COP30: die wichtigsten Ergebnisse für Unternehmen

26. November 2025

Von Lena Koch, Climate Policy Advisor, ClimatePartner


Die COP30 fand vom 10.–22. November in Belém (Brasilien) statt. Zivilgesellschaftliche Gruppen äußerten vorab Bedenken, dass die geringe Zahl an Unterkünften steigende Hotelpreise zur Folge hatte und damit vor allem Lobbygruppen begünstigen könnte. Auffällig war auch das Fehlen zentraler US-Vertreter:innen, was erneut die Sorge aufkommen ließ, dass die internationale Zusammenarbeit ins Stocken geraten könnte.

Im Vorfeld der COP30 standen vor allem folgende Themen auf der Agenda: die national festgelegten Klimabeiträge (NDCs), Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, die Ausarbeitung eines langfristigen Plans für Klimafinanzierung, Diskussionen zu den Regeln von Artikel 6 sowie – aufgrund des Gastgeberlandes – die Einrichtung der Tropical Forest Forever Facility (TFFF) und eine künftige Roadmap zur Beendigung der Entwaldung.

Für Unternehmen haben die Ergebnisse der COP30 Auswirkungen auf Investitionen in Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen, auf den Artikel-6-CO2-Markt (Carbon Market) sowie auf zukünftige Anforderungen in der CO₂-Bilanzierung.

Klimafinanzierungslücke: Maßnahmen zur Skalierung von Minderung und Anpassung  

Die COP30 bestätigte das im Baku-to-Belém-Fahrplan festgelegte Ziel, bis 2030 jährlich 1,3 Billionen US-Dollar für Klimafinanzierung bereitzustellen. Neue Zusagen der Vertragsstaaten blieben jedoch weitgehend aus.

Die Finanzierung für Anpassungsmaßnahmen soll sich bis 2035 verdreifachen, doch Ausgangswerte und konkrete Zusagen sind weiterhin unklar.

Die Lücke zwischen den formulierten Zielen und den verfügbaren öffentlichen Mitteln bleibt erheblich, nicht nur bei der Anpassung, sondern auch bei Klimaschutzmaßnahmen, insbesondere bei naturbasierten Lösungen, erneuerbaren Energien und Projekten zur Stärkung der Klimaresilienz.

Bedeutung für Unternehmen

Unternehmen haben die Möglichkeit, ihre Investitionen in Klimaschutz und Anpassung zu beschleunigen. Vorrangige Bereiche sind die Dekarbonisierung von Lieferketten, die Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme und klimaresiliente Infrastruktur.

Umsetzung von Artikel 6: Integrität und Infrastruktur

Die COP30 markierte den Übergang von der Regelentwicklung zur Umsetzung von Artikel 6.

Artikel 6.4 (Crediting-Mechanismus des Pariser Abkommens)

Das Aufsichtsgremium für Artikel 6.4 hat seit der COP29 wichtige Fortschritte bei Standards und Instrumenten erzielt: Die erste Methodologie wurde Anfang dieses Jahres verabschiedet, erneuerbare Energien sind in Vorbereitung (geplant für 2026), und naturbasierte Lösungen befinden sich in der Prüfung.

Übergang vom Clean Development Mechanism (CDM)

Die Frist für CDM-Projekte, in den Paris Agreement Crediting Mechanism (PACM) zu wechseln, endet am 30. Juni 2026. Das bedeutet, dass Liquidität und die Verfügbarkeit von Gutschriften im PACM früher einsetzen könnten.

Bedeutung für Unternehmen

CO2-Märkte unter Artikel 6 kommen nun spürbar voran und bieten einen Mechanismus mit hoher Integrität, den Unternehmen ergänzend zu Programmen im freiwilligen Markt nutzen können. Die freiwilligen Märkte und die Artikel-6-Märkte gleichen sich zunehmend an, mit gemeinsamen Prinzipien für Umweltintegrität, Transparenz und robuste MRV-Prozesse. Das erhöht das Vertrauen in die CO2-Märkte.

Politische Dynamik: Koalitionen treiben Standardisierung und Anerkennung voran

Auf der COP30 wurden drei wichtige Koalitionen ins Leben gerufen, die die Zukunft der CO₂-Märkte prägen werden.

Coalition to Grow Carbon Markets (Kenia, Singapur, Vereinigtes Königreich)

Eine staatlich geführte Initiative, die während der London Climate Action Week ins Leben gerufen und auf der COP30 formalisiert wurde, um die freiwillige Nachfrage nach hochwertigen CO2-Zertifikaten (Carbon Credits) zu stärken.

Die wichtigsten Punkte:

  • Co-Vorsitz durch Kenia, Singapur und das Vereinigte Königreich; Gründungsmitglieder sind unter anderem Frankreich und Panama, mit Unterstützung durch Peru.
  • Veröffentlichung gemeinsamer Prinzipien („Shared Principles“) für die Nutzung von Carbon Credits durch Unternehmen, um mehr Einheitlichkeit über verschiedene Rechtsräume hinweg zu schaffen.
  • Fokus auf Schwellen- und Entwicklungsländer (EMDEs), um Investitionen in erneuerbare Energien, Naturrestauration und nachhaltige Landwirtschaft zu lenken.
  • Ziel: Bis 2030 jährlich 50 Milliarden US-Dollar an privatem, schuldenfreiem Kapital für Klimaschutz zu beschaffen und dadurch zur Schließung der 1,3-Billionen-Finanzierungslücke beizutragen.

Warum das wichtig ist: Die Initiative reagiert auf die Forderung des Privatsektors nach mehr Klarheit bezüglich der Verwendung von Carbon Credits in dessen Dekarbonisierungsstrategien. Sie schafft einen Rahmen für freiwillige Märkte, damit diese sich an die Integritätsstandards von Artikel 6 anpassen können.

Coalition for Compliance Carbon Markets (18 Länder, darunter EU, China und Brasilien)

Die Open Coalition on Compliance Carbon Markets wurde von Brasilien während der COP30 ins Leben gerufen.

Die wichtigsten Punkte:

  • Unterstützt von 18 Ländern, darunter Brasilien, China, die EU, das Vereinigte Königreich, Deutschland und weitere.
  • Ziel ist es, CO₂-Märkte weltweit zu harmonisieren: durch gemeinsame Standards für MRV, Berichterstattung und die Integrität von Emissionsgutschriften.
  • Strebt die Verbindung verschiedener Compliance-Systeme an, um Liquidität, Vorhersagbarkeit und Transparenz zu verbessern
  • Versteht verpflichtende CO₂-Märkte (Compliance Carbon Markets) als zentral für die Umsetzung des Pariser Abkommens und für eine gerechte Transformation.

Warum das wichtig ist: Für Unternehmen, die in mehreren Rechtsräumen tätig sind, deutet diese Koalition darauf hin, dass verpflichtende CO₂-Märkte künftig besser miteinander kompatibel sein werden. Das verringert Fragmentierung und schafft mehr Sicherheit für Strategien im CO₂-Preismanagement.

Article 6 Ambition Alliance (unter Leitung der Schweiz)

Eine auf der COP30 ins Leben gerufene Koalition, die die Lücke zwischen den aktuellen NDCs und den Temperaturzielen des Pariser Abkommens verringern soll, durch Förderung der Zusammenarbeit unter Artikel 6 über die reine NDC-Erfüllung hinaus.

Die wichtigsten Punkte:

  • Mitglieder sind unter anderem die Schweiz, Deutschland, Luxemburg, Norwegen, Schweden sowie Gastländer wie Peru, Chile, Mongolei, Ghana und Sambia.
  • Fokus auf Other International Mitigation Purposes (OIMP): Finanzierung von Artikel-6-Aktivitäten, ohne dass diese auf nationale Klimaziele (NDCs) angerechnet werden.
  • Ermutigt Länder dazu, Projekte über ihre eigenen Zielvorgaben hinaus zu autorisieren und schafft damit zusätzliche Nachfrage nach ITMOs.

Warum das wichtig ist: Für Unternehmen eröffnen sich neue Möglichkeiten, sich an hochwertigen Klimaschutzaktivitäten jenseits regulatorischer Vorgaben zu beteiligen. Das deutet auf eine mögliche Verbindung zwischen verpflichtenden und freiwilligen Märkten hin.

Bedeutung für Unternehmen

Diese Initiativen beschleunigen die Annäherung zwischen verpflichtenden und freiwilligen Märkten, verringern Fragmentierung und schaffen mehr Möglichkeiten für Unternehmen, sich an hochwertigen Projekten zu beteiligen. Zudem ist mit einer stärkeren Ausrichtung der Standards im freiwilligen Markt an den Prinzipien von Artikel 6 zu rechnen.

Weitere Entwicklungen: ISO x GHG Protocol

Die Partnerschaft zwischen ISO und GHG Protocol wurde im September angekündigt, um Standards für die CO₂-Bilanzierung weltweit stärker zu harmonisieren. Im Umfeld der COP30 wurde die strategische Partnerschaft erneut hervorgehoben und unterstrich damit das gemeinsame Ziel, internationale Standards für künftige Klimaschutzmaßnahmen weiter anzugleichen.

Bedeutung für Unternehmen

Unternehmen erhalten damit mehr Klarheit über Standards der CO₂-Bilanzierung auf internationaler Ebene.