Wie glaubwürdige Labels entstehen: unser Stakeholder-Dialog zu den Labels „ClimatePartner-zertifiziert“ und „Finanzieller Klimabeitrag“

11. August 2026

Von Dennis Uieß, Head of Methodologies & Standards

Nachhaltigkeitslabel stehen heute unter besonderer Beobachtung. Verbraucher:innen, Gesetzgeber und die Zivilgesellschaft fordern zu Recht, dass Unternehmen ihre Klimaaussagen transparent, wissenschaftlich fundiert und frei von Greenwashing machen.
ClimatePartner hat sich dieser Verantwortung gestellt. Unsere Labels „ClimatePartner-zertifiziert“ und „Finanzieller Klimabeitrag“ sind in einem strukturierten, mehrstufigen Stakeholder-Prozess entstanden. Dabei haben wir interne Fachteams, Kunden sowie unabhängige Expert:innen aus Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Behörden eingebunden.

Das entspricht der EU-Richtlinie hinsichtlich der Stärkung der Verbraucher für den ökologischen Wandel ((EU) 2024/825, die Empowering Consumers Directive, kurz EmpCo), die im deutschen Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) umgesetzt wurde und damit ab 27. September 2026 anwendbar ist: Auch sie verlangt, dass die Anforderungen des Systems zur Vergabe von Nachhaltigkeitssiegeln in Absprache mit geeigneten Interessenträgern ausgearbeitet werden.

Wer war beteiligt?

An der Entwicklung wirkten sowohl interne als auch externe Stakeholder mit.

Interne Stakeholder

Im Juni 2022 haben wir die Entwicklung der Labelkriterien initiiert. Von Beginn an haben wir alle relevanten Fachbereiche eingebunden:

  • Research and Development / Chief Commercial Officer: Projektleitung, methodische Entwicklung und Sicherstellung der wissenschaftlichen Robustheit der Kriterien
  • Consulting Services, Customer Management: Praxisfeedback zur Umsetzbarkeit aus Kundenperspektive, branchenspezifische Anforderungen
  • Expert:innen für Klimaschutzprojekte: Fachliche Einschätzungen zu Contribution-Anforderungen und Projektqualitätsstandards
  • Vertrieb: Markt- und Wettbewerbsperspektive, kommerzielle Tragfähigkeit
  • Rechtsabteilung: Überwachung der regulatorischen Konformität und Nutzung juristisch belastbarer Kriterien-Definitionen

Externe Stakeholder

Parallel zur internen Entwicklung haben wir externe Perspektiven eingeholt:

  • Kunden: Mehr als 30 Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen aus Europa und den USA haben an der Labelstrategie mitgearbeitet, von KMU bis hin zu Großkonzernen aus Konsumgüterbranche, Industrie und Handel.
  • NGOs aus den Bereichen Umweltschutz, Verbraucherschutz und Wirtschaft
  • Wissenschaft: Ein unabhängiges Forschungsinstitut lieferte unabhängige wissenschaftliche Einschätzungen.
  • Prozessbegleitung: Das Collaborating Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP) moderierte den externen Dialogprozess als neutrale Instanz mit über 15 Jahren Erfahrung in Multi-Stakeholder-Prozessen.

Wie hat ClimatePartner den Dialog gestaltet?

Interne Beteiligungsformate

Der interne Entwicklungsprozess startete im Juni 2022 unter Beteiligung der Geschäftsführung und aller relevanten Abteilungsleiter:innen. Im Juli 2022 haben wir die neue Labelstrategie erstmals im firmenweiten All-Hands-Meeting vorgestellt, mit anschließender offener Fragestunde für alle Mitarbeitenden.

Im August und September 2022 folgten bereichsübergreifende Workshops mit Sales- und Customer-Management-Teams, gegliedert nach Branchengruppen. Ab Herbst 2022 boten monatliche „Ask-Me-Anything”-Sessions allen Abteilungen eine kontinuierliche Plattform für Fragen und Verbesserungsvorschläge. Ein firmenweites Champion-Netzwerk mit Ansprechpartner:innen aus jedem Team sorgte für die dezentrale Verankerung des Feedback-Prozesses. Sämtliches Feedback haben wir zentral erfasst und ausgewertet.

Externe Beteiligungsformate

In drei aufeinander aufbauenden Phasen haben wir externe Perspektiven eingebunden, begleitet durch das CSCP:

Scoping (Sommer 2022): In einem SWOT-Workshop haben CSCP und ClimatePartner gemeinsam die wesentlichen Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken des Labelkonzepts identifiziert. Parallel haben wir ausgewählte Kunden in Einzelgesprächen und Online-Workshops zu den Kriterien-Entwürfen befragt.

Bilaterale Fachinterviews (2023): CSCP führte rund zehn vertrauliche Einzelgespräche mit Vertreter:innen aus NGOs, Forschungsinstituten und Behörden. Ziel war es, detailliertes Feedback aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Perspektiven einzuholen und die Bereitschaft für einen konstruktiven, fortlaufenden Dialog zu erkunden.

Trilaterale Round-Table-Meetings (2023): In moderierten Gesprächen im Format ClimatePartner-NGO-CSCP haben die Beteiligten die zentralen Themen vertieft.

Was haben wir diskutiert?

Die Rückmeldungen aus allen Beteiligungsformaten lieferten wertvolle Impulse für die Ausgestaltung der finalen Labelkriterien. Zentrale Themen waren:

  • Transparenz und Verbraucherkommunikation: Die vollständige Offenlegung aller relevanten Informationen zu den durchgeführten Berechnungen und Maßnahmen über die Climate-ID-Website hoben die Stakeholder als wichtiges Qualitätsmerkmal hervor. Sie regten an, die Nutzungsphase von Produkten stärker in die CO₂-Bilanzierung einzubeziehen und die Kommunikation für Verbraucher:innen verständlicher zu gestalten.
  • Emissionsminderung: Externe Stakeholder, insbesondere NGOs, begrüßen, dass ein Label klare, messbare Reduktionsanforderungen enthält. Dieser Paradigmenwechsel weg vom reinen Kompensationsfokus (ehemaliges klimaneutral-Label) wurde durch den Stakeholder-Dialog bestärkt und ist heute ein zentrales Element von „ClimatePartner-zertifiziert“.
  • Beitrag statt Neutralitätsversprechen: Den Ansatz des Labels „Finanzieller Klimabeitrag", den CO₂-Fußabdruck zu berechnen und einen finanziellen Klimabeitrag zu leisten, ohne Klimaneutralität zu beanspruchen, bewerteten verschiedene Stakeholder als sinnvollen Ansatz jenseits von Neutralitätsversprechen.
  • Qualität von Klimaschutzprojekten: Die Stakeholder diskutierten Anforderungen an Drittverifizierung, Projekttypen und die Messbarkeit des tatsächlichen Klimanutzens.

Wie geht es weiter?

Der Stakeholder-Dialog ist ein fortlaufender Prozess. ClimatePartner sammelt und bewertet weiterhin kontinuierlich Feedback unterschiedlicher Stakeholder, sowohl intern als auch extern, und lässt dieses in die Weiterentwicklung der Vergabekriterien einfließen.

Glaubwürdiger Klimaschutz entsteht durch ambitionierte Ziele, die konsequent umgesetzt werden. Ein unabhängig geprüftes Label macht dieses Engagement sichtbar und nachvollziehbar. So entsteht die Glaubwürdigkeit, die die EmpCo-Richtlinie von Nachhaltigkeitsaussagen fordert.

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