Climate Action Insights: Ist Ihr Unternehmen fit für die CSRD?

27. Januar 2022

Was ist die CSRD und inwiefern ist sie für Ihr Unternehmen relevant?

Mit der neuen EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD) wird die CO2-Bilanzierung zu einem wesentlichen Berichtselement. Nicht nur die Anzahl der dazu verpflichteten Unternehmen nimmt zu, sondern auch der Umfang der geforderten Informationen. In diesem Climate Action Insights-Artikel erklären wir, was Unternehmen ab 2023 bei ihren Geschäftsberichten und Unternehmenstätigkeiten beachten müssen.
 

Von Björn Bröskamp und Sibylle Simon

Die Corporate Sustainability Reporting Directive, kurz CSRD, ist die neue EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung, die die bisher geltende Richtlinie zur nichtfinanziellen Berichterstattung (Non-Financial Reporting Directive, NFRD) ersetzen soll. Sie wurde im vergangenen Jahr von der EU-Kommission vorgeschlagen und wird voraussichtlich ab dem Geschäftsjahr mit Beginn am 1. Januar 2023 gelten. 

Ziel der geplanten Richtlinie ist es, die Transparenz in puncto Nachhaltigkeit deutlich zu erhöhen. Damit treten ausführlichere Berichtsanforderungen in Kraft, sodass Unternehmen die CSRD als essentielles Element in ihren Geschäftsberichten und bei Geschäftstätigkeiten berücksichtigen müssen: Die neuen Regeln sind strenger und haben einen größeren Anwendungsbereich, sodass künftig viermal mehr Unternehmen innerhalb der EU davon betroffen sein werden als von der bisher geltenden NFRD. Zählt Ihr Unternehmen zu jenen,  die künftig unter diese Berichtspflicht fallen?

Welche Unternehmen müssen sich auf die CSRD vorbereiten?

Aufgrund des erweiterten Anwendungsbereichs der neuen Richtlinie wird die Pflicht zur nichtfinanziellen Berichterstattung von derzeit rund 11.600 Unternehmen auf knapp 50.000 Unternehmen ausgeweitet – davon sind allein 15.000 Unternehmen in Deutschland. Die Berichtspflicht gilt für Unternehmen, die mindestens zwei der folgenden drei Merkmale erfüllen:

CSRD Anforderungen

Berichtspflichtig sind jedoch nicht nur Unternehmen mit Sitz in der EU. Die CSRD gilt auch für Unternehmen aus Nicht-EU-Staaten mit Tochterunternehmen in der EU sowie für nicht in der EU niedergelassene Unternehmen, die an regulierten Märkten innerhalb der EU notiert sind. Somit deckt die Richtlinie alle relevanten Geschäftstätigkeiten ab, die innerhalb der Europäischen Union stattfinden.

Die geplante CSRD sieht keine neuen Anforderungen für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) vor, außer sie sind kapitalorientiert. Für diese will die Kommission eigene Standards der Nachhaltigkeitsberichterstattung einführen, und auch die Berichtspflicht greift für sie erst drei Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie (d. h. ab 1. Januar 2026). Mit dieser Übergangsphase will die EU-Kommission den begrenzten Kapazitäten und Ressourcen der betroffenen Unternehmen Rechnung tragen und diesen ausreichend Zeit einräumen, um sich auf die erstmalige Anwendung der neuen Regeln vorzubereiten.

So werden Nachhaltigkeitsinformationen veröffentlicht

Mit Inkrafttreten der CSRD wird die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu einem verpflichtenden Bestandteil von Geschäftsberichten. Damit fällt die Option zur Veröffentlichung eines separaten Nachhaltigkeitsberichts, wie sie die derzeit noch geltende NFRD erlaubt, weg. Das bedeutet: Nachhaltigkeit wird fortan als strategisches Element der Geschäftstätigkeiten eines Unternehmens gewertet. Dieser Ansatz ist mehr als begrüßenswert, da alle Nachhaltigkeitsthemen dadurch dieselbe Plattform bekommen wie die finanzielle Berichterstattung und Nachhaltigkeitskennzahlen nicht mehr als zweitrangig behandelt werden. 

Alle relevanten Unternehmensinformationen einschließlich der Angaben zu Nachhaltigkeitstätigkeiten müssen dann als Teil des Geschäftsberichts offengelegt und in einem digitalen, maschinenlesbaren Format veröffentlicht und zugänglich gemacht werden. 

Die CSRD-Berichtspflichten gelten für alle Unternehmen, die die oben genannten Kriterien erfüllen. Ein Unternehmen ist nur dann von seiner Berichtspflicht befreit, wenn es Teil eines Mutterkonzerns ist und stattdessen auf den Konzernbericht verweisen kann, sofern dieser die europäischen Berichtsanforderungen erfüllt. In diesem Fall ist das befreite Tochterunternehmen verpflichtet, den konsolidierten Jahresbericht des Mutterkonzerns zu veröffentlichen. Zudem muss es in seinem eigenen Lagebericht ausdrücklich darauf hinweisen, dass es von den Berichtspflichten der neuen Richtlinie befreit ist. Für alle berichtspflichtigen Unternehmen ist zudem eine externe Prüfung zur Erlangung einer begrenzten Sicherheit vorgeschrieben.

Diese Informationen müssen offengelegt werden

Die aktuelle Fassung der CSRD enthält lediglich eine Übersicht über die vorgeschriebenen Berichtsinhalte. Eine ausführliche Version der geplanten Berichtsstandards wird derzeit von der European Financial Reporting Advisory Group (EFRAG) ausgearbeitet. Ziel ist die Berücksichtigung internationaler Berichtsstandards und bestehender Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung wie die der Global Reporting Initiative (GRI), des Sustainability Accounting Standards Board (SASB), des Carbon Disclosure Project (CDP) und verschiedener anderer. Manche davon nehmen auch Bezug auf das Greenhouse Gas Protocol. Die EFRAG plant, die Berichtsstandards im Oktober 2022 zu veröffentlichen und mit anderen derzeit ausgearbeiteten Offenlegungsverordnungen wie der EU-Taxonomie in Einklang zu bringen.

Der neue Richtlinienvorschlag der EU-Kommission sieht vor, dass die folgenden ESG-Aspekte bei der Ausarbeitung der Berichtsstandards berücksichtigt werden sollen:

Tabelle - ESG Faktoren

Auch wenn die genannten Aspekte ein eher breites Spektrum an allgemeinen Themen der Nachhaltigkeitsberichterstattung abdecken, ist auf Grundlage des veröffentlichten Arbeitspapiers „Climate Standard Prototype“ davon auszugehen, dass die CO2-Bilanzierung ein Schwerpunkt bei den Angaben zum Klimaschutz sein wird. Der vorgeschriebene Detaillierungsgrad und die Kennzahlen zu diesen Themen werden derzeit im Rahmen der Berichtsregeln ausgearbeitet.

Eine weitere Anforderung der CSRD ist der Grundsatz der doppelten Wesentlichkeit. Dieser sieht vor, dass Unternehmen aus zwei verschiedenen Perspektiven berichten: So muss zum einen offengelegt werden, welche Auswirkungen die einzelnen Nachhaltigkeitsaspekte auf das Unternehmen haben (Outside-In-Perspektive), zum anderen aber auch, welche Auswirkungen die Geschäftstätigkeiten des Unternehmens auf Menschen, Stakeholder und die Umwelt haben (Inside-Out-Perspektive). Damit fällt auch die Erklärungsoption des „Comply or explain“-Ansatzes der bislang geltenden NFRD – nach dem Unternehmen erklären können, sofern relevante Policies nicht vorhanden sind – weg. 

Ausblick

Zum jetzigen Stand (Anfang 2022) ist die CSRD nur ein Vorschlag. Die Richtlinie ist bislang weder von der EU-Kommission bewilligt noch in die nationale Rechtsprechung der EU-Mitgliedstaaten überführt worden. Laut EU-Zeitrahmen ist dies bis Dezember 2022 geplant. Auch die entsprechenden Berichtsstandards existieren noch nicht und sollen voraussichtlich im Oktober 2022 verabschiedet werden. Dementsprechend gelten die neuen Pflichten erst ab dem Geschäftsjahr 2023, sodass der erste regelkonforme Bericht gemäß der neuen Richtlinie im Jahr 2024 veröffentlicht werden muss. 

Der Ausblick ist jedoch klar: Klimaschutz und eine transparente Berichterstattung über entsprechende Maßnahmen werden für Unternehmen verpflichtend. Zudem wird die neue Richtlinie den Klimaschutz voranbringen, Vertrauen fördern und einen positiven Anreiz für alle Unternehmen schaffen, die Verantwortung übernehmen möchten. Als eine von mehreren gesetzgebenden Initiativen sorgt die CSRD sowohl für mehr Klarheit als auch für mehr Anerkennung des Engagements von Unternehmen für den Klimaschutz. 

ClimatePartner unterstützt Sie bei der Einhaltung der CSRD

Berichtspflichtige Unternehmen können sich bei der Einhaltung der neuen Berichtsanforderungen von externen Experten wie ClimatePartner unterstützen lassen. Da die CO2-Bilanzierung sehr wahrscheinlich ein Schwerpunkt der künftigen Berichterstattung sein wird, ist ClimatePartner mit seiner Expertise optimal aufgestellt. Die verschiedenen Berechnungen der CO2-Bilanz von Unternehmen, Produkten und Dienstleistungen sowie die entsprechenden Berichte können für die regelkonforme Berichterstattung genutzt werden. Zudem unterstützen wir unsere Kunden bei der Festlegung klarer Klimaschutzstrategien und deren Ausrichtung an den Vorgaben der Science Based Target Initiative (SBTi) und mittelfristig an einer Net-Zero-Strategie. Solche in Zusammenarbeit mit unseren Consulting-Teams entwickelten Strategien können ebenfalls in regelkonforme Nachhaltigkeitsberichte integriert werden. Schließlich gehen wir davon aus, dass auch die sozialen Auswirkungen unserer Klimaschutzprojekte für die Berichterstattung gemäß CSRD genutzt werden können.