Zahlen und Fakten zum Klimawandel: was passiert hier gerade? Und vor allem: was kommt auf uns zu?

11. August 2026

Von Klaus Reisinger, ClimatePartner Österreich

Ich schreibe diesen Artikel in der Kalenderwoche 31, also in der Zeit vom 3-10. August 2026. Medien berichten über Rekord-Temperaturen. Eine kurze Recherche führt mich auf ORF.at, dort lauten die ersten beiden Schlagzeilen:„41 Grad, Neuer Höchstwert in Österreich gemessen“ und „Wasserknappheit: Lage in Teilen Österreichs prekär“.

Was sagt die Wissenschaft? 

Ich habe mich bereits in den 90er Jahren bei meinen TU-Wien-Forschungsprojekten mit den Themen CO2 und Klimawandel beschäftigt. Die Existenz des vom Menschen verursachten Klimawandels wurde in der damaligen Zeit durchaus kontrovers diskutiert. Nachdem die Politik für Ihre Entscheidungen verlässliche und übereinstimmende wissenschaftliche Aussagen benötigt, wurde bereits im Jahr 1988 das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change), auch „Weltklimarat“ genannt. Die Hauptaufgabe war es, die Forschung zu diesem Thema zu sichten, zu bewerten und daraus Konsens abzuleiten, welcher in Sachstandberichten periodisch veröffentlich werden sollte. Dafür sollten mehrere tausend Wissenschaftler:innen als aller Welt eingebunden werden, um zu forschen und über ihre Ergebnisse zu berichten.

Dem Weltklimarat IPCC wurden zu Beginn dieses Jahrhunderts unter anderem folgende drei Fragen gestellt:

  • Findet der Klimawandel tatsächlich statt?
  • Wenn ja: Sind Menschen dafür verantwortlich?
  • Wenn wieder ja: was können wir dagegen unternehmen?

Das IPCC bringt im Wesentlichen alle 5 bis 6 Jahre einen neuen Sachstandsbericht heraus. Die Antworten auf die obigen Fragen wurden im Laufe der Jahre immer deutlicher. Die erste Antwort gab bereits der vierte Sachstandbericht aus dem Jahr 2007. Dort bereits wurde klar und deutlich die Frage, „ob der Klimawandel stattfindet“, mit „Ja“ beantwortet. Auch die zweite Frage, „ob der Mensch dafür verantwortlich ist“, wurde mit „Ja“ beantwortet, wenngleich weniger deutlich -  die offizielle deutsche Übersetzung spricht von „klaren Belegen, dass die Erwärmung menschlichen Aktivitäten zuzuschreiben ist“. Auf die Frage, „was dagegen unternommen werden kann“, antwortet das IPCC mit Szenarien, die zeigen, dass dem Klimawandel zunächst nur mit einem raschen und vollständigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen begegnet werden kann. Da diese Formulierungen nicht nur wissenschaftlich abgesichert und gut aufbereitet (besonders die „Summary for Policy Makers“), sondern auch bahnbrechend waren, weil diese eben im Konsens aller beteiligten Parteien erstellt wurden, bekam das IPCC im Jahr 2007 den Friedensnobelpreis verliehen. Somit konnte das IPCC bereits 2007 die dringendste Umweltfrage unserer Zeit im Konsens so klar und deutlich wie möglich beantworten, eine Leistung, welche bis heute respektiert wird. 

Weitere Sachstandberichte erschienen 2013 (fünfter) und 2021 (sechster). Im Laufe der Jahre wurden die Aussagen darin immer deutlicher. Wenn die Aussagen im vierten Bericht noch durch die Formulierung „very likely“ (das wurde landläufig mit einer 95-prozentigen Wahrscheinlichkeit übersetzt) abgeschwächt wurden, konnte man im fünften Bericht die Formulierung „extremely likely“ und im sechsten Bericht „unequivocally“ (also unwidersprochen) lesen. Mehr wissenschaftliche Klarheit finden wir kaum bei einem anderen Thema, weder in Fragen der Medizin noch in Fragen der Religion gibt es einen solchen deutlichen wissenschaftlichen Konsens. 

Der Klimawandel wurde zu einer Zeit vorhergesagt, wo es ihn praktisch noch nicht gab. In der Theorie hängen CO2 und Temperatur seit vielen tausenden Jahren zusammen, zumindest seit Menschen unsere Erde bevölkern. Die laufende deutliche Erhöhung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre konnte man mit Messgeräten leicht feststellen, daher wurde ein ebenso deutlicher Anstieg der Temperatur prognostiziert, welche sich zunächst nicht einstellte, da unser Planet ein sehr träges System ist und die Erwärmung daher erst zeitverzögert eintritt. 

Konkret konnte gemessen werden, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre währen der letzten 400.000 Jahren stets zwischen 180 und 300ppm schwankte. CO2-Konzentration und Temperatur korrelierten in dieser Zeit mit sehr großer Übereinstimmung, CO2-Werte von fast 300ppm ließen die durchschnittliche Erdoberflächen-Temperatur auf mehr als 15° C steigen, durchschnittliche CO2-Werte von 240ppm hingegen lösten Temperaturen von etwa 13° aus und CO2-Werte von 180ppm führten zu Werten unter 11°. Eiszeiten waren die Folge. Die Veränderungen erfolgten über mehrere Jahrtausende, die Vegetation, die Biosphäre und zum Schluss auch die Menschen hatten Zeit, sich auf die klimatischen Veränderungen anzupassen, welche gravierende Veränderungen der Pflanzen- und Tierwelt auslöste. 

Seit Jahrzehnten können wir den aktuellen CO2-Wert in der Atmosphäre an vielen Messstellen der Erde messen. Die Berechnung des Mittelwertes zeigt, dass der CO2-Gehalt zwar jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen ist, aber kontinuierlich von Jahr zu Jahr steigt. Am 1. Mai 2026 wurde mit 433ppm die höchste bisher festgestellte CO2-Konzentration in unserer Atmosphäre gemessen, somit haben wir deutlich den Bereich historischer Werte zwischen 180 und 300ppm verlassen, wir befinden uns auf „unbekanntem Gebiet“. Nachdem CO2 und Temperatur eben sehr stark korrelieren, wurde von Wissenschaftler:innen für die Zukunft eine deutliche Temperaturerhöhung vorausgesagt. 

Die vorhergesagte Temperaturerhöhung findet statt: Sie folgte zwar mit Verzögerung, konnte inzwischen aber zweifelsfrei festgestellt werden. Jede der vier letzten Dekaden war deutlich wärmer als sämtliche Dekaden davor:

  • Die ersten beiden Dekaden im 21ten Jahrhundert waren bereits mehr als 1 °C wärmer als der Durchschnitt 1850-1900
  • Der 22.7.2024 war der bisher heißeste Tag in der Geschichte der Menschheit
  • Das Jahr 2024 hat erstmals die 1,5 °C Grenze überschritten
  • Das Jahr 2025 belegt Platz 3 in der „ewigen“ Rangliste
  • Die letzten drei Jahre (2023-2025) lagen im Schnitt bereits 1,5 °C über der vorindustriellen Zeit und damit über dem Paris-Ziel
  • Das Jahr 2026 ist noch nicht zu Ende, viele Temperaturrekorde wurden aber auch in diesem Jahr bereits gebrochen
     

Was kommt auf uns zu? 

„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ Dieses Zitat, das oft dem dänischen Naturwissenschaftler Niels Bohr zugeschrieben wird, passt zur Frage, welche Auswirkungen die Klimakrise auf den Planeten haben wird. Unzählige Veröffentlichungen zu diesem Thema wurden publiziert, die  nicht immer alle übereinstimmen. Nachdem aber auch  bisherigen Voraussagen betreffend Temperaturerhöhung und deren Auswirkungen, allesamt eingetreten sind, wäre es ratsam, auch die Prognosen über die künftige Entwicklung sehr ernst zu nehmen: Es besteht sehr breiter Konsens, dass eine weitere deutliche Erhöhung der globalen Temperatur stattfinden wird. Über das Ausmaß gehen die Meinungen auseinander; die meisten Prognosen gehen von einem Temperaturanstieg zwischen 3 bis 4 Grad bis zum Jahr 2100 aus. 

Die globale Temperatur-Erhöhung hat den Wert von 1,5 °C bereits überschritten und sämtliche Vorhersagen über die Konsequenzen daraus wie Hitze, Dürre, Überschwemmungen und Ernteeinbußen sind bereits eingetreten sind. Spätestens dieser Sommer beweist, dass die Prognosen valide waren. Wie aber geht es weiter?

Wissenschaftler:innen sagen, dass ein Temperaturanstieg von 2 °C bis zum Ende dieses Jahrhunderts verheerende Folgen haben wird, da besonders exponiert gelegene Städte durch die Hitze zeitweise nahezu unbewohnbar würden. Extremwetterereignisse werden besonders häufig auftreten und auch das Artensterben verstärkt sich.

Bei einem durchschnittlichen Temperaturanstieg von 3 °C sind in Deutschland und Österreich etwa +6 °C zu erwarten, da für Europa ein besonders starker Temperaturanstiegt vorhergesagt wird. Damit wäre es in Berlin wärmer als in Madrid heute. Die Anzahl von extremen Wetterereignissen, ob Hitzewellen, Überschwemmungen oder Stürme, würde deutlich zunehmen. In den meisten Regionen der Welt brächte dies einen erheblichen Rückgang der Nahrungsmittelproduktion mit sich. Ein Großteil der gegenwärtig lebenden Pflanzen und Tiere sind an derartige Bedingungen nicht angepasst. Fast alle Korallen wären tot und würden von Algen überwachsen. 

Ein Temperaturanstieg von 4 °C bedeutet, dass Zustände wie im Hitzesommer 2026 in Europa normal würden, die Spitzenwerte während Hitzeepisoden lägen um 8 °C höher. Spitzenwerte in China lägen um 6 bis 8 °C höher als die höchsten in den letzten Hitzeperioden dort gemessenen Werte und in New York würden bei Hitzewellen die Maxima um 10 bis 12 °C in die Höhe klettern. Fast 75 Prozent der Weltbevölkerung wäre zeitweise tödlicher Hitze ausgesetzt. Der Temperaturanstieg wäre für die meisten Ökosysteme verheerend, es würde Lebensmittelknappheit herrschen und die Ernährung der Weltbevölkerung wäre nicht gesichert. 
Lassen Sie mich es mit meinen Worten sagen: Es gibt keine Gewissheit, dass eine Anpassung an eine 4-°C-Welt überhaupt möglich ist, oder anders formuliert: Eine 4-°C-Zukunft ist unvereinbar mit einer organisierten globalen Gemeinschaft. 

Noch haben wir Hoffnung, denn wie weiter oben bereits geschrieben: „Prognosen sind dann schwer, wenn sie die Zukunft betreffen“. Daher sind die angegebenen Szenarien keinesfalls abgesichert, sondern im Gegenteil mit großen Unsicherheiten behaftet. 

Das Risiko ist aber zu groß, um es auf einen Versuch ankommen zu lassen, daher müssen aus Sicht der Wissenschaft unverzüglich und konsequent Lösungen umgesetzt werden, um der Klimakrise Einhalt zu gebieten.

Was können wir tun?

Die Lösungen liegen auf dem Tisch, uns bleiben lediglich drei Optionen:

  •  Ausstieg aus sämtlichen fossilen Brennstoffen zum ehest möglichen Zeitpunkt
  • Erhöhung der Kapazität von CO2-Senken, die CO2 binden
  • Wenn all das nicht mehr hilft: Geo-Engineering

Ausstieg aus den Fossilen 

Zur ersten Option dem sofortigen und vollständigem Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas gibt es hinreichend Literatur, die Lösungsmöglichkeiten wurden in der Theorie mehr als ausführlich beschrieben. Trotzdem muss ich nach mehr als 30 Jahren Tätigkeit im Klimaschutz feststellen, dass Theorie und Praxis weit auseinanderliegen: die angesagte Revolution hin zu erneuerbaren Energieträgern findet einfach nicht (oder nur zu langsam) statt. Aus wissenschaftlicher Sicht muss festgestellt werden, dass allein der solare Eintrag, welcher uns von der Sonne „gratis“ zur Verfügung gestellt wird, ausreichen würde. Denn die Sonne liefert etwa 1,5x1018kWh, das entspricht etwa dem 10.000fachen des Weltenergiebedarfs der Menschheit: es wäre genug erneuerbare Energie für alle da. Warum diese CO2-freie Energiequelle nicht stärker genutzt wird und warum noch immer fossile Energie subventioniert wird, entzieht sich jeder Logik, vielen Klimawissenschaftler:innen fehlt inzwischen auch das Verständnis dafür. 

Investition in CO2-Senken

Hier kommen Klimaschutzprojekte ins Spiel, denn diese stellen eine einfache Möglichkeit dar, CO2 wieder aus der Luft zu entfernen und in Biomasse umzuwandeln, ein konkretes Beispiel dafür sind Aufforstungsprojekte. CO2-Senken werden von Unternehmen oft unterstützt, um Verantwortung für eigene Emissionen zu übernehmen. Das erwähne ich nicht nur, weil ClimatePartner dazu eine Reihe von Lösungen bietet, sondern weil es kaum ein Thema gibt, welches sich für ein globales Handelssystem besser eignet als der Handel mit CO2-Zertifikaten. Dafür gibt es folgende Gründe:

Verweildauer: Die mittlere Verweildauer von CO2 beträgt inzwischen deutlich mehr als 100 Jahre. Dies ist der Grund dafür, dass die CO2-Konzentration überall auf der Welt ähnlich ist, Winde sorgen rasch für den Ausgleich von regionalen Unterschieden. Daher ist es in der Klimakrise unerheblich, wo emittiert wird. Umgekehrt ist es genau so unerheblich, wo CO2 eingespart wird, es ist jede Tonne CO2 gleich viel wert. 

Kosteneffizienz: Die CO2-Einsparung soll vorwiegend dort erfolgen, wo der maximale Nutzen erzielt werden kann. Wenn nur eine beschränkte Summe an Geld für solche Einsparungen zur Verfügung steht, dann soll das Geld dort investiert werden, wo damit am meisten CO2 eingespart werden kann. 

Planetare Grenzen: Die Klimakrise ist ein globales Problem mit unterschiedlichen Ausprägungen je nach Entwicklungsstand und geografischer Lage einzelner Staaten. Sollte die Klimakrise jedoch so weit voranschreiten, dass die planetaren Grenzen überschritten werden, dann sind alle Menschen auf diesem Planeten in Gefahr. Ein globales Problem erfordert daher auch eine globale Lösung, der Emissionshandel ist eine davon.

Geo-Engineering

Dieses Thema muss der Vollständigkeit halber als dritte Lösungsmöglichkeit erwähnt werden. Sollten die obigen ersten beiden Optionen (Raus aus den Fossilen und Erhöhung der Kapazität von Senken) tatsächlich nicht ausreichen, dann muss sich die Weltgemeinschaft überlegen, ob die Welttemperatur technisch „repariert“ werden kann. Im Prinzip ist das für mich aber russisches Roulette mit unserem einzigen Planeten, die Technologien gibt es noch nicht oder diese sind noch nicht ausgereift. Daher lehne ich als Naturwissenschaftler Geo-Engineering ab, solange die ersten beiden Optionen nicht vollständig ausgeschöpft sind. 

Klimaschutzprojekte unterstützen mit ClimatePartner

Spätestens dieser Sommer hat gezeigt, dass die Vorhersagen der Klimaforscher:innen in Bezug auf die Auswirkungen der Klimakrise eintreffen. Daher sollten wir jetzt endlich beginnen, rasch jene Maßnahmen zu ergreifen, welche den Klimawandel verlangsamen können, eine davon sind Investition in Klimaschutzprojekte. ClimatePartner bietet hier als einer der führenden Anbieter in Europa eine Reihe von Möglichkeiten an. Denn neben dem raschen und vollständigen Ausstieg aus fossilen Energien, stellen Klimaschutzprojekte eine effiziente und unverzichtbare Klimaschutz-Maßnahme dar.

 Mehr Erfahren