Die äußeren und die inneren Werte: Klimaschutz in der Modebranche

25. September 2020

Die CO2-Bilanz als Ausgangspunkt für nachhaltige Mode und mehr Verbrauchertransparenz

Zu den Branchen, die weltweit mit am meisten CO2-Emissionen verursachen, zählt auch die Modeindustrie. Will man ihre Emissionen über alle Stufen der Wertschöpfung hinweg betrachten, so lohnt es sich, über Rohstoffe, Produktion, Logistik und Handel hinaus zu blicken. Auch das Verhalten der Konsumenten kann die Emissionen beeinflussen: Auf welche Weise und wie viel Kleidung wird konsumiert, wie oft wird sie gewaschen oder gereinigt und wird sie nach dem Gebrauch entweder weggeworfen oder wiederverwendet?

Der von der Global Fashion Agenda und McKinsey Ende August 2020 veröffentlichte „Fashion on Climate“ Report berücksichtigt diese Bandbreite und beziffert das Gesamtvolumen der CO2-Emissionen in der Modeindustrie für das Jahr 2018 auf 2,1 Milliarden Tonnen. Wenn alle Akteure in diesem Szenario so weiter machen wie bisher, erwarten die Autoren sogar eine Steigerung auf rund 2,7 Milliarden Tonnen – ungefähr doppelt so viel, was maximal zulässig wäre, um das 1,5-Grad-Ziel zur Verringerung der Erderwärmung zu erreichen.

Die Hochrechnung zeigt, dass sich der CO2-Fußabdruck der Modebranche ändern muss. Dabei kommt es nicht allein auf die Produzenten und den Handel an, auch wenn diese den größten Anteil der Emissionen verursachen. Ebenso ist es wichtig, dass Verbraucher die Wirkung eines nachhaltigen Konsums erkennen. Dies lässt sich aber nur dann umsetzen, wenn Unternehmen auch entsprechende Transparenz zeigen und dabei ihre Herstellungspraktiken, die Ursprünge der Materialien sowie ihre Einflüsse auf die Umwelt und Menschen offenlegen.

Klimaneutral – mehr als nur ein Label

Viele der Mode- und Bekleidungsunternehmen, die wir bei ClimatePartner im Klimaschutz unterstützen, haben innovative Nachhaltigkeitsansätze, bei denen Klimaneutralität eine zentrale Rolle spielt. Auf Basis einer CO2-Bilanz erkennen sie Stellschrauben und definieren Strategien zur Reduktion ihrer Emissionen, gleichen unvermeidbare Emissionen durch Klimaschutzprojekte aus und kommunizieren dies über das klimaneutral-Label. Die mit der Label-ID bestätigte Klimaneutralität ist dabei ein wichtiges Element bei der Vermarktung und Positionierung ihrer Produkte. Sie zeigt Transparenz in Sachen CO2-Emissionen und ergänzt eine Reihe weiterer Maßnahmen, wie zum Beispiel Konzepte zur Kreislaufwirtschaft, Fokus auf Regionalität oder Maßnahmen zur sozialen Verantwortung.

Kreislaufwirtschaft und nachhaltiger Konsum

So ist für das Modelabel bleed Clothing die regelmäßige Bilanzierung des CO2-Fußabdrucks der Anhaltspunkt für Verbesserungen, an denen das Unternehmen ständig arbeitet. Manche Kollektionen bestehen bereits aus recycelten oder wiederaufbereiteten Materialen, es gibt zudem erste vegane Produkte. Auch das Kölner Unternehmen ARMEDANGELS sieht die Kreislaufwirtschaft als eines der Konzepte, mit denen die Modebranche ihre Emissionen verringern kann. Möglichst viele Nachhaltigkeitsaspekte will die ebenfalls aus Köln stammende Marke pinqponq in ihre Produkte einfließen lassen. Dort hat man im Sommer mit dem „Most Responsible Product“ (MRP) eine Kollektion vorgestellt, die mit Rohstoffen aus recyceltem PET, umweltverträglichem Herstellungsprozess und Versand sowie Klimaneutralität neue Maßstäbe setzen will.

Wie können CO2-Emissionen eingespart werden

Wie viel Potenzial Klimaschutzstrategien haben, zeigt der Fashion on Climate-Report: Unternehmen können bereits viel zur Verringerung ihrer Emissionen bewirken, wenn sie für ihre Standorte und Firmensitze Klimaneutralität anstreben. Durch nachhaltige Transportmittel wie Elektrofahrzeuge, mehr Energieeffizienz und Umstellungen auf erneuerbare Energien ließen sich demnach bis 2030 fast 308 Millionen Tonnen CO2-Emissionen jährlich einsparen.

Ein noch größerer Hebel liegt bei den Produkten: 61 Prozent der Emissionsverringerung könnten durch CO2-Reduzierung in der Materialproduktion und -verarbeitung, die Minimierung von Produktions- und Herstellungsabfällen und bei der Bekleidungsherstellung erreicht werden. Bis 2030 wären das etwa 1 Milliarde Tonnen jährlich.

Und schließlich ist es auch das Verbraucherverhalten, das sich auf die Klimabilanz der Modebranche auswirkt. Wenn noch mehr auf nachhaltige Mode geachtet und Kleidung wieder- und länger verwendet wird, kann dies laut dem Report zu einer Emissionsverringerung von 347 Millionen Tonnen führen.

Wir nehmen genau Maß: Lebenszyklusbetrachtung bei der Emissionsberechnung

Wir können dank unserer langjährigen Erfahrung Unternehmen in der Mode- und Textilbranche in jeder Stufe der Wertschöpfung unterstützen und dabei den vollständigen Lebenszyklus betrachten. Dies beginnt bei den Rohstoffen und Verpackungen und reicht über die Herstellung der Produkte mitsamt Verschnitt bis hin zur Logistik inklusive einem anteiligen Durchschnittswert für etwaige Retouren sowie der Entsorgung. Durch diesen differenzierten Ansatz tragen wir den Herausforderungen der Bekleidungsindustrie Rechnung und ermöglichen es den Unternehmen, weitreichende Nachhaltigkeitskonzepte zu verfolgen.

Dies wird nicht nur von immer mehr Modelabels, sondern auch von internationalen Organisationen erkannt. So erwähnt uns das UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) in seinem im September 2020 vorgestellten Climate Action Playbook für die UN Fashion Industry Charter for Climate Action. Die Charter hat mit dem Playbook erstmals einen Leitfaden entwickelt, der den Unternehmen in der Modebranche Hilfestellung dabei geben will, welche Klimaschutzmaßnahmen sie ergreifen können. Hier wurde ClimatePartner als einer der Experten genannt, an die sich Unternehmen wenden können.

Übrigens: unsere Kunden bleed Clothing, ARMEDANGELS und Lanius werden bei utopia.de, dem Informations- und Nachrichtenportal für nachhaltige Entwicklung und Wirtschaft, auf Platz 1, 2 und 4 der besten nachhaltigen Modelabels gelistet.