Was ist der GHG Protocol Scope 3 Standard? 

Der Corporate Value Chain (Scope 3) Standard des GHG-Protokolls – kurz Scope-3-Standard – bietet Unternehmen Leitlinien, um indirekte Treibhausgasemissionen aus der Wertschöpfungskette zu erfassen und zu berichten.  

Der Scope-3-Standard vereint Expertise aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Er wurde in einem über dreijährigen Entwicklungsprozess mit mehr als 1.600 Stakeholdern erarbeitet, darunter Vertreter:innen aus Forschung, Politik, NGOs und Unternehmen unterschiedlichster Branchen. Das Ergebnis ist ein Standard, den Unternehmen und Organisationen jeder Größe und Branche weltweit anwenden können. 

Wozu wurde der Scope-3-Standard entwickelt? 

Der Scope-3-Standard definiert einheitliche Methoden für eine belastbare Scope-3-Bilanz.

Ziel ist es, dass Unternehmen ihre Emissionen entlang der Wertschöpfungskette verstehen und die größten Hebel zur Reduktion identifizieren. Durch standardisierte Anforderungen macht er Bilanzen vergleichbar und ermöglicht eine transparente Berichterstattung über Emissionen in der Wertschöpfungskette.

Der Standard bleibt nah an den Gegebenheiten und Herausforderungen von Unternehmen. Sie können ihn schrittweise umsetzen: Viele Unternehmen starten mit einer ersten Übersicht und verbessern sukzessive die Qualität ihrer Bilanz.  
Ein Unternehmen kann damit fundierte Entscheidungen über die eigenen Aktivitäten, über eingekaufte Produkte und über das, was es selbst herstellt und verkauft, treffen

Der Scope-3-Standard schafft Vergleichbarkeit und ermöglicht datenbasierte Reduktionsentscheidungen. 

GHG Protocol Scope-3-Standard vs. GHG Protocol Corporate Standard 

Der Scope-3-Standard ergänzt den GHG Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard (2004), das weltweit anerkannteste Instrument zur CO₂-Bilanzierung.  

Der GHG Protocol Corporate Accounting and Reporting Standard legt die Grundlage für die Berechnung von Scope-1- und Scope-2-Emissionen und empfiehlt die Bilanzierung von Scope-3-Emissionen.  

Der Corporate Value Chain (Scope 3) Standard schafft einheitliche Anforderungen für die Bilanzierung und Berichterstattung von Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und baut damit auf dem GHG Protocol Corporate Standard auf.

Abgrenzung zum GHG Protocol Product Standard 

Der Scope-3-Standard und der GHG Protocol Product Standard betrachten beide Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, unterscheiden sich jedoch in der Bilanzierungsebene.  

Mit dem Scope-3-Standard erfassen Unternehmen ihre Emissionen auf Unternehmensebene, mit dem Product Standard auf Produktebene. Zusammen mit dem Corporate Standard bilden sie eine vollständige Methode zur Berechnung und Steuerung von Treibhausgasemissionen.

Die Standards ergänzen sich: Produktdaten, die nach dem Product Standard erhoben wurden, fließen als Primärdaten in die Scope-3-Bilanz ein. Da sich die Daten teilweise überschneiden, empfiehlt es sich, beide Bilanzierungen parallel durchzuführen.

Zusätzlich stellt die Technical Guidance for Calculating Scope 3 Emissions (2013) für 15 Kategorien spezifische Berechnungsmethoden bereit (z.B. eingekaufte Güter, Geschäftsreisen, Nutzung verkaufter Produkte).

Die Revision des Scope-3-Standards (2024 bis heute) 

Der Scope-3-Standard wird derzeit erstmals seit 2011 grundlegend überarbeitet. Die CO2-Bilanzierung soll einheitlicher und vergleichbarer werden und aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie bewährten Methoden entsprechen.  

Im März 2026 legte das GHG Protocol einen ersten Fortschrittsbericht vor. Der fertige Standard soll Ende 2027 erscheinen.  

Die wichtigsten Änderungen im Überblick: 

Hinweis: Die Änderungen sind vorläufig und können sich bis zur öffentlichen Konsultation ändern.

  • Mehr Datentransparenz: Unternehmen müssen künftig offenlegen, wie hoch der Anteil von Primärdaten, aktivitätsbasierten Berechnungen und ausgabenbasierten Schätzwerten in ihrer Bilanz ist.
  • Klarheit bei der Verifizierung: Unternehmen, die ihre Scope-3-Emissionen prüfen lassen, müssen angeben, ob die Bilanz vollständig, teilweise oder gar nicht verifiziert wurde.
  • Aggregierte Lieferantendaten nur noch eingeschränkt zulässig: Bei homogenem Produkt-Portfolio dürfen Lieferantendaten auf einzelne Produkte umgelegt werden. Bei diversifizierten Portfolios sind granulare Daten nötig, etwa auf Werks- oder Geschäftsbereichsebene.
  • 95-Prozent-Pflicht: Unternehmen müssen mindestens 95 Prozent ihrer berichtspflichtigen Scope-3-Emissionen ausweisen und diese jährlich berechnen. Dabei sind vereinfachte Verfahren wie eine Hotspot-Analyse zulässig.
  • Die neue, überwiegend optionale Kategorie 16 erfasst Emissionen aus Aktivitäten Dritter, an denen ein Unternehmen verdient, ohne sie selbst zu besitzen. Beispiel: Eine Online-Reisebuchungsplattform betreibt weder Flugzeuge noch Hotels, verdient aber an jeder vermittelten Buchung.  

Ein vollständiger Entwurf für die öffentliche Konsultation steht noch aus. Unternehmen, die Scope-3-Emissionen erfassen und berichten, sollten die geplanten Änderungen jedoch im Blick behalten. Erfahrungsgemäß dauert es noch zwei bis vier Jahre, bis der revidierte Standard von Regulierungsbehörden und Zertifizierungsstellen verbindlich angewendet wird.  

Warum ist der Scope-3-Standard für Unternehmen relevant? 

Scope-3-Emissionen machen bei den meisten Unternehmen 70 bis 90 Prozent des gesamten CO₂-Fußabdrucks aus. Sie bergen das größte Reduktionspotenzial.  

Wer sie vernachlässigt, trifft Entscheidungen auf unvollständiger Datenbasis. Entscheidend ist dabei nicht nur, dass Scope-3-Emissionen erfasst werden, sondern wie. Der Scope-3-Standard liefert dafür einheitliche Kategorien, klare Anforderungen und macht Berichterstattung vergleichbar. Hinzu kommt der wachsende regulatorische Druck: CSRD, ESRS E1, SBTi und CDP verlangen die Offenlegung von Scope-3-Emissionen und beziehen sich explizit auf den GHG Protocol Standard als methodische Grundlage. Wer bereits heute eine belastbare Datenbasis aufbaut, ist auf zukünftige Berichtspflichten vorbereitet und vermeidet Nachholaufwand. 

Scope-3-Emissionen mit ClimatePartner berechnen und reduzieren 

ClimatePartner unterstützt Unternehmen dabei, ihre Scope-3-Emissionen zu erfassen, zu analysieren und zu reduzieren: auf Basis des GHG Protocol Scope 3 Standards und im Einklang mit den Anforderungen von CSRD, SBTi und CDP.  

Mit dem revidierten Scope-3-Standard werden Datentransparenz und ein höherer Anteil an Primärdaten wichtiger. Mit dem Softwarefeature Network im ClimatePartner Hub sind Unternehmen bereits heute darauf vorbereitet: Die Plattform ermöglicht den Austausch lieferantenspezifischer PCF-Daten, ersetzt Schätzwerte durch verifizierte Primärdaten und integriert diese direkt in die eigene CO₂-Bilanz.

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In unserem Leitfaden erfahren Sie, wie Sie schrittweise auf lieferantenspezifische Primärdaten umsteigen, Scope 3.1 reduzieren und die Lieferkette gezielt in die Dekarbonisierungsstrategie einbinden.

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