Beyond carbon offsetting
Leitfaden zur Finanzierung von Klimaschutzprojekten: Klimaschutz und Vorteile für lokale Gemeinschaften
Jetzt herunterladenReduktion der Treibhausgas-Emissionen: Schlüsselkomponente im Klimaschutz
Die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen ist unbestritten eine der wichtigsten Schlüsselkomponenten, um die Erderwärmung auf unter 1,5 °C zu begrenzen und den Klimawandel zu stoppen.
Um diese Klimaziele zu erreichen, muss die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft schnell und umfassend erfolgen. Das ist ein Fakt. Unternehmen aller Größen und Branchen auf der ganzen Welt sind daher aufgerufen, die Emissionen ihrer betrieblichen Abläufe und entlang ihrer Wertschöpfungsketten zu reduzieren. Gleichzeitig kommt Unternehmen eine besondere Rolle und Verantwortung zu, Investitionen zu tätigen, um die eigenen Klimaauswirkungen zu mindern und die Bemühungen der Weltgemeinschaft beim Klimaschutz zu unterstützen.
Unternehmen können heute Verantwortung für ihre fortlaufenden Emissionen übernehmen, indem sie Klimaschutzprojekte finanzieren, die Treibhausgase vermeiden, reduzieren oder aus der Atmosphäre entfernen.
Klimaschutzprojekte unterstützen
Unser Leitfaden „Beyond Carbon Offsetting" erklärt, wie der freiwillige Emissionsmarkt funktioniert. Sie erfahren, wie Klimaschutzprojekte wirken und wie Unternehmen ihr Engagement glaubwürdig kommunizieren.
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Weltweit steigt das Nachhaltigkeitsbewusstsein
Weltweit setzen sich immer mehr Menschen für Klimaschutz ein. Auch immer mehr Länder verpflichten sich, ihre Treibhausgas-Emissionen drastisch zu reduzieren – mit dem Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Dennoch bleibt viel zu tun.
Der Emissions Gap Report 2025 der Vereinten Nationen ist deutlich: Die Welt steuert auf 2,3–2,5 °C Erwärmung zu. Der Climate Action Tracker rechnet sogar mit rund 2,6 °C bis 2100. Selbst bei vollständiger Umsetzung aller nationalen Klimaziele bleibt das 1,5-°C-Ziel außer Reichweite.
Das verstärkte Engagement von Bürger:innen und Staaten ist wichtig, um die Dringlichkeit des Klimawandels ins Bewusstsein zu rücken und politische Rahmenbedingungen zu schaffen. Doch die Halbierung der Treibhausgas-Emissionen bis 2030 gelingt nur, wenn alle Branchen und Unternehmen mitziehen.
Ein herausforderndes Ziel, das kurz- und langfristige Strategien erfordert. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört die Finanzierung von Klimaschutzprojekten außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette.
Die Finanzierung von Klimaschutzprojekten als Chance für sofortigen Klimaschutz
Lange Zeit bedeutete die Finanzierung von Klimaschutzprojekten vor allem eines: CO₂-Ausgleich. Unternehmen verrechneten Emissionsreduktionen mit ihrem CO₂-Fußabdruck und erreichten so rechnerisch Klimaneutralität. Dieser Anspruch ist unter der Empowering Consumers Directive (EmpCo) ab September 2026 nicht mehr länger zulässig.
Auch in der Zusammenarbeit mit Kunden und Stakeholdern beobachten wir: Unternehmen stellen zunehmend die Wirkung ihres finanziellen Beitrags in den Vordergrund. Nicht die Verrechnung zählt, sondern der tatsächliche Klimaschutz.
Dafür gibt es gute Gründe:
Begriffe wie „CO2-Ausgleich", „CO2-Kompensation“ oder „klimaneutral" bergen Risiken. Sie suggerieren, dass ein Produkt oder ein Unternehmen keinerlei Umweltauswirkungen mehr hätten. Das greift zu kurz. Und es lenkt den Blick weg von dem, worauf es ankommt: die eigenen Emissionen zu senken.
Wer Klimaschutzprojekte finanziert, reduziert auch intern stärker.
Studien belegen: Unternehmen, die Klimaschutzprojekte unterstützen, senken ihre eigenen Emissionen doppelt so stark wie Unternehmen ohne dieses Engagement. Klimaschutzprojekte ersetzen Reduktion nicht, aber sie beschleunigen sie.
Ab September 2026 gelten in der EU neue Regeln für Klima- und Umweltaussagen.
Die Empowering Consumers Directive (EmpCo) macht Schluss mit irreführenden Aussagen. Klimaneutralitäts-Claims, die allein auf Kompensation beruhen, sind dann nicht mehr zulässig. Gleiches gilt für vage Begriffe wie „grün" oder „umweltfreundlich" ohne belastbare Nachweise.
Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Wir empfehlen, nicht von „CO₂-Ausgleich" zu sprechen, sondern die Finanzierung von Klimaschutzprojekten und die Vorteile der Projekte hervorzuheben. Ihr Unternehmen finanziert den globalen Klimaschutz, ohne die Emissionsreduktion für sich zu beanspruchen.
CO2-Ausgleich, CO2-Kompensation (Offsetting Claims) | Unternehmen beanspruchen den Ausgleich eigener Emissionen. Das erfordert exklusive Zurechnung der CO₂-Zertifikate. Empfohlen werden CO₂-Zertifikate mit Corresponding Adjustments, um Doppelzählung auszuschließen. Wichtig: Offestting Claims sind unter der EmpCo nicht mehr länger zulässig. |
Contribution (Contribution Claims) | Unternehmen finanzieren Klimaschutz, ohne die Emissionsreduktion für sich zu beanspruchen. Die Emissionsreduktionen zählen auf das NDC des Projektlands oder wirken über die nationalen Klimaziele hinaus. |
Klimaschutzprojekte ermöglichen sofortigen Klimaschutz
Der Voluntary Carbon Market (VCM) ermöglicht es Unternehmen und Privatpersonen, Klimaschutzprojekte zu finanzieren. Das geschieht über den Erwerb von verifizierten Emissionsreduktionen (VERs).
Jede VER steht für eine Tonne CO₂-Äquivalent, die vermieden, reduziert oder entfernt wurde. Unabhängig zertifizierte Klimaschutzprojekte generieren diese VERs nach den Anforderungen internationaler Best-Practice-Standards.
Über die Finanzierung von Klimaschutzprojekten adressieren Unternehmen ihre schwer vermeidbaren Treibhausgas-Emissionen – also solche, die nach eigenen Reduktionsmaßnahmen übrigbleiben.
Warum ist die Finanzierung von Klimaschutzprojekten so wichtig?
Menschen haben durch Transport, Landwirtschaft und Energieerzeugung in den letzten 150 Jahren einen Großteil der Treibhausgase in der Atmosphäre verursacht. Diese treiben die Erderwärmung voran und beschleunigen den Klimawandel.
Die Antwort ist klar: Unternehmen müssen ihre Treibhausgas-Emissionen drastisch senken und bis 2030 halbieren.
Die SBTi gibt mit ihrem Corporate-Net-Zero-Standard eine klare Richtung vor. Unternehmen setzen sich wissenschaftlich fundierte Reduktionsziele. Gleichzeitig empfiehlt die SBTi, Verantwortung für die Emissionen zu übernehmen, die sich auf dem Weg zu Netto-Null weiter aufsummieren: durch die Finanzierung von Klimaschutzprojekten außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette.
Kurzfristig empfiehlt die SBTi Projekte mit hoher Klimawirkung und zusätzlichem sozialen sowie ökologischen Nutzen – insbesondere in Regionen, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind. Ab 2035 liegt der Schwerpunkt stärker auf Projekten, die CO₂ dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen.
Ein Bericht der Royal Society und der Royal Academy of Engineering bestätigt: Eine reine Reduktion der THG-Emissionen, wie drastisch sie auch ausfallen mag, wird nicht ausreichen, um das Net-Zero-Ziel bis 2050 zu erreichen. Naturbasierte und technische Lösungen zur CO₂-Bindung – wie Direct Air Capture und Carbon Capture and Storage – sind ein wichtiger Teil jeder Klimaschutzstrategie.
Als Ausgleich für Restemissionen brauchen wir mehr Treibhausgassenken weltweit. Das sind natürliche Speichersysteme, die Treibhausgase aus der Atmosphäre entfernen – in Pflanzen, in der Erde oder im Meer.
Verantwortungsbewusster Ausgleich von THG-Emissionen
Unternehmen sollten zunächst ihre THG-Emissionen umfassend reduzieren. Nach dem Net-Zero-Standard der SBTi haben Investitionen in die Vermeidung und Reduktion von THG-Emissionen innerhalb der Wertschöpfungskette höchste Priorität.
Erst wenn diese Möglichkeiten ausgeschöpft sind, investieren Unternehmen über ihre eigenen wissenschaftsbasierten Ziele hinaus in Klimaschutzprojekte, die global wirken.
Klimaschutzprojekte lassen sich entsprechend ihrem Beitrag zum Net-Zero-Ziel in drei Kategorien einteilen:
Reduktion
Technologien wie erneuerbare Energien, effiziente Kochöfen und Lösungen für sauberes Trinkwasser verursachen weniger Emissionen als fossile Brennstoffe.
Reduzieren
Bindung
Naturbasierte Lösungen wie Aufforstung sowie technische Verfahren wie Direct Air Capture (DAC) oder Pflanzenkohle entfernen CO₂ aus der Atmosphäre.
Binden
Vermeidung
Waldschutzprojekte (REDD+) und verbesserte Waldbewirtschaftung verhindern, dass Treibhausgase freigesetzt werden.
Vermeiden
Klimaschutzprojekte dienen nicht nur dem Klimaschutz. Sie bieten auch lokalen Gemeinschaften – insbesondere in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen– konkrete Vorteile: besseren Zugang zu Gesundheit und Bildung, sauberem Trinkwasser und bezahlbarer Energie. Sie tragen zur Erreichung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) bei.
Wie funktioniert der freiwillige Emissionsmarkt? Vom Kyoto-Protokoll bis heute
Die Idee, Klimaschutz über Ländergrenzen hinweg zu finanzieren, entstand mit dem Kyoto-Protokoll von 1997. Es führte den Clean Development Mechanism (CDM) ein: den ersten globalen Mechanismus für marktbasierten Klimaschutz.
Das Prinzip: Industrieländer investierten in Projekte zur Emissionsreduktion in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Im Gegenzug erhielten sie Certified Emission Reductions (CERs) – Zertifikate, die sie auf ihre nationalen Reduktionsverpflichtungen anrechnen konnten.
Parallel dazu entstand der freiwillige Emissionsmarkt (VCM). Private Akteure, wie Unternehmen, Organisationen, Einzelpersonen, ergriffen die Initiative für mehr Klimaschutz, während auf staatlicher Ebene noch um Lösungen gerungen wurde. Sie kauften und verkauften Emissionszertifikate freiwillig, nicht aufgrund gesetzlicher Verpflichtungen.
Der VCM entwickelte ein eigenes Zertifikat: die Verified Emission Reduction (VER). 1 VER entspricht 1 Tonne CO₂. Organisationen wie Verra (Verified Carbon Standard) und der Gold Standard etablierten Standards, die Projektdesign, Monitoring und unabhängige Verifizierung regelten.
„Klimaneutralität durch Kompensation"
Auf Basis dieses Systems entstand das Konzept des CO₂-Ausgleichs: Unternehmen berechneten ihren CO₂-Fußabdruck, reduzierten Emissionen, wo möglich, und glichen die verbleibenden Restemissionen durch den Kauf von Zertifikaten aus. Das Ergebnis: rechnerische Klimaneutralität.
Dieses Modell basiert auf einer physikalischen Tatsache: Treibhausgase verteilen sich gleichmäßig in der Atmosphäre. Wo auf der Erde Emissionen vermieden oder reduziert werden, ist für die globale Treibhausgaskonzentration irrelevant.
Für viele Unternehmen war der CO₂-Ausgleich der Einstieg in den Klimaschutz. Er machte Emissionen messbar, schuf Bewusstsein und lenkte erstmals private Finanzströme in Klimaschutzprojekte weltweit.
Mit Inkrafttreten der EmpCo sind Klimaneutralitäts-Claims nicht mehr länger zulässig.
Von Kyoto nach Paris: neue Regeln, neue Herausforderungen
2015 löste das Pariser Klimaabkommen das Kyoto-Protokoll ab. Unter dem Kyoto-Protokoll hatten viele Länder des globalen Südens keine eigenen Emissionsreduktionsziele. Das Pariser Abkommen verpflichtet alle 192 Staaten, nationale Klimaschutzpläne (Nationally Determined Contributions, NDCs) zu erarbeiten.
Das verändert den freiwilligen Markt. Wenn sowohl das Projektland als auch das Käuferland dieselbe Emissionsminderung geltend machen, entsteht das Risiko der Doppelzählung. Artikel 6 des Pariser Abkommens legt daher Regeln fest, wie Emissionsminderungen zwischen Ländern übertragen und bilanziert werden.
Für den freiwilligen Emissionsmarkt gilt: Wenn ein Unternehmen VERs erwirbt, werden diese in der Regel nicht auf die Klimaziele des Heimatlandes angerechnet. Das Projektland kann die Emissionsminderung auf sein eigenes NDC anrechnen. Das gilt nicht als Doppelzählung, da nur das Projektland die Reduktion in seiner offiziellen Klimabilanz nutzt.
So funktioniert der VCM heute
Die Klimawirkung von Projekten wird in Tonnen CO₂-Äquivalenten (CO₂e) gemessen. Sobald die Kohlenstoffeinsparung verifiziert wurde, gibt ein Projekt verifizierte Emissionsminderungen (VERs) aus. Jede VER entspricht einer Tonne CO₂.
Das Zertifikat wird in ein öffentliches Register eingetragen, verwaltet von einer unabhängigen Organisation wie Verra oder dem Gold Standard. Damit ein Unternehmen die Finanzierung nachweisen kann, erwirbt es das Zertifikat und bucht es im Register aus. So wird Doppelzählung ausgeschlossen.
Warum sind Standards für den freiwilligen Emissionsmarkt so wichtig?
Auch wenn die Finanzierung von Klimaschutzprojekten auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung beruht: Die Projekte müssen konsequent validiert, registriert und regelmäßig von unabhängigen Instanzen geprüft werden.
Dabei gelten international anerkannte Standards wie der Gold Standard, der Verified Carbon Standard (VCS) oder PV Climate.
Klimaschutzprojekte erfüllen internationale Qualitätsstandards:
Ausschluss von Doppelzählungen | Jede VER darf nur einmal gewertet werden. |
Zusätzlichkeit | Nur Projekte, die auf Finanzmittel angewiesen sind, werden zertifiziert. |
Dauerhaftigkeit | Wird CO₂ aus der Atmosphäre entfernt, muss es über einen längeren Zeitraum gebunden bleiben. |
Regelmäßige Überprüfung | Unabhängige Auditor:innen bestätigen die Einhaltung der Standards. |
Vorteile für das Klima und Menschen vor Ort
Standards wie Gold Standard oder VCS sorgen für Transparenz und Vertrauen. Zertifizierte Projekte werden regelmäßig von unabhängigen Validierungs- und Verifizierungsstellen (VVBs) geprüft.
Darüber hinaus stellen weitere Standards wie die Climate, Community, and Biodiversity (CCB) oder der SocialCarbon Standard sicher, dass Klimaschutzprojekte auch Vorteile für die Umwelt und die lokalen Gemeinschaften haben.
Klimaschutzprojekte bieten soziale, wirtschaftliche und ökologische Vorteile
| Sozial und wirtschaftlich | Ökologisch |
|---|---|
| Bekämpfung von Armut und Hunger | Schutz der biologischen Vielfalt |
| Schaffung von Arbeitsplätzen | Bewahrung von Lebensräumen für einheimische Tier- und Pflanzenarten |
| Besserer Zugang zu Bildung, Gesundheit und sauberem Trinkwasser | Verbesserung der Luft- und Wasserqualität |
| Kostenlose Kochöfen | Entfernung von Plastikmüll aus den Meeren |
| Erneuerbare Energie aus Biomasse, Solar-, Wind- und Wasserkraft |
Klimaschutzprojekte: ein Beitrag zu den globalen Klimazielen
Eine schnelle und umfassende Reduktion der Treibhausgas-Emissionen ist entscheidend, um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Die Finanzierung von Klimaschutzprojekten ist für Unternehmen ein wichtiges Instrument als sofortige Maßnahme und als langfristiger Beitrag über die eigene Wertschöpfungskette hinaus.
Die Finanzierung von Klimaschutzprojekten wirkt doppelt: Sie senkt globale Emissionen und verbessert die Lebensbedingungen lokaler Gemeinschaften.
Gleichzeitig profitieren Unternehmen direkt – durch eine stärkere Marke, stabilere Lieferketten und höhere Attraktivität für Talente und Investor:innen.
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Was erwartet Sie in diesem Guide?
- Warum Klimaschutzprojekte wichtig sind – und warum es sich lohnt, in sie zu investieren
- Wie Klimaschutzprojekte funktionieren – von der Idee bis zur Umsetzung
- Wie wir Sie unterstützen – von der Projektauswahl bis zur Kommunikation