Product Carbon Footprint (PCF) Definition
Ein Product Carbon Footprint (PCF) bildet die gesamten Treibhausgasemissionen ab, die über den Lebenszyklus eines Produkts entstehen: von der Rohstoffgewinnung und Produktion über den Transport und die Nutzung bis hin zur Entsorgung. Das Ergebnis wird in kg CO₂e pro Produkteinheit ausgedrückt. Mit einem PCF können Unternehmen Emissions-Hotspots identifizieren, fundierte Entscheidungen zu Materialien und Lieferanten treffen sowie Berichtspflichten nach CSRD oder SBTi (Science Based Targets initiative) erfüllen.
Warum einen Product Carbon Footprint berechnen?
Produktbezogene Emissionsdaten sind für Unternehmen, die mit der Dekarbonisierung starten wollen, unverzichtbar. Ein PCF zeigt auf, wo Emissionen im Produktlebenszyklus entstehen und ist damit die Grundlage für:
- Gezielte Reduktionsmaßnahmen: Der PCF macht transparent, wo die größten Hebel zur Reduktion von Emissionen liegen
- Belastbare Daten für Kunden- und regulatorische Anforderungen wie zum Beispiel CSRD oder SBTi
- Einbindung der Lieferkette: Transparenz über Scope-3.1-Emissionen (eingekaufte Waren und Dienstleistungen) schaffen
Für viele Unternehmen machen eingekaufte Waren und Dienstleistungen (Scope 3.1) den größten Anteil ihres gesamten CO2-Fußabdrucks aus. Wer einen PCF berechnen möchte, braucht verlässliche Daten: Ohne produktbezogene Daten können Unternehmen nicht nachvollziehen, bei welchen Lieferanten, Materialien oder Prozessen das größte Reduktionspotenzial liegt.
Product Carbon Footprint berechnen: So funktioniert es
Ein PCF wird nach dem GHG Protocol Product Life Cycle Accounting and Reporting Standard berechnet. Weitere anerkannte Standards für die Berechnung sind ISO 14067 und PACT (Partnership for Carbon Transparency) mit zusätzlicher Orientierung zur Berechnung und dem Austausch von Cradle-to-Gate-PCFs entlang der Wertschöpfungskette.
Eine PCF-Berechnung folgt fünf Schritten.
Schritt 1: Analyseeinheit festlegen
Die deklarierte Einheit gibt an, für welche Produktmenge der Fußabdruck berechnet wird, zum Beispiel „500 g Tofu" oder „1 Liter Farbe". Das stellt sicher, dass Ergebnisse verschiedener Berechnungen für ähnliche Produkte vergleichbar sind.
Schritt 2: Systemgrenzen festlegen
Systemgrenzen definieren, welche Lebenszyklusphasen und Prozesse in die Berechnung einfließen: Materialgewinnung und -vorverarbeitung, Produktion, Distribution und Lagerung, Nutzungsphase sowie End-of-Life.
- Ein Cradle-to-Gate-PCF deckt die Lebenszyklusphasen eines Produkts von der Rohstoffgewinnung (der „Wiege") bis zum Verlassen des Werks (dem „Tor") ab und ist der Standard für die Scope-3.1-Berichterstattung und den B2B-Datenaustausch.
- Ein Cradle-to-Grave-PCF umfasst alle fünf Lebenszyklusphasen inklusive Nutzung und Entsorgung und eignet sich für eine transparente Kommunikation gegenüber Verbraucher:innen.
Schritt 3: Aktivitätsdaten erheben
Für jeden Prozess innerhalb der definierten Systemgrenzen erhebt das Unternehmen bei der Berechnung Aktivitätsdaten zu Materialeinsatz, Energieverbrauch, Transportwegen, Verpackung und Abfall.
Primärdaten von Lieferanten führen zu genaueren Ergebnissen, die konkrete Handlungsempfehlungen ermöglichen.
Schritt 4: Emissionsfaktoren zuordnen
Jede Aktivität wird einem Emissionsfaktor aus anerkannten Datenbanken oder von Lieferanten zugeordnet. Der Emissionsfaktor gibt an, wie viel CO₂e pro Aktivitätseinheit freigesetzt wird. Unternehmen wie ClimatePartner unterstützen bei diesem Schritt.
Schritt 5: Berechnen und dokumentieren
Die Aktivitätsdaten werden mit den entsprechenden Emissionsfaktoren multipliziert, um den gesamten Fußabdruck, aufgeschlüsselt nach Lebenszyklusphase, zu ermitteln. Die Ergebnisse werden in einem Bericht dokumentiert, der die verwendeten Methoden erläutert, Emissionsschwerpunkte benennt und die Grundlage für Reduktionsstrategien bildet.
PCF vs. LCA: Was ist der Unterschied?
Ein PCF ist ein Teil von LCA (Life Cycle Assessment, im Deutschen auch Ökobilanz). Während der PCF sich auf ausschließlich auf Treibhausgasemissionen in CO₂e konzentriert, deckt LCA zum Beispiel auch Wasserverbrauch, Landnutzung und Versauerung ab. Der PCF ist weniger komplex, lässt sich schneller erstellen und ist direkt auf Carbon-Reporting-Anforderungen anwendbar. Relevante Standards für den PCF sind GHG Protocol, ISO 14067 und PACT; für die LCA gelten ISO 14040 und 14044.
| Product Carbon Footprint (PCF) | Life Cycle Assessment (LCA) | |
| Umfang | Eine Wirkungskategorie: Treibhausgasemissionen | Mehrere Wirkungskategorien |
| Abgedeckte Kategorien | CO2e | Wasserverbrauch, Landnutzung, Versauerung und mehr |
| Komplexität | Geringer | Höher |
| Anwendung | Carbon Reporting, Scope-3-Datenaustausch | Umfassende Umweltbewertung von Produkten |
| Standards | GHG Protocol, ISO 14067, PACT | ISO 14040/14044 |
| Verhältnis | Teil einer vollständigen Ökobilanz | Umfasst den PCF als eine Komponente der gesamten Bilanz |
Vom Product Carbon Footprint zur Reduktion von Emissionen mit ClimatePartner
Ein Product Carbon Footprint zeigt, wo im Lebenszyklus eines Produkts die meisten Emissionen entstehen: ob bei den Rohstoffen, der Produktion, den Transportwegen oder der Entsorgung. Damit können Unternehmen Reduktionsmaßnahmen priorisieren, Lieferanten mit vergleichbaren Daten einbinden und Fortschritte im Abgleich mit wissenschaftsbasierten Zielen verfolgen.
PCFs werden im Austausch von Einkäufern und Lieferanten zunehmend wichtiger. Da sich immer mehr Unternehmen Science-based Targets (wissenschaftsbasierte Ziele) setzen und Berichtspflichten nachkommen müssen, benötigen sie auch präzise, produktbezogene Emissionsdaten von ihren Lieferanten. Branchendurchschnitte reichen nicht mehr aus.
Im Einkauf: PCFs ermöglichen fundierte Entscheidungen, den Vergleich von Lieferanten nach CO₂-Bilanz und die Berichterstattung glaubwürdiger Scope-3-Zahlen.
Bei Lieferanten: Die Bereitstellung von PCF-Daten wird zum Wettbewerbsfaktor. Kunden fordern sie vor der Listung von Produkten ein und Frameworks wie PACT schaffen die Infrastruktur für einen standardisierten, sicheren Austausch von Primäremissionsdaten entlang mehrstufiger Wertschöpfungsketten.
Häufige Fragen zum Product Carbon Footprint (PCF)
Ein Product Carbon Footprint zeigt alle Treibhausgasemissionen auf, die über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts entstehen, von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. Das Ergebnis wird in kg CO₂e pro Produkteinheit angegeben.
Die Berechnung folgt dem GHG Protocol Product Life Cycle Accounting and Reporting Standard oder ISO 14067. In fünf Schritten werden Analyseeinheit, Systemgrenzen und Aktivitätsdaten festgelegt, Emissionsfaktoren zugeordnet und die Ergebnisse dokumentiert.
Cradle-to-Gate umfasst nur die vorgelagerten Phasen bis zum Verlassen des Werks und ist der Standardrahmen für den B2B-Datenaustausch. Cradle-to-Grave schließt zusätzlich Nutzung und Entsorgung von Produkten ein und eignet sich für die transparente Kommunikation gegenüber Verbraucher:innen.
Die CSRD verpflichtet Unternehmen zur detaillierten Berichterstattung über Scope-3-Emissionen. Produktbezogene Emissionsdaten, also PCFs, sind die Grundlage dafür, um über Scope 3.1 (eingekaufte Waren und Dienstleistungen) glaubwürdig und präzise zu berichten.
Ein Product Carbon Footprint sollte aktualisiert werden, wenn sich das Produkt, auf den sich der Fußabdruck bezieht, verändert. Dazu gehören zum Beispiel neue Rohstoffe, Veränderungen bei den Produktionsprozessen oder Neuerungen bei Verpackung und Logistik.
Ein PCF ist eine fokussierte Teilmenge eines vollständigen Life Cycle Assessment (LCA, auf Deutsch auch Ökobilanz). Während der PCF ausschließlich Treibhausgasemissionen betrachtet, deckt das Life Cycle Assesment weitere Umweltwirkungen wie Wasserverbrauch oder Landnutzung ab.
Der digitale Produktpass ist ein zentraler Bestandteil der EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR). Er liefert detaillierte Informationen über den gesamten Produktlebenszyklus: von Produktion und Materialien bis hin zu Umweltauswirkungen und Entsorgung. Der digitale Produktpass schafft Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette und unterstützt den Übergang der EU zur Kreislaufwirtschaft. Ein Product Carbon Footprint ist ein wesentlicher Bestandteil des DPP: Er muss im DPP enthalten sein.
PCF-Checkliste für Lieferanten
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