Leitfaden: Was sind Scope 1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen?

19. Mai 2022

Leitfaden: Was sind Scope 1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen?

Die Grundlage für eine effiziente Klimaschutzstrategie ist die präzise Berechnung der eigenen CO2-Emissionen und ein genaues Verständnis der verschiedenen Emissionsquellen. Denn das, was Sie nicht erfassen, lokalisieren und messen können, werden Sie auch nicht lenken können. Dies kann für Unternehmen zwar sehr herausfordernd sein, ist aber ein entscheidender Schritt, um Klimaschutzziele zu setzen, zu erreichen und den eigenen Beitrag zum Klimawandel zu mindern. Dieser Leitfaden erläutert, wie Sie die wesentlichen Emissionsquellen Ihres Unternehmens identifizieren und in Scope 1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen kategorisieren.

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des ausführlichen Leitfadens zur Senkung der Scope 1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen.

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Die internationale Gemeinschaft hat längst erkannt, dass die Treibhausgas-Emissionen weltweit reduziert werden müssen, um die Erderwärmung zu stoppen. Mit dem Kyoto-Protokoll von 1997 einigten sich die Staaten erstmals in der Geschichte auf verbindliche Ziele und Maßnahmen zum Kampf gegen den Klimawandel. Dieses Übereinkommen bildete die Basis für das Greenhouse Gas (GHG) Protokoll.

Was ist das Greenhouse Gas (GHG) Protokoll?

Das GHG-Protokoll wurde 1998 auf eine gemeinsame Initiative des World Resources Institute und des World Business Council  for Sustainble Development  aus der Notwendigkeit heraus hin gegründet, einen einheitlichen Rahmen für die Berechnung von Treibhausgasen zu schaffen. Das GHG Protokoll beinhaltet eine globale Standardreihe für die Erfassung und Verwaltung von Treibhausgas-Emissionen für Unternehmen und den öffentlichen Bereich. Darüber hinaus umfasst es Richtlinien und Vorgaben, die es Unternehmen ermöglichen, eine Bestandsaufnahme ihrer Treibhausgas-Emissionen vorzunehmen und dabei auch den sogenannten Corporate Carbon Footprint zu berechnen.

Der Corporate Carbon Footprint (CCF) beschreibt die Gesamtmenge an Treibhausgas-Emissionen (einschließlich der CO2-Emissionen), die direkt oder indirekt durch die Geschäftstätigkeit Ihres Unternehmens entstehen. Der CCF verschafft Ihnen einen Überblick darüber, wo genau innerhalb Ihrer betrieblichen Prozesse und Wertschöpfungskette Treibhausgas-Emissionen entstehen und wie hoch diese sind. Somit sammeln Sie Daten, anhand derer Sie sich Reduktionsziele setzen können. Denn diese drastisch zu mindern, ist ein entscheidender Schritt im ganzheitlichen Klimaschutz. Doch warum ist es so wichtig, dass Ihr Unternehmen die eigenen Treibhausgas-Emissionen reduziert und langfristig komplett vermeidet?

Um zu verstehen, warum die Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen ein grundlegender Bestandteil einer wirksamen Klimaschutzstrategie ist, muss man sich zunächst ihren Beitrag zum fortschreitenden Klimawandel bewusst machen.

Wie tragen Treibhausgase zum Klimawandel bei?

Treibhausgase ist der Oberbegriff für verschiedene Arten von Gasen, die Wärme in der Atmosphäre binden. Diese Gase absorbieren die Sonnenstrahlung und verhindern, dass die aufgenommene Energie schnell ins Weltall entweichen kann. Daher wirken Treibhausgase wie eine Lufthülle bzw. eine Isolationsdecke über der Erde. Diese Wirkung wird Treibhauseffekt genannt.

Der Treibhauseffekt ist ein natürliches Phänomen, ohne ihn gäbe es kein Leben auf der Erde. Denn er sorgt für Wärmespeicherung in der Atmosphäre und verhindert ein Einfrieren des Planeten. Allerdings haben Menschen über Generationen hinweg den Treibhausgaseffekt aus dem Gleichgewicht gebracht.

Laut dem 6. Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPPC) haben menschliche Aktivitäten, wie die Verbrennung fossiler Brennstoffe oder die Abholzung von Wäldern, dazu geführt, dass sich das Klima in einem Maße erwärmt hat, wie seit zweitausend Jahren nicht mehr. Durch menschliche Einflüsse sind enorme Mengen an Treibhausgasen zusätzlich zu den natürlich vorkommenden in die Atmosphäre gelangt. Diese haben die Erderwärmung und den Klimawandel beschleunigt. Aus diesem Grund schreibt das Pariser Klimaabkommen als globale Verantwortung fest, die Treibhausgas-Emissionen zu senken und den weltweiten Temperaturanstieg bis 2050 auf 1,5 Grad Celsius gegenüber den vorindustriellen Werten zu begrenzen.

Es gibt unterschiedliche Arten von Treibhausgasen, deren Beitrag zum Klimawandel anhand zweier Merkmale gemessen wird: Erstens anhand ihrer Fähigkeit, Energie aufzunehmen – dem sogenannten Strahlungsantrieb – und zweitens anhand ihrer Lebensdauer, also der Zeit, die sie in der Atmosphäre verweilen. Entsprechend fällt der Beitrag der Treibhausgase zum Klimawandel unterschiedlich aus. Um die obengenannten Merkmale zu bestimmen, wurde das sogenannte Treibhauspotenzial (Global Warming Potential (GWP)) als wissenschaftliche Maßzahl entwickelt.

Wie messen Sie Ihren Beitrag zum Klimawandel?

Das Treibhauspotenzial ist eine Einheit zur Messung des relativen Strahlungsantriebs eines Treibhausgases im Vergleich zu anderen Treibhausgasen. Sie gibt an, wie viel eine bestimmte Menge eines Treibhausgases im Vergleich zur gleichen Menge Kohlendioxid (CO2) über einen bestimmten Zeithorizont von 20 bis 500 Jahren zum Treibhauseffekt beiträgt. Sie wird daher auch als Kohlendioxid-Äquivalent bzw. CO2-Äquivalent (CO2e) bezeichnet.

Da nicht alle Treibhausgas-Emissionen in gleichem Maße zum Treibhauseffekt beitragen, dient das Treibhauspotenzial dazu, den Beitrag einzelner Treibhausgase zur globalen Klimaerwärmung über einen bestimmten Zeitraum im Verhältnis zu einer Tonne CO2-Emissionen zu vergleichen. Die Umrechnung in CO2-Äquivalente ermöglicht die Vergleichbarkeit und Verrechnung der unterschiedlichen Treibhausgas-Emissionen. Folgendes Beispiel verdeutlicht diesen Aspekt:

Den Treibhausgasen CO2, Methan und Distickstoffmonoxid wird der größte Beitrag zum Klimawandel zugeschrieben. Ein Vergleich der Klimawirkung dieser Treibhausgase ergibt folgendes Ergebnis: Während Methan ungefähr ein Jahrzehnt und Distickstoffmonoxid rund 120 Jahre in der Atmosphäre verbleibt, hat CO2 eine Verweildauer von bis zu 1.000 Jahren. Über einen Zeitraum von 20 Jahren gemessen, ist Methan 56-mal und Distickstoffmonoxid 280-mal stärker als CO2.

Entsprechend erfolgt die Berechnung des Corporate Carbon Footprint (CCF) Ihres Unternehmens. Je nach Aktivität können innerhalb Ihres Betriebs und entlang Ihrer Wertschöpfungskette mehrere unterschiedliche Treibhausgase emittiert werden. Diese werden in Tonnen CO2e erfasst. Die Berechnung Ihres CCF ermöglicht es Ihnen, Ihren Beitrag zum Klimawandel zu analysieren. Um Reduktionsmaßnahmen zu implementieren, ist es wichtig, die einzelnen CO2-Emissionen korrekt zu verstehen und einordnen zu können.   

Was sind Scope 1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen?

Der GHG Protocol Corporate Standard kategorisiert Treibhausgas-Emissionen, die mit dem Corporate Carbon Footprint eines Unternehmens in Verbindung stehen, als Scope 1-, Scope 2-, und Scope 3-Emissionen. Diese Geltungsbereiche betreffen jedoch nicht den Product Carbon Footprint (PCF); dieser beschreibt die Gesamtmenge an Treibhausgas-Emissionen, die ein Produkt oder eine Dienstleistung über verschiedene Phasen des Lebenszyklus verursacht.

Das Scope-Konzept selbst stammt aus dem Projektmanagement und bezieht sich auf alle Prozesse und Ressourcen, die zur Fertigstellung eines Projekts erforderlich sind. Laut dem GHG Protocol dient diese Kategorisierung im Wesentlichen dazu, Quellen von direkten und indirekten Emissionen zu unterscheiden und sicherzustellen, dass zwei oder mehr Unternehmen nicht Emissionen im selben Geltungsbereich erfassen. Wie also unterscheiden sich Scope 1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen?

1. Scope 1 – direkte Emissionen

Scope-1-Emissionen sind Emissionen aus Quellen, die direkt von Ihrem Unternehmen verantwortet oder kontrolliert werden. Dazu gehören Emissionen aus Energieträgern an Ihrem Standort, wie Erdgas und Brennstoffe, Kühlmittel, sowie Emissionen durch den Betrieb von Heizkesseln und Öfen, die von Ihrem Unternehmen verantwortet oder kontrolliert werden. Unter Scope 1 fallen auch Emissionen des eigenen Fuhrparks (z. B. Autos, Lieferwagen, Lkw, Helikopter für Krankenhäuser).

Im Gegensatz zu direkten Emissionen definiert das GHG Protocol indirekte Emissionen als Folge der Geschäftstätigkeit des betreffenden Unternehmens, die jedoch aus Quellen stammen, die einem anderen Unternehmen gehören oder von diesem kontrolliert werden. Dazu gehören die sogenannten Scope 2- und Scope 3-Emissionen. Das GHG Protocol trifft jedoch eine eindeutige Unterscheidung zwischen diesen beiden Geltungsbereichen.

2. Scope 2 – indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie

Laut dem GHG Protocol stellen Scope 2-Emissionen eine der größten Quellen der insgesamt weltweiten Treibhausgas-Emissionen dar. Dementsprechend bietet die Messung und Berechnung der Scope 2-Emissionen eine erhebliche Chance zur Emissionsminderung. Doch welche Emissionen fallen in diesen Bereich?

Scope-2-Emissionen sind indirekte Treibhausgas-Emissionen aus eingekaufter Energie, wie Strom, Wasserdampf, Fernwärme oder -kälte, die außerhalb Ihrer eigenen Systemgrenzen erzeugt aber von Ihrem Unternehmen verbraucht werden. Beispielsweise wird Strom, der von einem Versorgungsunternehmen eingekauft wird, außerhalb erzeugt, sodass die dadurch entstehenden Emissionen als indirekte Emissionen gelten.

Wenn Ihr Unternehmen selbst Energie aus Quellen erzeugt, die von ihm verantwortet oder kontrolliert werden, gelten die damit verbundenen Emissionen als direkte Scope 1-Emissionen. Dasselbe gilt für Unternehmen wie Stromversorger oder -anbieter, die über eigene Anlagen zur Stromerzeugung verfügen und den erzeugten Strom vollständig in das lokale Stromnetz einspeisen. Die Treibhausgas-Emissionen aus diesen Anlagen werden unter den Scope 1-Emissionen erfasst.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Geltungsbereich Scope 2 nur indirekte Emissionen umfasst, die durch die Erzeugung von eingekaufter Energie entstehen. Sonstige Emissionen aus der Produktion und Verarbeitung vorgelagerter Brennstoffe oder der Verteilung von Energie in einem Netzwerk werden unter Scope 3 erfasst.

3. Scope 3 – indirekte Emissionen innerhalb der Wertschöpfungskette

Scope 3 umfasst alle indirekten Emissionen, die entlang Ihrer Wertschöpfungskette entstehen. Um eindeutig zwischen den Geltungsbereichen Scope 2 und Scope 3 zu unterscheiden, beschreibt die US Enviromental Protection Agency (EPA) Scope 3-Emissionen als „das Ergebnis von Aktivitäten aus Anlagen, die nicht im Besitz Ihres Unternehmens sind oder von ihm kontrolliert werden, aber Ihr Unternehmen diese Aktivitäten innerhalb der eigenen Wertschöpfungskette unmittelbar beeinflusst.“

Obwohl diese Emissionen nicht von Ihrem Unternehmen kontrolliert werden, können sie durchaus den größten Anteil an Ihren Treibhausgas-Emissionen ausmachen.

Auf Grundlage der finanziellen Transaktionen des berichtenden Unternehmens unterscheidet das GHG Protocol bei den Scope 3-Emissionen zwischen vor- und nachgelagerten Emissionen:

Vorgelagerte Emissionen umfassen die indirekten Treibhausgas-Emissionen innerhalb der Wertschöpfungskette eines Unternehmens, die in Verbindung mit eingekauften Waren (materiellen Gütern) und Dienstleistungen (immateriellen Gütern) stehen.

Nachgelagerte Emissionen sind die indirekten Treibhausgas-Emissionen innerhalb der Wertschöpfungskette eines Unternehmens, die in Verbindung mit dessen verkauften Waren und Dienstleistungen stehen und entstehen, nachdem sie den Besitz oder die Kontrolle des betreffenden Unternehmens verlassen haben.

Welche Anforderungen stellt das GHG Protocol an Ihr Unternehmen?

Das GHG Protokoll schreibt vor, alle Scope 1- und Scope 2-Emissionen zu bilanzieren. Die Bilanzierung von Scope 3-Emissionen ist laut GHG Protokoll zwar optional, für ganzheitlichen Klimaschutz jedoch unausweichlich.  

Die Erfassung und genaue Berechnung von Treibhausgasen, die innerhalb der Wertschöpfungskette Ihres Unternehmens entstehen, aber nicht von Ihnen kontrolliert werden, kann eine erhebliche Herausforderung darstellen. Denn aufgrund der zahlreichen beteiligten Akteure und Prozesse handelt es sich häufig um komplexe und aufwändige Aufgaben.

Ein erfahrener Partner kann Sie bei der Reduzierung Ihrer Scope 3-Emissionen unterstützen, indem er Ihnen mit einem Screening hilft, zu bestimmen, wo die Emissionen innerhalb Ihrer Wertschöpfungskette entstehen und worauf Sie Ihre Reduktionsmaßnahmen konzentrieren sollten. Zudem erhalten Sie Unterstützung bei der Erhebung eines umfassenden Treibhausgasinventars einschließlich aller Scope 1-, Scope 2- und Scope 3-Emissionen. Schließlich werden Sie ausführlich beraten, wie Sie Ihren CO2-Fußabdruck und Ihren Beitrag zum Klimawandel reduzieren und langfristig den Übergang zu einer Net Zero Economy schaffen.

Machen Sie den nächsten Schritt im Klimaschutz. 

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