Supplier Engagement für Scope 3
23. Juli 2026Wie Lieferanteneinbindung gelingt
Primärdaten von Lieferanten zu erhalten, ist die Königsdisziplin in der Scope-3-Bilanzierung. Rückmeldequoten sind oft gering. Und selbst wenn Daten übermittelt werden, sind sie häufig nicht vergleichbar, da für die Erfassung unterschiedliche Methoden genutzt wurden. Unternehmen, die Primärdaten nutzen möchten, priorisieren Lieferanten, vereinfachen die Datenübermittlung und binden den Einkauf in die Nachhaltigkeitsstrategie ein.
Warum Lieferanten oft nicht auf Datenanfragen reagieren
In einer Befragung mit 315 Nachhaltigkeitsexpert:innen aus 18 Branchen von Sphera, gaben knapp 80 Prozent der Befragten an, dass fehlende Lieferantendaten die größte Barriere beim Scope-3-Reporting darstellen.
Fast die Hälfte der Datenanfragen bleibt unbeantwortet. Viele Lieferanten werden zum ersten Mal zu einem Product Carbon Footprint aufgefordert. Besonders kleineren und mittelständischen Unternehmen fehlen Ressourcen, Budget und Expertise für die Berechnung.
Doch selbst erfahrenere Lieferanten stoßen an ihre Grenzen: Anfragen kommen oft von mehreren Kunden gleichzeitig, mit unterschiedlichen Anforderungen und auf verschiedenen Plattformen.
In einer Umfrage der Scope 3 Peer Group aus 2025 mit 58 Lieferanten stechen drei Herausforderungen besonders hervor:
- Hoher Zeitaufwand: Datenerhebung und Reporting binden Kapazitäten
- Kosten: Besonders für KMU ohne dedizierte Nachhaltigkeitsteams
- Zweifel am Nutzen: Lieferanten bezweifeln, ob die eingereichten Daten überhaupt verwendet werden
Dabei geht der Blick auf die Vorteile für die Lieferanten unter und der unternehmerische Mehrwert der CO2-Bilanzierung bleibt unsichtbar, nämlich Kosteneinsparungen, Wettbewerbsvorteile und mehr Transparenz in der eigenen Lieferkette.
Praxisleitfaden für die Scope-3.1-Reduktion
In unserem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie schrittweise auf lieferantenspezifische Primärdaten umsteigen, Scope 3.1 reduzieren und die Lieferkette gezielt in die Dekarbonisierungsstrategie einbinden.
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Vier Prinzipien für wirksames Supplier Engagement bei Scope 3
Effektive Lieferanteneinbindung beginnt nicht mit einem Fragebogen, sondern einem klaren Prozess im Einkauf.
Wer Datenanforderungen bereits beim Vertragsabschluss mit Lieferanten mitdenkt, schafft Verbindlichkeit von Anfang an. PCF-Daten werden so zum festen Bestandteil der Lieferbedingungen. Vier Prinzipien machen den Unterschied zwischen einer einmaligen Datenanfrage und einem funktionierenden Scope-3-System.
1. Auf emissionsrelevante Lieferanten fokussieren
In den meisten Lieferketten konzentrieren sich die Scope-3.1-Emissionen auf wenige Lieferanten.
Wer diese zuerst adressiert, erzielt schnell sichtbare Ergebnisse. Priorisierung unterstützt das eigene Team genauso wie Ihre Lieferanten. Es hilft, Lieferanten nicht nur nach Emissionen zu priorisieren, sondern auch nach ihrem Reifegrad; Lieferanten mit Erfahrung in der CO₂-Bilanzierung liefern schneller bessere Daten und dienen als Referenz für andere. Wer hingegen alle Lieferanten gleichzeitig anschreibt, bekommt zwar möglicherweise viele Rückmeldungen, jedoch sind diese oft unvollständig.
Beispiel: Ein Hersteller von Multivitaminsaft bezieht Orangenkonzentrat, Verpackung, Zucker und Aromen. Orangenkonzentrat und Verpackung verursachen den Großteil der Emissionen. Setzt der Safthersteller dort zuerst an, gewinnt er schnell eine belastbare Datenbasis, ohne alle Lieferanten gleichzeitig zu kontaktieren.
2. Aufwand auf Lieferantenseite minimieren
Die größte Hürde beim Supplier Engagement für Scope 3 ist fehlendes Verständnis.
Die Anfrage von Lieferantendaten setzt einen Perspektivwechsel voraus. Der Käufer denkt in Scope-3-Kategorien und Reporting-Anforderungen. Der Lieferant denkt in Produktionsprozessen, Kosten und Kapazitäten. Wer diese Lücke überbrückt, erleichtert die Lieferanteneinbindung.
Hinzu kommt, dass manche Lieferanten von mehreren Kunden gleichzeitig Anfragen in unterschiedlichen Formaten und über unterschiedliche Plattformen erhalten. Wer auf etablierte, interoperable Standards setzt, reduziert diesen Aufwand und erhöht die Bereitschaft zur Teilnahme.
Beispiel: Der Orangenlieferant weiß nicht, was „Cradle-to-gate PCF nach PACT-Methodik" bedeutet. Er weiß aber, wie viel Wasser, Energie und Düngemittel er pro Tonne Konzentrat einsetzt. Das in dem Wording abzufragen, das der Lieferant kennt, erleichtert den Datenaustausch.
3. Teilnahme als Mehrwert positionieren
Ein PCF ist wiederverwendbar. Lieferanten können ihn mit jedem Kunden teilen, der ihn anfordert. Angesichts steigender Anforderungen im Einkauf werden das zunehmend mehr.
Lieferanten, die belastbare Emissionsdaten liefern, werden in Ausschreibungen bevorzugt, erhalten längere Vertragslaufzeiten oder Zugang zu günstigeren Finanzierungskonditionen über Supply-Chain-Finance-Programme. Wer den Prozess der Datenerhebung als gemeinsamen Mehrwert kommuniziert statt als Compliance-Anfrage, motiviert Lieferanten zur Teilnahme.
Beispiel: Der Safthersteller teilt seinem Orangenlieferanten mit, dass Lieferanten mit validierten PCF-Daten bei der nächsten Ausschreibung bevorzugt bewertet werden. Der Lieferant investiert in die Berechnung; nicht aus Pflicht, sondern weil er einen konkreten Nutzen hat.
4. Den Einkauf befähigen
Supplier Engagement scheitert oft auch schon bei den Unternehmen, die Daten anfordern.
Einkauf, Nachhaltigkeit und Finanzen ziehen nicht am gleichen Strang. Verantwortliche im Einkauf, die nicht verstehen, was ein PCF ist, welche Methodik dahintersteht und warum die Datenqualität entscheidend ist, können das Thema nicht vorantreiben. Wer Dekarbonisierung in Einkaufs-KPIs, Lieferantenbewertungen und Vertragsverhandlungen integriert, gibt dem Einkauf das Mandat und das Wissen, um sie in der Lieferkette umzusetzen.
Beispiel: Der Einkäufer beim Safthersteller verhandelt jährlich den Orangenkonzentrat-Vertrag. Wenn er nicht erklären kann, warum ein Cradle-to-gate PCF relevant ist und was eine belastbare Berechnung ausmacht, wird der Lieferant das Thema nicht ernst nehmen. Wenn er es kann, und PCF-Daten Teil der Lieferantenbewertung sind, hat er ein Argument.
Wie Gebr. Heinemann Lieferanten in Scope 3 einbindet.
Gebr. Heinemann, einer der führenden Duty-free-Händler weltweit, hat sich SBTi-validierte Reduktionsziele gesetzt und den eigenen Scope-1- und -2-Fußabdruck seit 2019 um 50 Prozent reduziert. Der nächste Schritt passiert in der Lieferkette: Scope 3 macht den Großteil der Gesamtemissionen aus.
Gemeinsam mit ClimatePartner hat Heinemann ein Programm entwickelt, das Hürden senkt und Lieferanten unterstützt:
- Lieferanten erhalten bedarfsgerechte Schulungen, zugeschnitten auf ihren Reifegrad. Heinemann übernimmt die Kosten.
- Die Lieferanten profitieren von Sonderkonditionen für ihre PCF-Berechnungen mit ClimatePartner.
- Lieferanten wählen ihr Berechnungstool frei. Lieferanten müssen keine einheitliche Berechnungsmethode anwenden.
Heinemann akzeptiert alle gängigen PCF-Methodiken und verlangt lediglich die Übermittlung des finalen Emissionswerts.
Supplier Engagement mit ClimatePartner
Network by ClimatePartner macht Lieferanteneinbindung einfach. Lieferanten berechnen ihren PCF einmal – bei Bedarf mit Unterstützung von ClimatePartner – und teilen ihn direkt über die Plattform mit ihren Kunden. Validierte Daten fließen automatisch in die CO2-Bilanz des Käufers ein. Lieferanten können bestehende PCFs kostenfrei hochladen und mit ihren Kunden teilen. Das Feature ist für ClimatePartner-Hub-Kund:innen kostenfrei.
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