Wie funktionieren Waldschutzprojekte?

Erklärt am Beispiel unseres Klimaschutzprojektes in Tambopata, Perú

Mehr als 100 Staaten haben sich auf dem Weltklimagipfel COP26 zum Stopp der Zerstörung von Wäldern und anderen landgebundenen Ökosystemen bis 2030 verpflichtet. Die unterzeichnenden Länder, darunter die gesamte EU inklusive Deutschland, repräsentieren 85 Prozent der weltweiten Waldfläche. Die Zusage umfasst mehr als 19 Milliarden US-Dollar an öffentlichen und privaten Mitteln.
 
Die Verpflichtung, die sogenannte Leader´s Declaration on Forests and Land Use, will durch mehr Walderhalt und einem höheren Schutz der Artenvielfalt auch zum Klimaschutz beitragen. Immerhin nehmen Wälder etwa ein Drittel der jährlich vom Menschen ausgestoßenen CO2-Emissionen auf.
 
Doch der Waldbestand ist in Gefahr. Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass der globale Holzverbrauch weltweit bis 2050 um 50 Prozent steigen wird. Diese weiterhin steigende Nachfrage erhöht den Druck auf bestehende Wälder enorm. Die in der COP26-Verpflichtung formulierte Zielsetzung bis 2030 kommt daher sehr spät und erlaubt ein weiteres Jahrzehnt mit Zerstörung von Wald und schwindender Biodiversität. Die Unterstützung von Projekten zur Waldaufforstung, zum Waldumbau und zum Waldschutz ist daher notwendiger denn je.

Tambopata

 

Ein zentraler Mechanismus zum Schutz der Wälder ist der von den Vereinten Nationen 2008 geschaffene REDD+ Mechanismus (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation). Das Konzept besteht darin, die lokale Bevölkerung in den Waldschutz miteinzubeziehen und sie für ihre Bemühungen zur Bewahrung des Waldes zu entlohnen.

Je älter Bäume werden, desto mehr Treibhausgasemissionen können sie binden – und umso wertvoller ist eine solche Waldfläche im Schutz gegen den Klimawandel. REDD+-Projekte tragen somit zur Vermeidung von CO2-Emissionen bei, die mit der Abholzung von Wäldern verbunden sind. Ein vor Abholzung bewahrter Baum erhält dadurch einen höheren Wert, als wenn dieser gefällt und verkauft würde. 

Die dabei vermiedenen CO2-Emissionen können als Klimaschutzzertifikate, sogenannte Carbon Credits geltend gemacht werden. Durch deren Vermarktung werden die Wälder wirtschaftlich attraktiver als andere Landnutzungsformen. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Carbon Credits fließen wiederum in den Schutz des Waldes, in die nachhaltige Bewirtschaftung seiner Ressourcen aber vor allem in Perspektiven für die lokale Bevölkerung wie z.B. neue Arbeitsplätze, in Bildung und in die Verbesserung der Gesundheitsbedingungen. So ermöglicht der REDD+-Mechanismus der Gemeinde aktiv am Klimaschutz und der sozialen Entwicklung vor Ort teilzunehmen.

Viele der von uns angebotenen Klimaschutzprojekte, die sich mit Waldschutz beschäftigen, arbeiten mit dem REDD+ Mechanismus. So auch unser Waldschutzprojekt in Tambopata, Perú.

Tambopata

 

Klimaschutzprojekte und die Einsparung von Treibhausgasen

Um als Klimaschutzprojekt zu gelten und in den offiziellen Registern als effektive Maßnahme zur nachweislichen Einsparung von Treibhausgasen zertifiziert zu werden, muss jedes Projekt die folgenden vier Kriterien erfüllen: Zusätzlichkeit, Ausschluss von Doppelzählungen, Dauerhaftigkeit sowie regelmäßige unabhängige Prüfungen. Diese Anforderungen sind in den weltweit führenden best-practice Regularien für Waldschutzprojekte des Verified Carbon Standards (VCS) festgeschrieben, welcher von der unabhängigen Organisation VERRA administriert wird. 

Klimaschutzprojekte gemäß VCS sind stets durch unabhängige Auditoren validierte und regelmäßig verifizierte CO2-Reduktionsprojekte in den Bereichen Waldschutz, (Wieder-)Aufforstung, Energieeffizienz oder Entwicklung erneuerbarer Energien, die zusätzliche Treibhausgasemissionen verringern, vermeiden oder aus der Atmosphäre entfernen. Somit tragen sie zur Eindämmung des Klimawandels bei. Mit der Unterstützung dieser zertifizierten Projekte können Unternehmen ihre Emissionsreduktionsstrategie flankieren, damit den nachhaltigen Fortschritt in Entwicklungsländern fördern und eigene Restemissionen an anderer Stelle ausgleichen.

How does carbon offsetting work


Unser REDD+ Klimaschutzprojekt in Tambopata, Perú

In Tambopata, im südöstlichen Teil der peruanischen Region Madre de Dios engagiert sich ClimatePartner in enger Zusammenarbeit mit dem lokalen Projektpartner BAM für die Bewahrung des Amazonas Regenwaldes. Durch eine Vielzahl an Projektaktivitäten unterstützt es die lokalen Landwirte dabei ihre Flächen offiziell zu deklarieren und zu schützen sowie gleichzeitig ihre Erträge aus der Paranussernte zu steigern. Im Jahr 2009 wurde das Projekt initiiert. Im selben Jahr vereinbarten die örtlichen Projektpartner eine Kooperation mit dem Verband der Paranussproduzenten von Madre de Dios (FEPROCAMD). Gemeinsam entwickelten sie das REDD+ Waldschutzprojekt, welches gemäß VCS zertifiziert wurde. Derzeit wird die zusätzliche Verifizierung durch den Climate, Community & Biodiversity Standard (CCBS), welche erstmals erfolgreich im Jahr 2014 durchgeführt wurde und regelmäßig erneuert werden muss, re-zertifiziert. Sie weist den hohen Nutzen des Projekts für den Schutz des Regenwalds, seine Biodiversität und für die lokalen Bauern zusätzlich nach.

Tambopata ohne das Klimaschutzprojekt – das Basisszenario

Vor dem Start des Klimaschutzprojekts im Jahr 2009 führten mehrere Faktoren zu zunehmender Entwaldung in der Region. Dazu zählten Rodungen zur Gewinnung von Acker- und Weideland und eine bessere Anbindung der Region durch den Bau des Interoceanic Highway (IOH). Insbesondere durch den Highway und die damit einhergehende Neuansiedlung von Menschen bestand die belegbare Gefahr, dass in zunehmendem Maße Regenwald abgeholzt werden würde (Basisszenario).

Positive Entwicklungen dank der Projektaktivitäten

Gleich zu Beginn des Projekts ab 2010 erhielten die Bäuerinnen und Bauern Schulungen zu Anbau- und Erntetechniken, wirtschaftliche Grundlagenschaffung und Zugang zu landwirtschaftlichen Maschinen und Werkzeugen, mit dem Ziel den Regenwald zu schützen. 

Vor allem aber schaffte es erstmals die Grundlage, ihre Landnutzungsrechte für den Nussanbau auszuüben. Eine der Projektaktivitäten umfasst die offizielle Markierung der Konzessionsgebiete, um die genauen Grenzen der Konzessionen der einzelnen Partner zu definieren und ordnungsgemäß einzuhalten. Auch wenn es die Landnutzungskonzessionen bereits seit dem Jahr 2000 gibt, ist ihre physische Abgrenzung vor Ort und damit der Schutz und die Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen in einem tropischen Regenwald eine Herausforderung, die erst durch die Projektaktivität erreicht wurde. Folgende Maßnahmen wurden umgesetzt:

  • Workshops zum Kapazitätsaufbau: Das Projekt bietet Schulungsworkshops an, um die Kenntnisse der Konzessionäre zu verbessern, wie sie ihre Wälder nachhaltig bewirtschaften und schützen, und um weitere Möglichkeiten für sie und ihre Familien zu schaffen.
     
  • Monitoring, Kontroll- und Überwachungssystem: Das Tambopata-Projekt verfügt über ein System, das darauf abzielt, Gefahren der Entwaldung zu identifizieren, zu melden und zu kontrollieren. Das System umfasst eine ständige technische und rechtliche Beratung der Konzessionäre durch die Projektmitarbeiter (Fachleute, die sich in Vollzeit um die Bedürfnisse der Konzessionäre kümmern).
     
  • Organisatorische Stärkung: FEPROCAMD erhielt durch das Projekt dauerhafte finanzielle und technische Unterstützung, um seine Aufgabe und Vision zu verwirklichen, die Interessen der Bäuerinnen und Bauern zu vertreten und die Wertschöpfung durch Paranüsse in der Region zu steigern.
     
  • Durchführung eines wissenschaftlichen Programms: dieses dient der ständigen Bewertung des ökologischen Kapitals des Gebiets und zur Überwachung der Auswirkungen der Erhaltungsmaßnahmen auf die biologische Vielfalt.
     
  • Konzessionsabgrenzung durch Geoinformationssysteme (GIS) und Kennzeichnungen, welche die Durchsetzung von Konzessionsgrenzen und die Überwachung von Abholzungsobergrenzen erleichtern.
     
  • Erstellung von Landmanagementplänen für jede Konzession durch Georeferenzierung aller Paranussbäume innerhalb der Konzession, Bau und Instandhaltung von Wegen, Erstellung von Wassermanagementplänen
     
  • Einreichung der Bewirtschaftungspläne bei den Umweltbehörden, um eine offizielle Genehmigung für die nachhaltige Nutzung der Paranüsse zu erhalten.

Seit 2020 erhalten die Landwirte und Landwirtinnen zusätzlich zu den oben genannten nicht-finanziellen Leistungen und Vorteilen auch direkte finanzielle Unterstützung, welche aus dem Verkauf der Klimaschutzzertifikate hervorgeht. Mittlerweile profitieren mehr als 400 Konzessionäre (Quelle: BAM) von den Aktivitäten aus dem REDD+ Projekt.

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