Was Klimaschutzprojekte wirklich sind und was ClimatePartner dazu beiträgt

7. August 2017

Was Klimaschutzprojekte wirklich sind und was ClimatePartner dazu beiträgt.

Eine Einordnung.
 

In den letzten Jahren wurde ein eindeutiger Trend sichtbar: Klimaschutz wird für Unternehmen zunehmend wichtig. Die Anzahl der Unternehmen und Branchen, die sich ernsthaft mit der Herausforderung eines klimafreundlichen Wirtschaftens auseinandersetzen, wächst stetig. Klimaneutrale Produkte und Dienstleistungen etablieren sich Schritt für Schritt im Markt. Alles in allem eine positive Entwicklung, die sich mit unseren globalen Klimaschutzzielen deckt.

Dennoch gibt es nach wie vor hartnäckige Vorurteile gegen freiwilligen Klimaschutz. Oft steht dabei auch der Mechanismus der Klimaneutralität – also der Ausgleich nicht vermeidbarer CO2-Emissionen durch Klimaschutzprojekte – am Pranger. Klimaneutralität, so heißt es häufig, sei nichts anderes als ein „Freikaufen“ von eigenen Verpflichtungen – eine Art moderner „Ablasshandel“. Oder ein bloßes „Greenwashing“, gesteuert von skrupellosen Marketingabteilungen, um das eigene Image kostengünstig aufzupolieren.

In den meisten Fällen steht hinter dieser Ansicht keine fundierte Kritik an der Funktionsweise von Klimaschutzprojekten, sondern viel häufiger das Unwissen über den Mechanismus der Klimaneutralität und deren Bedeutung für das Erreichen unserer Klimaziele. Wir möchten dies als Aufhänger nehmen, um den Mechanismus der Klimaneutralität und die Projekte, mit denen dies erreicht wird, umfassend darzustellen. Was bedeutet klimaneutral und wie kann dies erreicht werden? Was ist der Unterschied zum Emissionshandel? Und wie kann durch Klimaschutzprojekte lokale Entwicklung gefördert werden? Und: was ist der Beitrag von ClimatePartner in diesem ganzen Themenkomplex?

Zählt nur CO2-Reduktion vor Ort?

Damit wir unsere Klimaziele erreichen, ist es wichtig, dass weltweit der Ausstoß an Treibhausgasen drastisch sinkt. Die Ziele des Pariser Abkommens sind ehrgeizig gesetzt: Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 2 °C (besser noch auf 1,5 °C) und eine klimaneutrale Weltwirtschaft bis 2050.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich die beteiligten Staaten im Pariser Abkommen dazu verpflichtet, regelmäßig nationale Reduktionspläne zu übermitteln. Das Problem dabei ist, dass die Technologien, die für eine ausreichende CO2-Reduktion notwendig wären, heute noch nicht bekannt sind. Nach den aktuell übermittelten Reduktionsplänen der Länder würden wir daher noch weit über einer globalen Erwärmung von 4 °C landen – mit verheerenden Folgen für die Lebensqualität auf unserem Planeten. Doch selbst wenn die notwendigen Technologien heute schon vorhanden wären, würden die verbleibenden 33 Jahre wohl kaum ausreichen, um jedes fossile Kraftwerk und jede Produktionsanlage der Welt auf CO2-freie Alternativen umzustellen. Und manche Prozesse – zum Beispiel im Chemiesektor – werden auch in Zukunft nicht ohne den Ausstoß von Treibhausgasen ablaufen können.

CO2-Reduktion alleine reicht also bei weitem nicht. Vielmehr ist ein massiver Ausbau von Projekten zur zusätzlichen Reduktion von Treibhausgasen notwendig, also von sogenannten Klimaschutzprojekten. Dies können etwa klassische Aufforstungs- oder Waldschutzprojekte sein, bei denen die Schaffung zusätzlicher oder die Erhaltung bestehender Waldflächen zur Senkung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre beiträgt. Oder es können Projekte sein, die die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen konkret und messbar reduzieren – etwa indem sie die Umstellung auf Biomasse fördern. Dadurch stoßen viele Klimaschutzprojekte weltweit zusätzliche Innovationen an und sorgen für eine schnellere Verbreitung von Technologien zur CO2-Reduktion. Für das Weltklima ist es übrigens unerheblich, wo eine Tonne CO2 eingespart wird: Der positive Effekt auf das Weltklima ist immer der gleiche.

Klimaneutral ist nicht CO2-frei

Dies bringt uns zu den Begrifflichkeiten CO2-frei und klimaneutral, die in der Diskussion teilweise immer wieder verwechselt werden. Beides sind jedoch unterschiedliche Aspekte des Klimaschutzes. Ist ein Produkt oder eine Dienstleistung CO2-frei, so bedeutet dies, dass bei der Herstellung bzw. Bereitstellung keinerlei CO2-Emissionen angefallen sind – und zwar in der gesamten Lieferkette, einschließlich Rohstoffen, Logistik und Verpackung. Klimaneutral hingegen bedeutet, dass die CO2-Emissionen eines Produktes nach gängigen Standards berechnet und im zweiten Schritt durch ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt ausgeglichen wurden. CO2-freie Produkte gibt es praktisch nicht. Klimaneutral kann hingegen nach dieser Definition jedes Produkt sein.

Ein klimaneutrales Produkt hat dann die größte Glaubwürdigkeit, wenn neben dem CO2-Ausgleich auch eine glaubwürdige CO2-Vermeidungs- und Reduktionsstrategie vorhanden ist. Ein Beispiel ist der Stempel Printy von Trodat, bei dem im Vergleich zu vorher mehr als die Hälfte der CO2-Emissionen eingespart wurde [Siehe dieses Video].

Jedoch ist in vielen Fällen das Potenzial für CO2-Reduktionen – zumindest kurzfristig – begrenzt. Eine Spedition kann beispielsweise nicht von heute auf morgen ihre gesamte LKW-Flotte austauschen, wohl aber durch Fahrertrainings und eine optimierte Auslastung die CO2-Emissionen je Tonnenkilometer Schritt für Schritt optimieren. Dennoch sollte das Unternehmen heute schon mit dem CO2-Ausgleich beginnen und möglichst sofort klimaneutral werden.

Wichtig für eine glaubwürdige Klimaneutralität ist letztlich auch ein glaubwürdiger Nachweis für Konsumenten. Klimaneutralität muss durch ein anerkanntes Label nachgewiesen werden. ClimatePartner hat daher bereits vor Jahren eine eigene Labelling- und Nachweissystematik entwickelt, die Unternehmen einfach nutzen können und mit der sie nach außen transparent ihre eigene Klimaneutralität kommunizieren können. Für jeden CO2-Ausgleich wird dabei eine ID-Nummer vergeben, über die der CO2-Ausgleich online auffindbar ist und nachvollzogen werden kann. Dahinter steht die Garantie, dass die entsprechenden CO2-Emissionen von ClimatePartner auch tatsächlich ausgeglichen wurden.

Klimaschutzprojekte ermöglichen Klimaneutralität

Die Auswahl eines passenden Klimaschutzprojektes ist dabei ein zentraler Aspekt. Daher ist es wichtig zu verstehen, was sich hinter diesem Begriff konkret verbirgt, denn nicht jede Umweltschutzmaßnahme ist gleichzeitig ein Klimaschutzprojekt im Sinne des Kyoto Protokolls. Vielmehr beschreibt der Begriff Klimaschutzprojekt – auf Englisch carbon offset project – einen eng umrissenen Bereich an möglichen Projekten, die klare Kriterien und Anforderungen erfüllen müssen.

Um die Einhaltung der Kriterien nachzuweisen, werden die Projekte nach strengen Kriterien zertifiziert und geprüft, zum Beispiel nach dem sogenannten „Gold Standard“ oder dem „Verified Carbon Standard“ (VCS). Dadurch wird die Klimaschutzwirkung der Projekte sichergestellt und regelmäßig bestätigt. Eine der wichtigsten Anforderung ist, dass die Projekte tatsächlich zusätzliche Klimaschutzmaßnahmen sind und dass der Beitrag zur CO2-Reduktion in der Atmosphäre klar messbar ist.

Diesen Mechanismus kann man am Beispiel des heimischen Waldes gut erläutern. In Deutschland existieren etwa 11,4 Millionen Hektar Wald – das entspricht etwa einem Drittel der Gesamtfläche der Bundesrepublik. Natürlich entfaltet dieser Wald fortlaufend eine Klimaschutzwirkung, allerdings ist diese nicht zusätzlich, da die Waldflächen ja bereits seit vielen hundert Jahren existieren (und zudem in den letzten Jahrhunderten stark abgenommen haben). Erst eine zusätzliche Aufforstung von Waldflächen kann – sofern eine Reihe weiterer Voraussetzungen erfüllt sind – die Bedingungen eines Klimaschutzprojektes erfüllen. Auch die Erhaltung von Waldflächen kann unter bestimmten Umständen die Kriterien für ein Klimaschutzprojekt erfüllen, etwa wenn Waldflächen durch illegale Rodung akut bedroht sind.

Neben dem Nachweis der Zusätzlichkeit wird durch die jeweiligen Projektstandards auch die Finanzierung von Klimaschutzprojekten geregelt, die sich deutlich von der Funktionsweise klassischer Spenden unterscheidet. Die Finanzierung von Klimaschutzprojekten erfolgt fast immer retrospektiv. Man fördert also Projekte, die bereits realisiert wurden, und kauft eine CO2-Einsparung, die bereits stattgefunden hat. Dabei ist es für die Anerkennung als Klimaschutzprojekt essenziell, dass die Projekte auf die zusätzlichen Einnahmen durch den Verkauf der eingesparten CO2-Menge angewiesen sind, denn ansonsten könnte man das Projekt auch so umsetzen und das Kriterium der Zusätzlichkeit – wie oben dargestellt – wäre nicht erfüllt. Bis die CO2-Menge eines Projektes vollständig verkauft wurde, übernehmen Finanzinstitute oder Investoren die Zwischenfinanzierung der Projekte.

Jede Tonne CO2, die Unternehmen mit zertifizierten Klimaschutzprojekten ausgleichen, wurde also bereits in der Vergangenheit reduziert. Dies stellt die einzige Möglichkeit dar, um sicherzustellen, dass nicht Geld für Projekte eingesammelt wird, die dann aufgrund eines unzureichenden Volumens nie realisiert werden können. Gleichzeitig können Unternehmen sicher sein, dass sie einen direkten Beitrag zum Klimaschutz leisten, denn keines der zahlreichen Klimaschutzprojekte, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind, hätte je realisiert werden können, wenn nicht Unternehmen oder Privatpersonen die eingesparten CO2-Mengen gekauft und für ihren eigenen CO2-Ausgleich verwendet hätten.

Klimaschutzprojekte fördern Innovation und Entwicklung

Neben der klimafreundlichen Wirkung von Projekten ist ein weiterer Aspekt wichtig: der Effekt, den ein Projekt vor Ort entfaltet. Annähernd alle Klimaschutzprojekte haben massive positive Effekte auf die lokale Entwicklung. Nicht umsonst wird im Kyoto Protokoll auch der Begriff Clean Development Mechanism verwendet.

Einen weltweit anerkannten Maßstab, um diese positiven Effekte zu messen, bieten die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Diese 17 Ziele umfassen etwa die Bekämpfung von Armut und Hunger, die Förderung von Bildung oder die weltweite Verbreitung sauberer und erschwinglicher Energie. Jedes Klimaschutzprojekt trägt zu mehreren dieser Ziele bei. Um diesen Effekt sichtbar zu machen, weist ClimatePartner den Beitrag einzelner Projekte zu den verschiedenen SDGs bei jedem Projekt aus. Unternehmen können sich damit entscheiden, welche Ziele sie neben dem Klimaschutz noch zusätzlich unterstützen möchten. Bei manchen Projekten ist der Zusatzbeitrag so groß, dass sie im Kern eigentlich Entwicklungsprojekte mit Klimaschutzwirkung sind – und nicht umgekehrt.

ClimatePartner arbeitet sehr eng mit Projektentwicklern zusammen, um hochwertige und innovative Klimaschutzprojekte entstehen zu lassen oder deren Fortbestand zu sichern. Eines unserer Projekte fördert beispielsweise den Einsatz moderner, mit Biogas betriebener Gaskocher in Indien statt der aktuell verbreiteten Holzöfen. Das reduziert CO2-Emissionen, trägt aber darüber hinaus auch erheblich zur Gesundheitsverbesserung der Menschen bei, die ansonsten pro Tag viele Stunden gesundheitsschädlichem Rauch und Ruß ausgesetzt sind.

Einen Schritt weiter gehen wir noch mit den neuen Fairtrade Carbon Credits, die ausgewählten Unternehmen aus dem Fairtrade Verbund zur Verfügung stehen. Hier erhalten die Projektpartner vor Ort noch eine Zusatzprämie, die Kleinbauern eine Anpassung an den Klimawandel ermöglicht – beispielsweise durch eine Diversifizierung der angebauten Nutzpflanzen sowie die Umstellung auf Sorten, die widerstandsfähiger gehen klimatische Schwankungen sind. Dadurch werden die positiven Effekte von Klimaschutzprojekten auch langfristig sichergestellt.

Die meisten Klimaschutzprojekte sind in Entwicklungs- und Schwellenländern angesiedelt und nicht vor Ort in Deutschland oder anderen Industrieländern. Viele CSR-Verantwortliche haben allerdings eine gewisse Affinität zu Projekten in der eigenen Region, da man sich davon eine größere Sichtbarkeit und einen direkteren Bezug zur eigenen Unternehmenstätigkeit verspricht. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Allerdings sollte Regionalität gerade beim Thema Klimaschutz nie das erste Kriterium sein, denn schließlich ist der Klimawandel ein globales Problem, dem nur durch globale Lösungsansätze adäquat begegnet werden kann. Zudem möchte man durch den Clean Development Mechanism ja genau jene Regionen fördern, in denen aktuell noch wenig bis kein Klimaschutz stattfindet – und wo meist auch die Auswirkungen des Klimawandels am dramatischsten sind. Um beide Ansätze – regionaler und globaler Klimaschutz – zu vereinen, bietet ClimatePartner daher auch vorgefertigte Projekt-Bundels, bei denen regionale und internationale Projekte entsprechend kombiniert werden.

Climate action as a Service

Alles in allem verbirgt sich hinter dem Begriff Klimaneutralität also ein voraussetzungsvoller Prozess, der mit der Initiierung, Planung, Zertifizierung und Aufbereitung passender Projekte beginnt und mit der Stilllegung der CO2-Emissionen und dem transparenten Nachweis nach außen endet. Klimaneutralität ist daher für Unternehmen viel mehr als der bloße Ausgleich von CO2-Emissionen. Es ist eine komplexe Dienstleistung, die Unternehmen entweder selbst erbringen oder auslagern können.

Alles in Eigenregie umzusetzen ergibt jedoch selbst für Großkonzerne nur in den seltensten Fällen Sinn. Die Initiierung von Klimaschutzprojekten ist mit hohen initialen Kosten und einem langwierigen Zertifizierungsprozess verbunden und nur oberhalb bestimmter Mindestmengen überhaupt sinnvoll. Selbst unter guten Voraussetzungen ist mit einem Vorlauf von mehreren Jahren zu rechnen, bis ein Projekt abschließend zertifiziert ist und für den Ausgleich der eigenen CO2-Emissionen verwendet werden kann.

In fast allen Fällen ist es daher sinnvoller, diese Dienstleistung als externen Service einzukaufen. Darauf hat sich ClimatePartner spezialisiert: Über Jahre haben wir intensive Beziehungen mit Projektentwicklern in allen Teilen der Welt aufgebaut und waren bei vielen Projekten bereits in der Planungsphase involviert. Unser Portfolio an Klimaschutzprojekten spiegelt diese Vielfalt wider: Durch eine breite Palette an Regionen, Technologien und Projektstandards haben wir für viele Unternehmen bereits eine fertige Lösung für den CO2-Ausgleich vorliegen. Wo dies nicht der Fall ist, können wir Projekte für Unternehmen nach eigenen Kriterien individuell beschaffen oder entwickeln. Auch um die Stilllegung der Zertifikate und die Kommunikation der Klimaneutralität müssen sich unsere Kunden nicht kümmern, denn auch dies ist Teil der Dienstleistung, die wir für unsere Kunden erbringen. Climate action as a service eben.

Eine Analyse von Dr. Christian Reisinger