Was sind Treibhausgas-Emissionen und warum müssen Unternehmen jetzt handeln?

Wir müssen Treibhausgas-Emissionen deutlich reduzieren

Schon lange ist klar: Die Welt muss den Ausstoß von Treibhausgas-Emissionen drastisch reduzieren. Dies ist der dringendste Apell, den die Vereinten Nationen und Klimaforscher seit fast drei Jahrzehnten wiederholen, um den fortschreitenden Klimawandel und seine Auswirkungen auf Menschen, Umwelt und Wirtschaft aufzuhalten. Sie haben deutlich gemacht, dass uns nur noch dieses Jahrzehnt bleibt, um die globale Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen und um weltweit die Weichen für die Erreichung des Net-Zero-Ziels bis 2050 zu stellen.

Jede Strategie zur Begrenzung des Klimawandels erfordert eine schnelle Trendwende hin zu Net-Zero-Emissionen. Auch wenn dieses Ziel zurzeit als herausfordernd gilt, bleibt es die einzige Lösung, um den Klimawandel einzudämmen. Aus diesem Grund sind Unternehmen aller Branchen und Größen – als wichtige sozioökonomische Akteure – noch mehr gefordert, die Dekarbonisierung ihrer Portfolios and Betriebsabläufe zu beschleunigen und somit die Weichen für eine Net-Zero-Economy zu stellen.

In diesem Artikel erklären wir Ihnen, warum die drastische Reduzierung von Treibhausgas-Emissionen entscheidend ist, um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen. Außerdem zeigen wir, wie Sie als Unternehmen Ihre CO2-Bilanz – den sogenannten Corporate Carbon Footprint (CCF) – verbessern und Ihr Emissionsreduktionsziel erreichen.

Warum wir Treibhausgasemissionen jetzt reduzieren müssen

„Es heißt jetzt oder nie, wenn wir die globale Erwärmung auf 1,5 °C begrenzen wollen". Das war die bisher klarste Botschaft von Jim Skea, Co-Vorsitzender der Arbeitsgruppe III des Weltklimarates. Er ist einer der renommiertesten Forscher der Vereinten Nationen und forderte hiermit Regierungschef:innen und Business-Leaders weltweit in einem dringenden Appell auf, sofortige Maßnahmen zum Klimaschutz zu ergreifen. Der jüngste UN-Klimabericht, der sogenannte Sechste Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC), enthält eine deutliche Warnung: „Ohne sofortige und tiefgreifende Emissionsminderungen in allen Sektoren wird es unmöglich sein", den Klimawandel zu bekämpfen.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Der IPCC-Bericht von 2022 zeigt, dass es nach wie vor möglich ist, die langfristige globale Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf 1,5 °C zu begrenzen. Dies setzt jedoch sofortige und umfangreiche Reduktion von Emissionen in allen Sektoren sowie die Entnahme von CO₂ aus der Atmosphäre voraus. Doch warum ist es so entscheidend, Treibhausgas-Emissionen zu senken?

Es ist noch nicht zu spät, zu handeln: Eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf weniger als 1,5 °C ist gerade möglich. Aber dafür braucht es sofortige konkrete Klimaschutzmaßnahmen.

Was sind Treibhausgas-Emissionen und warum müssen Unternehmen jetzt handeln?

Warum müssen Treibhausgas-Emissionen reduziert werden?

Heute wissen wir, dass sich das Klima unseres Planeten aufgrund der zunehmenden globalen Erwärmung verändert hat. Die Folgen sind extreme Wetterereignisse wie häufigere und länger anhaltende Dürreperioden, Hitzewellen, Starkregen, Tornados, tropische Wirbelstürme und Überschwemmungen. Diese klimatischen Bedingungen stellen Regierungen, Unternehmen und Menschen weltweit vor zunehmende Herausforderungen.

Für ein besseres Verständnis erklären wir zunächst zwei Begriffe, die in diesem Artikel vorkommen: „Wetter" und „Klima". Laut der US-Raumfahrtbehörde NASA bezeichnet der Begriff Wetter „atmosphärische Bedingungen, die örtlich begrenzt über kurze Zeiträume von Minuten bis hin zu Tagen auftreten". Dazu gehören beispielsweise Regen, Schnee, Wolken, Wind, Überschwemmungen oder Gewitter. In Abgrenzung dazu beschreibt Klima „die langfristigen regionalen oder auch globalen Durchschnittswerte von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Niederschlag über einen Zeitraum von Jahreszeiten, Jahren oder Jahrzehnten". Wie wir den Klimawandel stoppen können, steht fest: Wir müssen die anthropogene, menschengemachte globale Erwärmung auf 1,5 °C begrenzen.

Begrenzung der globalen Erwärmung auf 1,5 °C
 

Die globale Erwärmung bezeichnet den langfristigen Anstieg der Durchschnittstemperatur auf der Erde, der mindestens seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880 stattfindet. Nach Angaben der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) stieg die globale Mitteltemperatur zwischen 1880 und 1980 im Durchschnitt um 0,07 °C pro Dekade. Seit 1981 hat sich der Temperaturanstieg auf 0,18 °C pro Jahrzehnt erhöht, was insgesamt zu einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf 1,1 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau geführt hat.

Seit den 1800er-Jahren und dem Beginn der Industriellen Revolution sind menschliche Aktivitäten, wie Verkehr, Industrie, Landwirtschaft und Elektrizität die Haupttreiber des Klimawandels. Vor allem, da sie primär auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas angewiesen sind. Bei der Verbrennung fossiler Rohstoffe entstehen Treibhausgas-Emissionen, die als die wichtigsten Treiber des seit Mitte des 20. Jahrhunderts beobachteten Klimawandels gelten.

Treibhausgase ist der Oberbegriff für verschiedene Arten von Gasen, die Wärme in der Atmosphäre binden. Dazu gehören Kohlenstoffdioxid, Methan, Distickstoffmonoxid und Wasserdampf. Sie lassen Sonnenstrahlen passieren, verhindern aber – ähnlich wie ein Gewächshaus –, dass ein Teil der Wärme wieder entweichen kann. Darum wirken Treibhausgase wie eine Isolationsdecke über der Erde. Dieses Phänomen wird als Treibhausgaseffekt bezeichnet. Je mehr Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen, desto mehr Wärme staut sich an – der Treibhauseffekt nimmt zu und die Temperatur auf der Erde steigt.

Die Tatsache, dass die CO₂-Konzentration in der Atmosphäre nach Angaben der NASA mit 419 parts per million (ppm) im Jahr 2022 das höchste Niveau seit 650.000 Jahren erreicht hat, unterstreicht die Dringlichkeit, mit der wir die anthropogene globale Erwärmung begrenzen müssen.

Auswirkung von Treibhausgas-Emissionen

Um zu verstehen, warum eine tiefgreifende Emissionsminderung unvermeidlich ist, müssen wir die Eigenschaften der wichtigsten menschengemachten Treibhausgas-Emissionen und deren Folgen für das Klima kennen.

Treibhausgase lassen sich anhand von zwei Merkmalen unterscheiden: erstens ihrer Fähigkeit, Energie aufzunehmen – des sogenannten Strahlungsantriebs – und zweitens ihrer Lebensdauer, also der Zeit, die sie in der Atmosphäre verweilen. Um diese wichtigen Faktoren zu bestimmen, wurde als wissenschaftliche Maßzahl das sogenannte Treibhauspotential (Global Warming Potential, GWP) entwickelt.

GWP-Werte erlauben eine direkte Gegenüberstellung der Auswirkungen unterschiedlicher Treibhausgase auf die globale Erwärmung, indem der Strahlungsantrieb und die Lebensdauer von Gasen mit denen von CO₂ verglichen werden. Kohlenstoffdioxid wird als Referenzgas herangezogen und bezogen auf 100 Jahre ein GWP-Wert von 1 zugeordnet, da es sehr lange – bis zu mehreren tausend Jahren – in der Atmosphäre verweilen kann.

Um dies zu veranschaulichen, folgt ein Vergleich zwischen CO₂-Emissionen, Methan und Distickstoffmonoxid – den Treibhausgasen mit den größten Auswirkungen auf den Klimawandel.

Der rasante Anstieg von Treibhausgasen in der Atmosphäre hat den Planeten in einem schnellen Tempo erwärmt. Das Erdklima unterlag zwar auch in der Vergangenheit Schwankungen, doch der CO₂-Gehalt in der Atmosphäre hat seit mehreren hunderttausend Jahren nicht das heutige Niveau erreicht. Der menschengemachte Klimawandel „verursacht weit verbreitete negative Auswirkungen und damit verbundene Verluste und Schäden an Mensch und Umwelt, die über die natürliche Klimavariabilität hinausgehen", heißt es im jüngsten IPCC-Bericht.

Erderwärmungspotenzial von Treibhausgasen

Treibhausgas-Emissionen bis 2030 halbieren

In einem aktuellen Bericht geht die Weltorganisation für Meteorologie davon aus, dass die Welt den Schwellenwert von 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau bis 2025 erreichen könnte. Wird diese rote Linie überschritten, werden die Folgen des Klimawandels, wie beispielsweise extreme Wetterbedingungen und steigende Meeresspiegel, deutlich zunehmen. „Jeder Bruchteil einer stärkeren Erwärmung als 1,5 °C wird ernsthaftere Folgen und höhere Kosten nach sich ziehen", so das Umweltprogramm der Vereinten Nationen.

Die Antwort ist eindeutig: Um die globale Erwärmung auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, müssen wir die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 um mindestens 43 % gegenüber 1990 reduzieren und bis 2050 das Ziel von Net-Zero-Emissionen erreichen, wie es im Pariser Klimaabkommen festgelegt wurde.

Warum sind Klimaschutzstrategien und langfristige Lösungen unabdingbar?

Die offensichtliche Antwort auf die größte Herausforderung unserer Zeit ist die drastische Reduktion von Treibhausgas-Emissionen (THG). Aber: Um die globalen Minderungsziele und das im Übereinkommen von Paris festgeschriebene Net-Zero-Ziel bis 2050 zu erreichen, braucht es langfristige Lösungen und umfassende Klimaschutzstrategien.

Die Ausarbeitung und Umsetzung von wirksamen Strategien zur Emissionsminderung in Unternehmen erfordern jedoch umfassende unternehmensweite organisatorische und operative Ansätze.

Wichtige Maßnahmen auf dem Weg zu Net-Zero-Emissionen
 

Betrachtet man die wichtigsten Emissionsquellen, können verschiedene Maßnahmen eingeleitet werden, um den Übergang zu Net-Zero zu ermöglichen, dabei ist der Umstieg auf kohlenstofffreie Energie und Elektrizität von entscheidender Bedeutung:

Umstieg auf sauberen Strom

Statistiken von ClimateWatch aus dem Jahr 2021 zufolge macht die Stromerzeugung rund 32 % der weltweiten Treibhausgas-Emissionen aus. Da der Energiebedarf aufgrund des weltweiten Bevölkerungswachstums kontinuierlich zunimmt, steigen auch die Treibhausgas-Emissionen aus Strom immer schneller an. Deshalb ist es entscheidend, fossilen Strom durch Strom aus erneuerbaren Quellen zu ersetzen.

Steigerung der Energieeffizienz

Energieeffizienz lässt sich unter anderem dadurch erzielen, dass die Effizienz von Anlagen und Geräten optimiert und der Heiz- und Kühlbedarf durch eine verbesserte Bauweise und Dämmung gesenkt werden.

Dekarbonisierung des Verkehrssektors

Auf den Verkehrssektor fallen 16,9 % der weltweiten THG-Emissionen. Unternehmen können ihre Reisetätigkeiten verringern, auf effizientere Verkehrsträger umsteigen und ihre Fahrzeugflotte mit E-Autos modernisieren.

Abfallmanagement: reduzieren, wiederverwenden, recyceln 

Ein effizientes Abfallmanagement auf Basis der Reduzierung und Wiederverwendung von Abfällen oder dem Recycling von Materialien bietet mehrere Vorteile für Unternehmen, Mitarbeiter und die Umwelt.

Die Dekarbonisierung Ihrer Lieferketten beschleunigen

Viele Unternehmen verzeichnen deutlich mehr Emissionen innerhalb der gesamten Lieferkette als direkte Emissionen aus der eigenen Geschäftstätigkeit. Die Dekarbonisierung der Lieferkette und die Minderung der Scope-3-Emissionen kann eine der wirksamsten Maßnahmen sein.

Setzen Sie auf saubere technische Lösungen

Emissionssenkungen können auch durch den Umstieg auf klimafreundliche elektrische Lösungen und die Einführung technischer Lösungen wie Direct Air Capture erreicht werden.

Finanzieren Sie Klimaschutzprojekte

Unterstützen Sie Klimaschutzprojekte finanziell, die über die CO2-Reduktion hinausgehen, wie zum Beispiel Nature-based Solutions (NbS).

Klimaschutzstrategie als fester Bestandteil der Unternehmensstrategie

Die Emissionsminderung ist ein wesentlicher Schritt zur Erreichung des Net-Zero-Ziels. Gleichzeitig leistet sie einen Beitrag zur Verbesserung der Luftqualität und der öffentlichen Gesundheit. Sie fördert Investitionen in eine klimafreundliche Wirtschaft und senkt zugleich die Gefahren des Klimawandels und die damit verbundenen Kosten.

Dies setzt jedoch voraus, dass sich Unternehmen und Organisationen weltweit noch stärker engagieren, umfassende Klimaschutzstrategien umzusetzen und sowohl kurz- als auch langfristige Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Treibhausgas-Emissionen zu senken und in klimafreundliche Technologien zu investieren.

Eine Klimaschutzstrategie sollte als fester Bestandteil in die Unternehmensstrategie integriert werden. So können Sie diese langfristig und zielgerichtet umsetzen. Die Geschäftsführung muss außerdem sicherstellen, dass die Unternehmensstrategie und die Maßnahmen zur Emissionsminderung aufeinander abgestimmt werden.

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