Warum müssen wir die Treibhausgas-Emissionen senken?

14. September 2022

„Es heißt jetzt oder nie, wenn wir die globale Erwärmung auf 1,5 °C begrenzen wollen“. Dies war die bisher klarste und stärkste Botschaft von Jim Skea, einem der renommiertesten Forscher der Vereinten Nationen. In seinem dringenden Appell an die Weltgemeinschaft forderte er Regierungschefs und Business-Leaders weltweit auf, sofortige Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen. 

In diesem Artikel erklären wir, warum es kein Weg an der drastischen Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen vorbeiführt, um die globale Erderwärmung zu bremsen und den Klimawandel wirksam aufzuhalten.

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Der jüngste UN-Klimabericht, der sogenannte Sechste Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC), enthält eine deutliche Warnung: „Ohne sofortige und tiefgreifende Emissionsminderungen in allen Sektoren wird es unmöglich sein“, den Klimawandel zu stoppen. Es gibt aber auch gute Nachrichten: Der IPCC-Bericht von 2022 zeigt auch, dass es nach wie vor möglich ist, die langfristige globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 °C zu begrenzen. Dies setzt jedoch sofortige und umfangreiche Treibhausgas-Reduzierung in allen Sektoren sowie die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre voraus. Doch warum ist es so entscheidend, Treibhausgas-Emissionen zu senken?

Ursachen des Klimawandels

Heute wissen wir, dass sich das Klima unseres Planeten aufgrund der zunehmenden globalen Erwärmung verändert hat. Die Folgen sind extreme Wetterereignisse wie häufigere und länger anhaltende Dürreperioden, Hitzewellen, Starkregen, Tornados, tropische Wirbelstürme und Überschwemmungen. Diese klimatischen Bedingungen stellen Regierungen, Unternehmen und Menschen weltweit vor zunehmenden Herausforderungen.

Für ein besseres Verständnis erklären wir zunächst zwei Begriffe, die in diesem Artikel vorkommen: „Wetter“ und „Klima“. Laut der US-Raumfahrtbehörde NASA bezeichnet der Begriff Wetter „atmosphärische Bedingungen, die örtlich begrenzt über kurze Zeiträume von Minuten bis hin zu Tagen auftreten“. Dazu gehören beispielsweise Regen, Schnee, Wolken, Wind, Überschwemmungen oder Gewitter. In Abgrenzung dazu beschreibt Klima „die langfristigen regionalen oder auch globalen Durchschnittswerte von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag über einen Zeitraum von Jahreszeiten, Jahren oder Jahrzehnten“.

Wie wir den Klimawandel stoppen können, steht fest: Wir müssen die anthropogene, menschengemachte globale Erwärmung auf 1,5 °C begrenzen.

Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C

Die globale Erwärmung bezeichnet den langfristigen Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Erde, der mindestens seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 stattfindet. Nach Angaben der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) stieg die globale Mitteltemperatur zwischen 1880 und 1980 im Durchschnitt um 0,07 °C pro Dekade. Seit 1981 hat sich der Temperaturanstieg auf 0,18 °C pro Jahrzehnt erhöht, was insgesamt zu einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,1 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau geführt hat. Daher stellt sich die Frage: Was ist die Ursache für den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur?

Seit den 1800er-Jahren und dem Beginn der Industriellen Revolution sind menschliche Aktivitäten, wie Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und Elektrizität die Haupttreiber des Klimawandels. Vor allem, da sie auf die primär durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas angewiesen sind. Bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe entstehen Treibhausgas-Emissionen, die als die wichtigsten Treiber des seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Klimawandels gelten.

Treibhausgase ist der Oberbegriff für verschiedene Arten von Gasen, die Wärme in der Atmosphäre binden. Dazu gehören Kohlenstoffdioxid, Methan, Distickstoffmonoxid und Wasserdampf. Sie lassen Sonnenstrahlen passieren, verhindern aber – ähnlich wie ein Gewächshaus –, dass ein Teil der Wärme wieder entweichen kann. Darum wirken Treibhausgase wie eine Isolationsdecke über der Erde. Dieses Phänomen wird als Treibhausgaseffekt bezeichnet. Je mehr Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, desto mehr Wärme staut sich an – der Treibhauseffekt nimmt zu und die Temperatur auf der Erde steigt.

Die Tatsache, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre nach Angaben der NASA mit 419 Anteile pro Million (ppm) im Jahr 2022 das höchste Niveau seit 650.000 Jahren erreicht hat, unterstreicht die Dringlichkeit, mit der wir die anthropogene globale Erwärmung – also den vom Menschen gemachten Anstieg der Oberflächentemperatur der Erde – begrenzen müssen. 

Auswirkung von Treibhausgasen auf das Klima

Um zu verstehen, warum eine tiefgreifende Emissionsminderung unvermeidlich ist, müssen wir die Eigenschaften der wichtigsten menschengemachten Treibhausgas-Emissionen und deren Folgen für das Klima kennen.

Treibhausgase lassen sich anhand von zwei Merkmalen unterscheiden: erstens ihrer Fähigkeit, Energie aufzunehmen – des sogenannten Strahlungsantriebs – und zweitens ihrer Lebensdauer, also der Zeit, die sie in der Atmosphäre verweilen. Um diese wichtigen Faktoren zu bestimmen, wurde als wissenschaftliche Maßzahl das sogenannte Treibhauspotential (Global Warming Potential, GWP) entwickelt.

GWP-Werte erlauben eine direkte Gegenüberstellung der Auswirkungen unterschiedlicher Treibhausgase auf die globale Erwärmung, indem der Strahlungsantrieb und die Lebensdauer von Gasen mit denen von CO2 verglichen werden. Kohlenstoffdioxid wird als Referenzgas herangezogen und bezogen auf 100 Jahre ein GWP-Wert von 1 zugeordnet, da es sehr lange – bis zu mehreren tausend Jahren – in der Atmosphäre verweilen kann.

Im Folgenden sollen die Treibhausgase mit dem größten Beitrag zum Klimawandel, also Kohlenstoff (CO2), Methan (CH4) und Distickstoffmonoxid (N2O), miteinander verglichen werden: Während Methan ungefähr 12 Jahre und Distickstoffmonoxid rund 109 Jahre in der Atmosphäre verbleibt, hat CO2 eine Verweildauer von mehreren tausend Jahren. Über einen Zeitraum von 100 Jahren gemessen, ist Methan rund 28-mal und Distickstoffmonoxid 273-mal stärker als CO2.

Der rasante Anstieg von Treibhausgasen in der Atmosphäre hat den Planeten in einem schnellen Tempo erwärmt. Das Erdklima unterlag zwar auch in der Vergangenheit Schwankungen, doch der CO2-Gehalt in der Atmosphäre hat seit mehreren hunderttausend Jahren nicht das heutige Niveau erreicht. Der menschengemachte Klimawandel „verursacht weit verbreitete negative Auswirkungen und damit verbundene Verluste und Schäden an Menschen und Umwelt, die über die natürliche Klimavariabilität hinausgeht“, heißt es im jüngsten IPCC-Bericht.

Treibhausgas-Emissionen bis 2030 halbieren

In einem aktuellen Bericht geht die Weltorganisation für Meteorologie davon aus, dass die Welt den Schwellenwert von 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau bis 2025 erreichen könnte – also bereits in den kommenden drei Jahren. Wird diese rote Linie überschritten, werden die Folgen des Klimawandels, wie beispielsweise extreme Wetterbedingungen und steigende Meeresspiegel, deutlich zunehmen. „Jeder Bruchteil einer stärkeren Erwärmung als 1,5 °C wird ernsthaftere Folgen und höhere Kosten nach sich ziehen“, so das Umweltprogramm der Vereinten Nationen.

Die Antwort ist eindeutig: Um die globale Erwärmung auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, müssen wir die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um mindestens 43 % gegenüber 1990 reduzieren und bis 2050 das Ziel von Net-Zero-Emissionen erreichen, wie es im Pariser Klimaabkommen festgelegt wurde.

 Auch wenn dieses Ziel zurzeit als herausfordernd gilt, bleibt es die einzige Lösung, um den Klimawandel einzudämmen und den Planeten für künftige Generationen zu bewahren. Aus diesem Grund sind Unternehmen aller Branchen und Größen – als wichtige sozioökonomische Akteure – noch mehr gefordert, die Dekarbonisierung ihrer Portfolios and Betriebsabläufe zu beschleunigen, Nachhaltigkeit als elementaren Bestandteil in ihren Unternehmensstrategien zu verankern und somit die Weichen für eine Net-Zero-Economy zu stellen. 

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