Der Weg zu Net Zero
Wenn es um Zielsetzungen im Klimaschutz geht, ist häufig von Net Zero (oder „Netto Null“) die Rede. Aber was bedeutet das eigentlich?
Checkliste herunterladenWas ist eine Net-Zero-Strategie?
Die Entwicklung einer Net-Zero-Strategie ist ein langfristiger Prozess. Der Kern einer Net-Zero-Strategie eines Unternehmens besteht darin, die eigenen CO₂-Emissionen erheblich zu reduzieren und verbleibende Emissionen zu neutralisieren.
Dafür bewerten Sie im ersten Schritt Ihre Ausgangssituation: Sie berechnen Ihren CO₂-Fußabdruck und identifizieren Emissions-Hotspots. Zusätzlich zu den standardmäßigen Net-Zero-Anforderungen sollten Sie die für Ihr Unternehmen relevanten Chancen und Risiken bewerten: Welche Faktoren beeinflussen, ob Sie die gesetzten Ziele erreichen können? Und ist die Verpflichtung zu Net Zero derzeit umsetzbar? Erst dann können Sie sich konkrete Ziele setzen.
Um zu beurteilen, ob die Net-Zero-Strategien von Unternehmen dem neuesten Stand der Wissenschaft entsprechen, hat die Science Based Targets initiative (SBTi) den Corporate Net Zero-Standard eingeführt. Basierend auf den Empfehlungen des Weltklimarats (IPCC) hat die SBTi Methoden und Kriterien entwickelt, mit denen sich Unternehmen wissenschaftlich fundierte Net-Zero-Ziele setzen können, die mit der Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs auf 1,5 °C vereinbar sind. Der Corporate Net Zero-Standard deckt die gesamte Wertschöpfungskette eines Unternehmens ab, also Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen.
Unternehmen verantworten sich, indem sie sich öffentlich zu einem Net-Zero-Ziel verpflichten: Die SBTi validiert die Ziele; danach werden die Fortschritte des Unternehmens auf der SBTi-Website öffentlich gemacht.
Was ist Net Zero?
Warum Net Zero für Unternehmen wichtig ist
Die Auswirkungen des Klimawandels sind bereits überall spürbar: Steigende Temperaturen, anhaltende Dürre- und Trockenperioden, Hitzewellen, Überschwemmungen und andere Extremwetterereignisse nehmen immer mehr zu. Das wird sich in naher Zukunft verschärfen, wenn Treibhausgasemissionen nicht schnell und deutlich reduziert werden.
Die Klimakrise ist auch eine humanitäre Krise. Die Länder, die am wenigsten zur globalen Erwärmung beitragen, sind am stärksten von ihren Folgen betroffen. Hitzewellen, Dürreperioden, Stürme und Überschwemmungen treffen besonders die Regionen des Globalen Südens.
Doch auch Unternehmen und ihre Lieferketten sind von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen und profitieren davon, Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen. Laut dem Tyndall Centre for Climate Change Research ist klar: Je stärker die globale Erwärmung begrenzt wird, desto mehr spart das Kosten und fördert wirtschaftliches Wachstum.
Warum wir Net Zero erreichen müssen
Das Pariser Abkommen legt fest, dass der globale Temperaturanstieg auf 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau begrenzt und bis 2050 Netto-Null-Emissionen erreicht werden müssen.
Dafür bleibt nicht mehr viel Zeit: Sogenannte Rückkopplungseffekte verschärfen die Klimakrise. Dabei handelt es sich um eine zyklische Kettenreaktion: Wenn sich die Atmosphäre erwärmt, verdunstet mehr Wasser aus Ozeanen und Flüssen. Der entstehende Wasserdampf speichert mehr Wärme und verstärkt dadurch den Erwärmungseffekt – es entsteht ein Kreislauf, der sich fortsetzt.
Sogenannte Kipppunkte sind kritische Schwellenwerte, bei deren Überschreitung große, unumkehrbare Veränderungen im System eintreten. Ein Beispiel ist das dauerhafte Abschmelzen des grönländischen Eisschildes, das zu einem Anstieg des Meeresspiegels führt.
Rückkopplungseffekte und Kipppunkte beschleunigen den Klimawandel, sodass uns für dessen Eindämmung immer weniger Zeit bleibt. Wir müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen in den kommenden Jahren halbieren, um das Net-Zero-Ziel bis 2050 zu erreichen.
Vier wichtige Schritte auf dem Weg zu Net Zero
Um das Net-Zero-Ziel zu erreichen, müssen wir bereits weit vor 2050 – idealerweise vor 2030 – deutlich emissionsärmer wirtschaften. Unternehmen aller Branchen und Größen spielen also eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels und beim Übergang zu einer Wirtschaft mit Netto-Null-Emissionen.
Schritt 1: CO₂-Fußabdruck berechnen
Zuerst muss jedes Unternehmen seinen CO₂-Fußabdruck genau verstehen, bevor dieser auch reduziert werden kann. Der CO₂-Fußabdruck eines Unternehmens umfasst die Gesamtmenge aller Treibhausgase, die direkt oder indirekt durch eigene Aktivitäten ausgestoßen werden. Das Greenhouse Gas Protocol gibt einen globalen, standardisierten Rahmen vor, um diese Gesamtmenge präzise zu berechnen.
Gemäß dem GHG-Protocol werden Ziele festgelegt, die folgende drei Scopes abdecken:
- Scope 1: Umfasst alle Emissionen, die direkt von Ihrem Unternehmen freigesetzt werden, beispielsweise durch Firmenfahrzeuge und Betriebsstätten
- Scope 2: Umfasst indirekte Emissionen, die Ihr Unternehmen verursacht, etwa durch den Stromverbrauch Ihrer Gebäude
- Scope 3: Umfasst alle weiteren Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, einschließlich Rohstoffe, Logistik, Geschäftsreisen des Teams und den Arbeitsweg der Mitarbeitenden
Auch jedes Produkt und jede Dienstleistung wirken sich auf das Klima aus. Bei der Berechnung des Product Carbon Footprints wird die Menge der Treibhausgasemissionen berechnet, die während des gesamten Lebenszyklus eines Produkts entstehen oder verbraucht werden – von Rohstoffen über Herstellung und Verpackung bis hin zum Transport. Das ermöglicht es Ihnen, Ihre Produkte nachhaltiger zu gestalten und Produktionskosten langfristig zu senken.
Schritt 2: Reduktionsziele setzen
Die deutliche Reduktion der CO₂-Emissionen Ihres Unternehmens ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zu Net Zero. Dafür gibt es viele Maßnahmen für Unternehmen jeder Größe, zum Beispiel:
- Materialien: Verwendung recycelter Materialien, wie der Einkauf von Recyclingpapier und die Zusammenarbeit mit nachhaltigen Lieferanten
- Transport: Förderung der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder von Fahrgemeinschaften bei Geschäftsreisen, Umstellung auf Hybrid- oder vollelektrische Firmenwagen, deutliche Reduzierung von Flügen
- Kommunikation: Umstellung auf Online-Meetings und Online-Veranstaltungen
- Betriebsstätten: Verbesserung der Effizienz bestehender Energieanlagen; Bezug von Energie aus erneuerbaren Quellen
- Investitionen: Investitionen in effiziente Technologien, die CO₂-Emissionen und Kosten reduzieren
Schritt 3: Klimaschutzprojekte finanzieren
Auch nach einer deutlichen Reduktion verbleiben Emissionen, da ein emissionsfreies Wirtschaften (noch) nicht möglich ist. Um den Kohlenstoffkreislauf der Erde wieder ins Gleichgewicht zu bringen, müssen wir daher zusätzlich restliche Emissionen aus der Atmosphäre entfernen.
Der Kohlenstoffkreislauf oder Kohlenstoffzyklus besteht unter anderem aus Quellen, die CO2 emittieren, und Senken, die mehr CO2 aufnehmen, als sie abgeben - zum Beispiel Pflanzen, das Meer oder der Boden. Sie dienen als natürliche Speichersysteme für CO2. Dieses System war lange in einem natürlichen Gleichgewicht, bis es durch den Menschen gestört wurde.
Klimaschutzprojekte, die die Aufforstung oder den Ausbau erneuerbarer Energien fördern, tragen zur Wiederherstellung dieses Kreislaufs bei und helfen gleichzeitig, die UN-Ziele für Nachhaltige Entwicklung (SDGs) weltweit zu erreichen. Die Finanzierung von Klimaschutzprojekten allein ist keine Alternative zur Reduktion von CO2-Emissionen, sondern ergänzt sie.
Schritt 4: Fortschritte kommunizieren
Sobald Sie eine Klimaschutzstrategie in Ihrem Unternehmen etabliert haben, können Sie Ihre Maßnahmen gegenüber Ihren Stakeholdern und Kunden kommunizieren. Eine transparente und glaubwürdige Klimaschutzkommunikation bringt Unternehmen voran: Sie stärken damit Ihre Marke und gewinnen Unterstützung für Ihre Ziele.
Entwickeln Sie Ihre Net-Zero-Roadmap
ClimatePartner unterstützt Unternehmen mit verschiedenen Lösungen auf dem Weg zu Net Zero. Unsere Expert:innen erarbeiten gemeinsam mit Ihnen eine Klimaschutzstrategie mit ambitionierten Reduktionszielen und identifizieren geeignete Reduktionsmaßnahmen über alle drei Scopes hinweg. Darüber hinaus bieten wir ein breites Portfolio an Klimaschutzprojekten, die Sie unterstützen können.
Die ClimatePartner-Zertifizierung hilft Ihrem Unternehmen dabei, die notwendigen Schritte im Klimaschutz zu gehen, Ihre Ziele kontinuierlich zu erreichen und transparent über Ihre Erfolge zu kommunizieren.
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