Cradle-to-gate vs. Cradle-to-grave: Was ist der Unterschied und was passt zu Ihnen?
3. Juli 2026Wo fängt der CO₂-Fußabdruck Ihres Produkts an und wo hört er auf?
Bei der Berechnung eines Product Carbon Footprints (PCF) lautet die erste wichtige Entscheidung: Was wird erfasst und was wird vernachlässigt? Dabei bringt die sogenannte Systemgrenze Klarheit. Sie legt fest, welche Phasen des Produktlebenszyklus in die Berechnung einfließen.
Zwei Begriffe sind dabei zentral: Cradle-to-gate und Cradle-to-grave. Sie klingen zwar ähnlich, unterscheiden sich jedoch in ihrer Komplexität und führen zu unterschiedlichen PCF-Ergebnissen. Für Klimaschutz auf Produktebene ist es wichtig, den Unterschied beider Ansätze zu verstehen.
Was ist Cradle-to-gate?
Cradle-to-gate umfasst den Weg eines Produkts von der Rohstoffgewinnung (der „Wiege") bis zum Verlassen des Werks (dem „Tor"), also im Detail:
- Rohstoffgewinnung und -verarbeitung: Beschaffung und Aufbereitung der Produktionsinputs
- Herstellung und Montage: Energie, Prozesse und Abfälle in der Produktion
- Verpackung: Materialien und Logistik innerhalb der Produktionsstätte
- Nicht enthalten sind die Distribution an Kund:innen, Nutzungsphase und End-of-Life
Cradle-to-gate erfasst den sogenannten Embodied Carbon eines Produkts, also die Emissionen, die bereits vor der Auslieferung entstehen.
Was ist Cradle-to-grave?
Cradle-to-grave erweitert die Systemgrenze auf den gesamten Lebenszyklus. Zusätzlich zu allem, was Cradle-to-gate abdeckt, kommen hinzu:
- Distribution: Ausgehende Logistik, Lagerung und Handel
- Nutzungsphase: Energie- und Kraftstoffverbrauch während der Produktnutzung
- End-of-Life: Entsorgung, Recycling, Verbrennung oder Deponierung
Cradle-to-grave macht nachgelagerte Emissionen sichtbar, die Cradle-to-gate verborgen lässt. Bei manchen Produkten sind diese erheblich: Ein Baumwoll-T-Shirt etwa erzeugt einen Großteil seines CO₂-Fußabdrucks in der Nutzungsphase (Waschen und Trocknen) und nicht in der Herstellung. Bei Produkten, die Strom, Kraftstoff oder Wärme benötigen (Haushaltsgeräte, Fahrzeuge, Elektronik), können die Nutzungsemissionen den Produktions-Fußabdruck bei weitem übersteigen.

Cradle-to-gate vs. cradle-to-grave: Welche Systemgrenze passt zu Ihnen?
Die für Ihren PCF passende Systemgrenze hängt von Ihren Zielen, Ihrer Zielgruppe und Ihrem regulatorischen Umfeld ab.
Wann Cradle-to-gate die richtige Wahl ist
Cradle-to-gate ist der richtige Ausgangspunkt:
- Wenn Sie als Lieferant auf B2B-Datenanfragen reagieren: Kunden, die Scope-3-Lieferkettendaten anfragen, benötigen in der Regel Cradle-to-gate-Werte. Das sind die Emissionen der Produkte, die Sie liefern.
- Wenn Sie PCFs für ein großes Portfolio berechnen möchten: Cradle-to-gate erfordert weniger Daten und ermöglicht so die Berechnung von Hunderten oder Tausenden von PCFs gleichzeitig.
- Wenn Sie Emissions-Hotspots in der Produktion identifizieren wollen: Cradle-to-gate hilft Ihnen dabei, die Emissionen Ihrer eigenen Produktion mit Daten zu Materialien, Energie und Logistik besser zu verstehen
- Wenn Sie PCFs für Zwischenprodukte berechnen (z. B. Stahl, Chemikalien, Komponenten), die in die Fertigprodukte anderer Unternehmen einfließen.
Wann Cradle-to-grave die richtige Wahl ist
Cradle-to-grave ist die richtige Wahl:
- Wenn Sie verbraucherorientierte Umweltaussagen vorbereiten: ClimatePartner setzt für ClimatePartner-zertifizierte Produkte eine Cradle-to-grave-Berechnung voraus. Das ist auch Voraussetzung für Programme wie Amazons Climate Pledge Friendly.
- Wenn Sie sich auf regulatorische Anforderungen vorbereiten: Regulierungen fordern zunehmend, den vollständigen Lebenszyklus zu erfassen. Der CSRD-Standard ESRS E1 schreibt die Offenlegung von Scope-3-Emissionen vor, was in der Praxis lebenszyklusübergreifendes Denken erfordert. Das Product Environmental Footprint (PEF)-Framework formalisiert die Cradle-to-grave-Methodik für bestimmte Produktkategorien. Beide Entwicklungen erzeugen starken regulatorischen Druck für eine vollständige Lebenszyklusabdeckung. Ein universelles Mandat für formale Cradle-to-grave-LCAs über alle Rahmenwerke hinweg existiert jedoch noch nicht.
- Wenn Sie Reduktionsmaßnahmen umsetzen wollen: Daten aus Nutzungsphase und End-of-Life machen Emissionsschwerpunkte sichtbar, die Cradle-to-gate verborgen lässt. Damit eröffnen sich neue Hebel für die Dekarbonisierung.
Kurz gesagt ist Cradle-to-gate effizient und skalierbar, ideal für den B2B-Datenaustausch und Einblicke in das operative Geschäft. Cradle-to-grave geht darüber hinaus: Die Methode ist zukunftssicher, wichtig für die Kommunikation gegenüber Verbraucher:innen und regulatorische Compliance.
Sie sind noch unsicher, welche Systemgrenze zu Ihnen passt? Unsere Expert:innen helfen Ihnen weiter.
Der ClimatePartner Hub: Eine Plattform, beide Systemgrenzen
Statt Unternehmen vor die Wahl zwischen Geschwindigkeit und Vollständigkeit zu stellen, unterstützt der ClimatePartner Hub sowohl Cradle-to-gate- als auch Cradle-to-grave-PCFs in einem einzigen, einheitlichen Workflow.
Cradle-to-gate im Hub: Automatisierte PCFs für große Mengen
Das automatisierte PCF-Tool im ClimatePartner Hub eignet sich für Unternehmen, die PCFs über große Portfolios hinweg schnell, glaubwürdig und kosteneffizient berechnen möchten:
- Template-basierter Massen-Upload: Sie strukturieren Ihre Produktdaten einmalig und können danach für Hunderte von PCFs gleichzeitig hochladen und berechnen.
- KI-gestützte Emissionsfaktor-Zuordnung: Ihre Roh- und Logistikdaten werden automatisch mit dem passenden Emissionsfaktor aus einer Datenbank mit 50.000+ aktivitätsbasierten Faktoren verknüpft. Das System lernt aus früheren Zuordnungen und wird so konsistenter und genauer.
- Automatisiertes Datenqualitäts-Scoring: Ausgerichtet am PACT-Framework, sehen Sie so genau, wie belastbar Ihre Daten sind und wie hoch Ihr Primärdatenanteil ist.
- Integrierte Hotspot-Analyse: Welche Materialien, Prozesse oder Logistikrouten verursachen die meisten Emissionen in Ihrem Produktportfolio?
- Geprüfte Berichte: Sie erhalten standardkonforme Ergebnisse, die von unseren ClimatePartner-Expert:innen für Kunden, Prüfer und interne Stakeholder überprüft werden.
Das Tool richtet sich an Lieferanten und Hersteller, die auf Kunden-PCF-Anfragen reagieren, sich auf die Berichterstattung vorbereiten oder eine CO₂-Datenbasis für ihr Produktportfolio aufbauen.
Cradle-to-grave im Hub: umfassend und flexibel
Die Berechnung im ClimatePartner Hub ist flexibel: Jede PCF-Berechnung lässt sich jederzeit von Cradle-to-gate auf Cradle-to-grave erweitern und wieder zurück, ohne dabei Daten zu verlieren.
- Eine Berechnung, zwei Ergebnisse: Sie berechnen einmalig Cradle-to-grave und erhalten sowohl ein Cradle-to-gate-Ergebnis, etwa für Datenanfragen, als auch ein vollständiges Cradle-to-grave-Ergebnis, beispielsweise um regulatorische Anforderungen zu erfüllen. So brauchen Sie keine separaten Berechnungen für unterschiedliche Zielgruppen.
- GHG-Protocol-konform: Die Cradle-to-grave-Berechnung folgt dem GHG Protocol Product Life Cycle Accounting and Reporting Standard, der international anerkannten Methode zur CO2-Berechnung.
- Drei zusätzliche Emissionskategorien für PCFs: Ausgehende Logistik, Nutzungsphase und End-of-Life werden berücksichtigt.
- Systemgrenzen anpassen: Wechseln Sie frei zwischen Cradle-to-gate und Cradle-to-grave. Nachgelagerte Daten bleiben gespeichert, auch wenn sie gerade nicht in die Berechnung einfließen. So bleiben Sie flexibel und effizient.
Einheitliche PCF-Umgebung: Verwalten Sie all Ihre PCF-Berechnungen an einem Ort.
Labels ClimatePartner-zertifiziert und Finanzieller Klimabeitrag
Mit unseren Labels ClimatePartner-zertifiziert und Finanzieller Klimabeitrag kommunizieren Sie Ihren Fußabdruck und Ihre Klimaschutzmaßnahmen transparent:
- ClimatePartner-zertifiziert: Das Label setzt eine CO2-Bilanz (Cradle-to-grave für Produkte), Reduktionsziele, umgesetzte Reduktionsmaßnahmen und die Finanzierung von Klimaschutzprojekten voraus. Dieses Label ist für Amazons Climate Pledge Friendly-Programm zugelassen.
- Finanzieller Klimabeitrag: Das Label ermöglicht Unternehmen, ihre finanzielle Unterstützung für Klimaschutzprojekte transparent zu kommunizieren. Cradle-to-grave wird dafür empfohlen, ist jedoch nicht verpflichtend.
Beide Labels entsprechen den EmpCo-Anforderungen und sind konform mit den aktuellen regulatorischen Standards für Umweltaussagen. Eine eindeutige Tracking-ID ermöglicht vollständige Transparenz über die Klimaschutzmaßnahmen von Unternehmen gegenüber Verbraucher:innen und Stakeholdern.
Jetzt starten und Schritt für Schritt erweitern
Die meisten Unternehmen müssen sich nicht dauerhaft für eine Systemgrenze entscheiden. Cradle-to-gate ist ein solider, praktikabler Ausgangspunkt, besonders für Lieferanten, die ihr Know-How dazu gerade aufbauen.
Cradle-to-grave ist die Richtung, in die sich der Markt bewegt. Standards, Regulierungen und Erwartungen von Kunden erwarten zunehmend die Erfassung des gesamten Lebenszyklus. Unternehmen, die ihre Datenbasis schon jetzt darauf ausrichten, sind für die Zukunft gut aufgestellt.
Im ClimatePartner Hub ist der Übergang von Cradle-to-gate zu Cradle-to-grave integriert. Die Plattform liefert die Ergebnisse, die Sie brauchen: Sie berechnen einmal, können schrittweise erweitern und die richtigen Ergebnisse genau dort bereitstellen, wo sie gebraucht werden.
ClimatePartner verbindet über 20 Jahre Erfahrung im Klimaschutz mit KI-gestützter Software, um Unternehmen bei der Berechnung, Reduktion und Kommunikation ihrer PCFs zu begleiten. Ganz gleich, ob Sie Ihren ersten PCF berechnen oder ein gesamtes Portfolio: Wir sind an Ihrer Seite.
PCFs automatisiert erstellen
PCF-Einblicke in kürzester Zeit erhalten. Mit automatisierten Product Carbon Footprints reagieren Sie schneller auf Kundenanfragen, überzeugen in Ausschreibungen mit belastbaren Zahlen und konzentrieren Ihre Reduktionsmaßnahmen auf die wirkungsvollsten Hebel. So werden Emissionsdaten ohne manuellen Aufwand zum Wettbewerbsvorteil.
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