Ongoing Emissions Responsibility: Wie man Verantwortung für Emissionen übernimmt, die sich noch nicht vermeiden lassen

25. Juni 2026

Von Lena Koch, Climate Policy Advisor bei ClimatePartner und Co-Autorin des Reports, “"Ongoing Emissions: Taking Responsibility

 

Manche Unternehmen finanzieren seit Jahren Klimaschutzprojekte. Andere stellen sich gerade erst die Frage, ob und wie sie damit beginnen wollen.

Beide stehen vor der Herausforderung: Ihr Unternehmen wird weiterhin Treibhausgase verursachen, während Sie auf Net Zero hinarbeiten. Was ist die Antwort auf diese fortlaufenden Emissionen?

Lange Zeit waren die verfügbaren Lösungen entweder zu riskant in der Kommunikation („klimaneutral") oder zu vage. Das ändert sich jetzt. Das neue Konzept „Ongoing Emissions Responsibility“ (OER) zeigt Unternehmen einen glaubwürdigen und strukturierten Weg auf, um Verantwortung für ihre fortlaufenden Emissionen zu übernehmen und darüber selbstbewusst zu kommunizieren. Das Konzept ist erstmals im SBTi Corporate Net-Zero Standard V2.0 anerkannt worden.
 

Was ist Ongoing Emissions Responsibility (OER)?

Gold Standard hat den Report „Ongoing Emissions: Taking Responsibility" veröffentlicht, zu dem ich gemeinsam mit Expert:innen von Gold Standard, Pinwheel und weiteren Organisationen beigetragen habe. Er führt das Konzept „Ongoing Emissions Responsibility“ (OER) ein. OER ist ein strukturierter Ansatz, mit dem Unternehmen glaubwürdig Verantwortung für die Treibhausgasemissionen übernehmen können, die sie auf ihrem Weg zu Net Zero weiterhin verursachen.

OER ist keine neue Pflicht, die aus dem Nichts entstand. Es ist die Antwort auf eine Frage, mit der Unternehmen seit Jahren ringen: Was tun wir mit den Emissionen, die wir noch nicht reduzieren konnten?

Selbst die ambitioniertesten Unternehmen werden auf ihrem Weg zu Net Zero weiterhin erhebliche Emissionen verursachen. Das ist kein Zeichen mangelnden Ehrgeizes, sondern eine ehrliche Einschätzung der Realität. Dekarbonisierung braucht Zeit. Sie erfordert Technologien, die noch nicht im nötigen Maßstab verfügbar sind, und hängt von Veränderungen in Lieferketten, Infrastruktur und Politik ab, die kein einzelnes Unternehmen allein anstoßen kann.

Fortlaufende Emissionen haben reale Konsequenzen. Sie belasten ein rapide schrumpfendes globales CO2-Budget. Sie bringen wachsende finanzielle, regulatorische und reputationsbezogene Risiken mit sich. Jahrelang haben Klimaschutzstrategien von Unternehmen diese Emissionen weitgehend nicht berücksichtigt oder mit Ansätzen adressiert, die zunehmend unhaltbar geworden sind.

OER bietet den Rahmen, um verantwortungsvoll mit diesen Emissionen umzugehen, ohne zu implizieren, dass sie ausgeglichen wurden.
 

Von Kompensation zu Klimabeitrag (Contribution), und warum das für Ihre Klimaschutzstrategie entscheidend ist

Viele Jahre lang haben Unternehmen Klimaschutzprojekte unterstützt und das über Claims wie „klimaneutral" oder „CO₂-neutral" kommuniziert. Die Investitionen dahinter waren real. Doch mit der Zeit wurde die Kommunikation schwieriger. Das Framing hat eine direkte Verbindung zwischen den eigenen Emissionen und den Emissionen suggeriert, die durch die finanzierten Projekte eingespart wurden. Das wurde leicht als Ersatz für die tatsächliche Emissionsreduktion missverstanden.

Das Ergebnis waren wachsende Kritik, rechtliche Risiken, strengere Regulierung und ein zunehmender Trend zum Greenhushing. Unternehmen finanzieren Klimaschutzprojekte weiterhin, schweigen aber öffentlich darüber, aus Angst, in der Kommunikation einen Fehler zu machen. Im Jahr 2025 wurden über 40 Prozent aller CO₂-Zertifikat-Stilllegungen anonym vorgenommen (Carbon Direct, 2026).

OER bietet einen Ausweg aus dieser Situation. Und es bestätigt, was viele Unternehmen bereits getan haben.

Die entscheidende Veränderung besteht in der Weiterentwicklung von Kompensation zu Klimabeitrag. Unternehmen kennen fortlaufende Emissionen offen an und stellen Mittel für globale Klimaschutzmaßnahmen bereit ohne zu behaupten, Emissionen seien damit ausgeglichen.

Dieser Perspektivwechsel ist aus drei Gründen bedeutsam:

  • Er ist ehrlich. OER verlangt von Unternehmen nicht, zu behaupten, ihre Emissionen seien behoben. Es verlangt, diese Emissionen anzuerkennen, eine proportionale finanzielle Verpflichtung einzugehen und diese Mittel in glaubwürdige Klimaschutzmaßnahmen zu investieren.

     

  • Er erweitert, was zählt. Ein OER-Portfolio kann hochwertige CO₂-Zertifikate umfassen, aber auch Forschung und Entwicklung für schwer dekarbonisierbare Sektoren, politisches Engagement, Biodiversitätsschutz, Anpassungsmaßnahmen und Kapazitätsaufbau im Globalen Süden.

     

  • Er verändert die Frage. Es heißt nicht mehr: „Haben wir unsere Emissionen kompensiert?", sondern: „Tragen wir sinnvoll dazu bei, die globale Erwärmung zu begrenzen?" Das ist eine ehrlichere, robustere und letztlich besser vertretbare Position.

 

Die gute Nachricht: Wer Klimaschutzprojekte finanziert, betreibt bereits OER

Wenn Ihr Unternehmen CO₂-Zertifikate kauft, Klimaschutzprojekte finanziert oder Maßnahmen jenseits der eigenen Wertschöpfungskette unterstützt, beschreibt OER mit hoher Wahrscheinlichkeit genau das, was Sie bereits tun, auch wenn Sie es bisher nicht so genannt haben.

Und jetzt gibt es dafür erstmals einen anerkannten Standard und einen anerkannten Claim.

Der SBTi Corporate Net-Zero Standard V2.0 (CNZS 2.0) verankert OER als strukturiertes Framework. Abhängig vom Umfang des finanziellen Beitrags und ihres Portfolio-Ansatzes können Unternehmen den Status „Recognised", „Advanced" oder „Leadership" erreichen. Ab 2035 wird OER für viele Unternehmen unter dem Standard verpflichtend. Für alle Unternehmen, die neue SBTi-Ziele setzen, gilt CNZS 2.0 schon ab Januar 2028.

Das bedeutet: Unternehmen, die bereits OER-Maßnahmen finanziert haben, haben jetzt die Sprache und einen Standard, um ihre Aktivitäten klar und selbstbewusst zu kommunizieren.

Was bedeutet OER für Ihr Unternehmen?

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Die Rolle von CO₂-Zertifikaten in einem OER-Portfolio

CO₂-Zertifikate sind nicht das einzige Instrument in einem OER-Portfolio, aber sie bleiben ein wichtiges, und ihre Rolle ist jetzt klarer definiert.

Im Rahmen eines OER-Ansatzes fungieren CO₂-Zertifikate als Mechanismus zur Unterstützung globaler Klimaschutzmaßnahmen, nicht als Bilanzausgleich. Dieser Unterschied ist entscheidend: Er entkoppelt den Einsatz von CO₂-Zertifikaten von Kompensations-Claims, reduziert das Risiko von Doppelzählung und ermöglicht es Unternehmen, Klimaschutz zu finanzieren, ohne die Auswirkungen auf die eigenen Emissionen zu übertreiben.

Die Infrastruktur des Voluntary Carbon Market (VCM) – etablierte Methoden, unabhängige Verifizierung, öffentliche Register, Zusätzlichkeitsstandards – bietet genau die Transparenz und Rechenschaftspflicht, die Contribution Claims erfordern. Hochwertige CO₂-Zertifikate, einschließlich solcher, die mit den Core Carbon Principles des ICVCM übereinstimmen, können eine zentrale Rolle in einem gut konzipierten OER-Portfolio spielen.

Was sich unter OER ändert, ist nicht, ob CO₂-Zertifikate eingesetzt werden, sondern wie sie positioniert und kommuniziert werden: als Instrumente zur Finanzierung globaler Klimaschutzmaßnahmen auf dem Weg zu Net Zero, nicht als Ersatz für interne Reduktionsmaßnahmen.
 

Was der neue Report abdeckt

„Ongoing Emissions: Taking Responsibility" gibt Unternehmen die praktische Grundlage, um aktiv zu werden. Er bespricht einen Business Case für OER, das Festlegen eines glaubwürdigen Budgets, den Aufbau und die Kommunikation eines hochwertigen Portfolios sowie die Rolle von CO₂-Zertifikaten.

Download des Reports auf der Gold Standard-Website →

 

Wie ClimatePartner Sie unterstützen kann

ClimatePartner unterstützt Unternehmen beim Klimaschutz, von der Berechnung des Corporate Carbon Footprints und dem Setzen ambitionierter Reduktionsziele bis zur Beschaffung von CO₂-Zertifikaten und der Entwicklung von OER-Portfolios. Ob Sie ganz am Anfang stehen oder auf jahrelange Klimaschutzinvestitionen aufbauen möchten: Wir helfen Ihnen, einen glaubwürdigen, strategischen OER-Ansatz zu entwickeln, der einer kritischen Prüfung standhält und echte Wirkung erzielt.

Wenn Sie neu im Voluntary Carbon Market sind oder eine solide Wissensgrundlage aufbauen möchten, ist unser Leitfaden „Klimaschutzprojekte finanzieren" ein guter Einstieg. Er erklärt, wie zertifizierte Klimaschutzprojekte und der Voluntary Carbon Market funktionieren, welchen Einfluss Artikel 6 und Doppelzählung haben, was Unternehmen glaubwürdig kommunizieren können, und wie sich Contribution Claims vom klassischen Offsetting unterscheiden.


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