COP28: Fünf Key Takeaways für Unternehmen

21. Dezember 2023

By Felix Hill, ClimatePartner UK


Schon im Vorfeld war die diesjährige Klimakonferenz COP28, ausgerichtet von den Vereinigten Arabischen Emiraten, umstritten. Umweltschützer:innen äußerten sich besorgt über die Entscheidung, die Klimakonferenz in einem führenden Ölstaat abzuhalten und darüber, dass Adnoc-Chef Sultan Al Jaber zum Vorsitzenden des Gipfels bestimmt wurde.  

Vor diesem Hintergrund hat die Konferenz mit der Abkehr von fossilen Brennstoffen einen wichtigen Meilenstein im Kampf gegen die Klimakrise erreicht. Es bleibt allerdings weiterhin herausfordernd, die Staaten zu noch ehrgeizigeren Zielen im Klimaschutz zu bewegen und auf Zusagen konkrete Maßnahmen folgen zu lassen. 

In diesem Artikel erfahren Sie die wichtigsten Ergebnisse der COP28, was sie für Unternehmen bedeuten und welche Schritte Unternehmen im Klimaschutz unternehmen können. 

1. COP28 markiert den Anfang vom Ende fossiler Brennstoffe 

Alle Länder haben sich darauf geeinigt, auf fossile Brennstoffe in ihren Energiesystemen zu verzichten, um bis 2050 eine Netto-Null-Energieversorgung zu erreichen. Ergänzend dazu wurde die weltweite Umstellung auf erneuerbare Energien durch die Zusage, die kohlenstofffreie Energiekapazität bis 2030 zu verdreifachen, weiter verstärkt.  

Diese Zusage, kombiniert mit einer Verdoppelung der Energieeffizienz und Reduktion von Methanemissionen bis 2030, würde laut der International Energy Agency 80 Prozent der Emissionssenkungen ausmachen, die wir brauchen, um das Ziel des Pariser Abkommens zu erreichen.  

Unternehmen können dabei eine entscheidende Rolle übernehmen. Durch den Einkauf erneuerbarer Energie tragen sie zur globalen Emissionsreduktion bei und neutralisieren gleichzeitig ihre Scope-2-Emissionen. Aktuell haben sich jedoch nur 10 Prozent der im Carbon Disclosure Project (CDP) erfassten Unternehmen Ziele für die Nutzung erneuerbarer Energien gesetzt. Das zeigt, dass Unternehmen hierbei noch deutlich ambitionierter werden können.  

2. Der Voluntary Carbon Market (VCM) wird eine zentrale Rolle bei der Finanzierung von Klimaschutzlösungen spielen 

Nach einem turbulenten Jahr erhielt der Voluntary Carbon Market (VCM) wichtige politische Unterstützung durch John Kerry, Sondergesandter des US-Präsidenten für das Klima, und Ministern aus Singapur, Großbritannien, Indonesien und Ghana. Zusätzlich haben einige EU-Mitglieder ein Integritäts-Rahmenwerk vorgeschlagen, um den VCM zu stärken. Die Frage, wie dieses Rahmenwerk im Kontext ähnlicher, bereits bestehender Mechanismen wie dem ICVCM und VCMI umgesetzt werden soll, bleibt offen, aber die Rolle des VCM für die Finanzierung globaler Klimaschutzlösungen wurde allgemein anerkannt. 

Noch bleiben Fragen bezüglich Artikel 6 und dem Zusammenspiel zwischen dem freiwilligen und dem verpflichtenden Co2-Markt offen. Auch wenn diese erst wieder auf der COP29 diskutiert werden, ist die freiwillige Finanzierung von Klimaschutzprojekten bereits jetzt wichtig. Das funktioniert zum Beispiel mit Waldschutz auf Länderebene durch REDD+ oder der Skalierung wichtiger Abbautechnologien wie Biokohle. Unternehmen können schon jetzt dazu beitragen, während gleichzeitig die Integrität des Markts verbessert wird. 

3. Wir müssen Methan-Emissionen dringend reduzieren 

Methan hat ein 28-mal höheres Erderwärmungspotenzial als Kohlendioxid. Deswegen haben sich die Länder auf der COP26 verpflichtet, die Emissionen bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren, um die globale Erwärmung bis 2050 um mindestens 0,2°C zu reduzieren. Mit welchen Maßnahmen das gelingen soll, ist noch nicht final beschlossen. So hat beispielsweise China weiterhin keine Ziele und Fristen für die Emissionsreduktion genannt.  

Erfreulicherweise hat aber der Privatsektor auf der COP28 einige Fortschritte hierbei erzielt. Fünfzig große Öl- und Gasunternehmen haben sich verpflichtet, ihre Methanemissionen bis 2050 gleich Null zu setzen, und sechs der weltweit größten Molkereikonzerne haben einen Pakt mit dem Environmental Defence Fund unterzeichnet. Damit machen sie die Emissionen ihrer Lieferkette transparent und verpflichten sich zu Maßnahmen im Klimaschutz. 

Unternehmen aus den betroffenen Sektoren können darauf aufbauen und der Methanvermeidung in ihrer Lieferkette Priorität einräumen, mit Fokus auf landwirtschaftlichen Rohstoffen. Wenn eine Vermeidung nicht möglich ist, können Unternehmen beispielsweise in alternative Rohstoffe investieren, um Emissionen zu reduzieren, und die globale Methanreduktion außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette mit der Finanzierung von biobasierten Klimaschutzprojekten fördern. 

4. Die Finanzierung für die Anpassung an Klimaschäden ist unzureichend  

Zu Beginn der COP28 haben sich die Länder auf den sogenannten „Loss and Damage Fund“ geeinigt. Er soll es den Industrieländern erleichtern, weniger entwickelten Ländern Mittel zur Verfügung zu stellen, um die Folgen des Klimawandels zu mindern und sich an die bereits spürbaren Auswirkungen anzupassen. Auch wenn die Staatengemeinschaft Differenzen über die Ansiedlung des Fonds bei der Weltbank überwunden hat, sind die Mittel für den Fonds allerdings nach wie vor unzureichend. Klimaschutz und die Anpassung an die Folgen des Klimawandels sind untrennbar miteinander verbunden. Denn Fortschritte im Klimaschutz führen dazu, dass weniger Mittel für die Anpassung an den Klimawandel benötigt werden. Die COP28 hat jedoch erneut gezeigt, dass die Staaten die gegenseitige Abhängigkeit der beiden Bereiche noch nicht vollständig anerkannt haben. 

Die Anpassung an den Klimawandel und deren Finanzierung mag auf den ersten Blick außerhalb der Reichweite von Unternehmen liegen. Doch Unternehmen mit globalen Lieferketten in gefährdeten Ländern können konkrete Schritte unternehmen, um deren Widerstandsfähigkeit zu erhöhen. Dazu gehört zum Beispiel die Förderung von regenerativer Landwirtschaft, um Ernten zu schützen, Emissionen zu reduzieren und die Biodiversität zu erhalten. Mit der Finanzierung von Klimaschutzprojekten tragen Unternehmen nicht nur zum Klimaschutz bei, sondern schaffen auch Vorteile für die Menschen vor Ort. Ein Beispiel für ein solches Klimaschutzprojekt stellt Mangrovenwälder in Pakistan wieder her, schafft zusätzlich sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze und schützt die Gemeinden vor dem Anstieg des Meeresspiegels. 

5. Der Lebensmittelsektor wird endlich auf höchster Ebene anerkannt 

Der Lebensmittelsektor ist schätzungsweise für 21 bis 37 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, wurde aber lange Zeit in der globalen Umweltpolitik und auf Klimagipfeln vernachlässigt. Die COP28 brachte die längst überfällige Aufmerksamkeit auf die Bedeutung von Ernährung, Landwirtschaft und Wasser beim Klimaschutz. In der Erklärung verpflichteten sich 150 Staaten, den Lebensmittelsektor in ihre Klimaschutz- und Anpassungspläne zu integrieren. Die bilateralen politischen Vereinbarungen für die benötigte Transformation des Lebensmittelsektors erzielten jedoch nur geringe Fortschritte. 

Verschiedene technische Leitlinien helfen Unternehmen dabei, den Lebensmittelsektor zu dekarbonisieren und zu Geschäftsmodellen im Einklang mit unseren Ökosystemen überzugehen. Der FLAG-Leitfaden (Forstwirtschaft, Landnutzung, Landwirtschaft) der SBTi bietet Unternehmen ein Net-Zero-Rahmenwerk für die Dekarbonisierung des Lebensmittelsektors auf einem 1,5-Grad-kompatiblen Pfad. Das Rahmenwerk der TNFD (Taskforce for Nature-related Financial Disclosures) ermöglicht Unternehmen, die Ziele des Kunming-Montreal-Rahmens 2022 zu erreichen. Dieser zielt auf die Wiederherstellung von 30 Prozent der geschädigten Ökosysteme bis 2030 ab. 

Langsam, aber sicher 

Dass auf der COP28, die von einem Ölstaat inmitten weltweiter wirtschaftlicher Turbulenzen ausgerichtet wurde, fossile Brennstoffe zum ersten Mal explizit in einem Abschlussdokument erwähnt wurden, ist ein wichtiges Zeichen für den Klimaschutz. 

Die große Frage ist nun, wie schnell uns die Abkehr davon gelingt. 

Unternehmen haben die Möglichkeit, zu dieser Transformation beizutragen und sie zu beschleunigen. So leisten sie ihren Beitrag im Kampf gegen die Klimakrise. 

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