouTube und Twitter, auf denen mit hoher Frequenz Aktualisierungen vorgenommen werden, die Informationen über das Unglück im Golf zum Gegenstand haben.
Halliburton und Transocean verstecken sich hinter BP
Während also BP erhebliche Anstrengungen unternimmt, was ihre Informationspolitik rund um den Ölunfall betrifft, tauchen Halliburton und Transocean elegant ab und überlassen es BP, den entstandenen Schaden kommunikativ zu beheben und sich mit der Öffentlichkeit auseinanderzusetzen. Vermutlich profitieren Halliburton und Transocean hierbei erheblich von der überragenden Bekanntheit der Marke BP: Als stärkste Marke der drei am Unfall beteiligten Unternehmen wird BP eben auch in ihrer Rolle als Mitverursacher der Katastrophe am stärksten in der Öffentlichkeit wahrgenommen. BP ist also eine Art Blitzableiter für Halliburton und Transocean, die sich augenscheinlich bereits wieder dem Tagesgeschäft zuwenden, während sich BP an vorderster Front der öffentlichen Diskussion stellt.
Warum auch BP kommunikativ versagt hat
Allerdings hat BP meinem Eindruck nach nur formal den richtigen Weg beschritten, die Katastrophe kommunikativ zu meistern. Inhaltlich hat der Konzern hingegen auf ganzer Linie versagt und den Imageschaden, der ihm durch den Unfall und die fehlgeschlagene Schadensbeseitigung entstanden ist, hierdurch nochmals erheblich ausgeweitet.
Ich begründe diesen Eindruck im folgenden am Beispiel des Kurznachrichtendiensts Twitter, wo BP unter den Adressen @BP_America und @bp_energie Präsenzen unterhält:
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